Städtische Werke wollen bei Privatstraßen zur Kasse bitten

Straßenbeleuchtung an Privatstraßen: Anlieger sollen zahlen

+
Fühlen sich benachteiligt: Karl Ulrich Steudel (links) und Reiner Henn sollen für die Straßenbeleuchtung extra zahlen.

Kassel. Die Städtischen Werke wollen die Anlieger von Privatstraßen für die jeweilige Straßenbeleuchtung zur Kasse bitten. Wer sich bis Ende des Jahres nicht bereit erklärt, einen Vertrag dafür zu unterschreiben, der muss künftig im Dunkeln nach Hause finden.

Zwei Anlieger einer Privatstraße in Harleshausen berichten, wie kompliziert die Sache ist und wie sehr sie sich von den Städtischen Werken im Dunkeln gelassen fühlen.

Reiner Henn wohnt seit 1967 an der John-F.-Kennedy-Straße in Harleshausen. Damals wurde die Siedlung gebaut und auch zwei Stichstraßen als Privatstraßen ausgewiesen. Der Anwohner der ersten Stunde hat in den vergangenen 49 Jahren nie gesondert für den Strom bezahlen müssen, den die zwei Straßenlaternen an der Privatstraße verbrauchen. Vergangenes Frühjahr erhielten er und die weiteren Hauseigentümern an der Straße unerfreuliche Post.

„Ungleichbehandlung“

Die Städtischen Werke teilten mit, dass ab sofort für den Strom der Straßenlaternen kassiert wird. Wer nicht zahle, dem werde bis Ende des Jahres an der Straße das Licht ausgedreht. „Das ist eine Ungleichbehandlung. Wir werden doppelt zur Kassel gebeten“, findet der ebenfalls betroffene Hauseigentümer Karl Ulrich Steudel. Denn die Anlieger öffentlicher Straßen müssten auch nicht gesondert für den Strom der Laternen vor ihrer Tür zahlen.

Rückendeckung gibt es vom Eigentümerverband Haus & Grund. Dieser hatte die neue Regelung kritisiert, da die Anlieger von Privatstraßen genauso Grundsteuer zahlten wie alle anderen Hauseigentümer der Stadt. Dieses Geld sei für öffentliche Aufgaben wie Straßenbeleuchtung vorgesehen, sagt Wolfram Kieselbach, Vorsitzender von Haus & Grund Kassel. Nach Auskunft des Eigentümerverbandes ist das Vorgehen der Stadt einzigartig in Hessen und vermutlich auch bundesweit.

Einer soll der Eintreiber sein

Neben der grundsätzlichen Ablehnung der zusätzlichen Abgabe, halten die Harleshäuser auch das Prozedere für zu kompliziert. Denn die Städtischen Werke fordern, dass jeweils nur ein Anlieger der Privatstraßen einen Vertrag mit den Städtischen Werken abschließt. Das heißt, dieser müsste dann das Geld bei den betroffenen Nachbarn eintreiben. „Keiner will da in die Verantwortung gehen. Wir sind neun Eigentümer an der Straße, da hat keiner Lust, dem anderen wegen des Geldes hinterherzulaufen“, sagt Steudel.

Pro Laterne sollen Kosten von knapp 100 Euro pro Jahr anfallen. „Das ist nicht viel Geld, aber es bedeutet viel Aufwand für denjenigen, der es nachher mit den Nachbarn verrechnen muss“, sagt Steudel. Noch dazu sei es schwer, alle Hauseigentümer ausfindig zu machen, weil einige nicht in Kassel lebten.

Die Städtischen Werke standen am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung.

So viele Straßen sind betroffen

Die genaue Zahl der Privatstraßen in Kassel kann weder die Stadt noch die Städtischen Werke beziffern. Sie werden nicht erfasst. Klar ist aber, dass etwa 100 städtische Laternen an Privatstraßen stehen. Da diese Straßen in der Regel kurz sind, betrifft es meist zwei bis drei Laternen pro Straße. Zur Auswahl stellen die Städtischen Werke den Anwohnern der Privatstraßen zwei Optionen: Sie können einen Vertrag für die Beleuchtung abschließen oder die Laternen auf eigene Kosten am privaten Hausanschluss anschließen lassen. In beiden Fällen soll jeweils ein Anlieger diese Aufgabe übernehmen und dann mit den anderen Betroffenen abrechnen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.