Bauindustrieverband in Nordhessen

Sinkende Investitionen: „Straßen nicht kaputtsparen“

Bauen in großem Stil: Umfangreiche Straßenbauprojekte wie die Erneuerung der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel sind ein Fall für Mitgliedsfirmen des Bauindustrieverbandes. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Nordhessens Bauindustrie rechnet für dieses Jahr mit deutlich weniger Bauaufträgen der öffentlichen Hand. Für das laufende Jahre werde in diesem Bereich ein Rückgang um 25 Prozent erwartet, hieß es am Rand einer regionalen Mitgliederversammlung des Bauindustrieverbandes Hessen-Thüringen in Kassel.

Für die etwa 40 Unternehmen der Bezirksgruppe Nordhessen mit 4500 Beschäftigten machen Projekte etwa im Straßen-, Tief- und Brückenbau circa 40 Prozent des Umsatzes aus, welcher zudem längerfristig planbar ist.

Doch im Zeichen zunehmender Sparzwänge seien Ausgaben zur Erhaltung der Infrastruktur immer schlechter zu finanzieren. „Ein Beispiel von vielen ist der Streit um die Kasseler Fuldaschleuse“, sagte die neue Bezirksgruppenvorsitzende Dr. Anne Fenge (Hermanns AG, Kassel). Ihr Vorgänger im Amt, Harald Richter (Fr. Richter, Kassel), wies darauf hin, dass sich an fast allen Autobahnbrücken aus der Nachkriegszeit jetzt gleichzeitig Schäden zeigen würden. Es bahne sich ein Investitionsstau an, dem man nur noch hinterherflicken könne, warnt die Regionalgruppe. In diesem Jahr werde zulasten Nordhessens ein größerer Anteil der öffentlichen Straßenbau-Investitionen in den Süden des Landes gelenkt, um das dort dichtere Straßennetz zu reparieren.

Etwa die Hälfte des nordhessischen Branchenumsatzes von 2,2 Milliarden Euro entfiel im Vorjahr auf Gewerbebauten für Industrie und Handel. Projekte etwa für Volkswagen, SMA und rund um den Flughafen Calden hätten für gute Geschäfte gesorgt, doch für dieses Jahr „erwarten wir hier insgesamt eher ein Nullwachstum“, sagte Vorstandsmitglied Jochen Wachenfeld-Tesch (Wachenfeld, Korbach). Anders als die öffentliche Hand würden industrielle Auftraggeber eher kurzfristig reagieren – wenn zum Beispiel ein Großauftrag gewonnen werde, entstehe Baubedarf.

Von der anhaltend guten Nachfrage beim privaten Wohnungsbau profitiert der Industrieverband indessen nur zu geringem Anteil – dieses Geschäft bedienen vor allem die handwerklich organisierten Bauunternehmen.

Unter dem strengen und langen Winter haben alle gleichermaßen gelitten. Bis in den April hinein sei die Ertragslage der Firmen „empfindlich gestört“ gewesen, sagte der scheidende Regionalvorsitzende Harald Richter.

Wegen des Nachholbedarfs seien die Auftragsbücher immerhin gut gefüllt: Bis weit in den Spätsommer hinein hätten die Mitgliedsfirmen des Verbandes Arbeit.

Von Axel Schwarz

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