Mit zehn kriminell: Nun ist Elvis (20) zurück im Leben

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Kriminelle Zeiten sind vorbei: Elvis aus Kassel hat gelernt, was Verantwortung , Disziplin und Respekt bedeuten. Geholfen hat ihm dabei das Projekt Freestyle.

Kassel. Mit neun Jahren nachts auf den Straßen unterwegs, mit zehn kriminell und mit elf vom Jugendamt aufgegriffen: Während Gleichaltrige noch mit Autos im Kinderzimmer spielten, war Elvis mit Kleinkriminellen auf Tour.

Zehn Jahre später hat der junge Mann mit bosnischen Wurzeln sein Leben wieder ganz gut im Griff. Geholfen hat ihm dabei das Projekt Freestyle, wo er über den Sport Disziplin und Respekt gelernt hat. Heute hat der Kasseler einen Job und eine eigene Wohnung.

Die Sache mit der Goldkette tut ihm heute leid: Elvis, der seinen Nachnamen lieber für sich behalten möchte, hat sie damals von einem Freund geklaut. Da war er zehn oder elf Jahre alt. „Die Kette war von seinem verstorbenen Vater. Ich habe sie verkauft. Heute würde ich sie ihm gerne wiedergeben.“

Überhaupt hat der junge Mann schon als Kind „viele blöde Dinge“ gemacht und erlebt. Er hat nicht nur geklaut, sondern auch fremde Sachen kaputt gemacht und sich von seinen älteren Kumpels das Handeln mit Drogen zeigen lassen. „Ich hab’ gelernt, welche Sorten es gibt und wie man verkauft.“ Auch hat er sich immer wieder geschlagen. „Ich habe zwar immer mehr eingesteckt, aber ich hab’ mich gewehrt.“

Mit elf Jahren war dann Schluss: Das Jugendamt holte den Jungen, der häufig nicht in der Schule war, von zuhause weg. „Meine Mutter, die hat sich nicht so gekümmert – die war mit was anderem beschäftigt.“ Dann bekam Elvis’ Vater das Sorgerecht. Seine Eltern hatten sich getrennt. Ab sofort wehte ein anderer Wind: „Mein Vater war streng, und das war komisch für mich.“

Mit seinem Vater und seiner Stiefmutter zog er von Kassel nach Niestetal, wo er im Jugendclub den Jugendarbeiter Enver Gakovic kennenlernte. Ein Mann, der das Projekt Freestyle gründete und den Elvis heute Bruder nennt. Gakovic, der ebenfalls aus Bosnien stammt, gab ihm Selbstvertrauen. Elvis konnte bei Freestyle und der zugehörigen Halle im Wesertor nicht nur seinem Hobby Tanzen nachgehen. Er lernte auch Verantwortung zu übernehmen. So lernt er als Co-Trainer inzwischen andere Jugendgruppen an und verdient sich dabei etwas Geld dazu.

Mit Verantwortung war Elvis früher nicht gut klargekommen. Weil er sich nicht um seine kleinen Geschwister kümmern wollte, hatte er auch vor seinem Vater die Flucht ergriffen und war eine Weile ausgezogen. „In bosnischen Familien ist es eigentlich üblich, dass der älteste Sohn zu Hause bleibt, bis er verheiratet ist.“

Auf eigenen Beinen

Inzwischen ist Elvis ganz auf sich alleine gestellt. Sein Vater ist nach München gezogen. Er will aber in Kassel bleiben, Freestyle ist für ihn ein Stück Familie geworden. Auch seine Miete überweist er „immer pünktlicher“. Das Geld verdient er sich auch mit einem Minijob in der Gastronomie – den Kontakt hat ihm Freestyle verschafft. Nächstes Ziel ist der Hauptschulabschluss.

Ab und an hört Elvis etwas von seinen alten Freunden aus der Kindheit: „Von denen sitzen heute fast alle im Knast.“

Von Bastian Ludwig

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