Straßenname bleibt: Tafel soll Leben von Waldemar Petersen einordnen

Kein neuer Name: Mit Zusatztafeln an den Straßenschildern soll das Leben des Namensgebers Waldemar Petersen eingeordnet werden. Archivfotos: Fischer, privat/Abbildung aus dem Buch von Manfred Efinger

Kassel. Die Waldemar-Petersen-Straße, die durch drei Stadtteile im Kasseler Osten verläuft, wird nicht umbenannt.

Stattdessen sollen unter den Straßenschildern Infotafeln zur Einordnung des Lebens des früheren AEG-Managers Waldemar Petersen angebracht werden, sagt Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich.

Die Tafel soll folgenden Zusatz tragen: „Waldemar Petersen wurde 1880 geboren. 1918 wurde er Professor für Elektrotechnik. Er ist der Erfinder der Löschspule zur Erdschlusskompensation (Petersenspule) und gilt als Begründer der Hochspannungstechnik. 1921 bis 1923 war er Rektor der TH Darmstadt. 1928 wurde er Generaldirektor der AEG. Von 1933 bis 1945 war er mitverantwortlich für die Vertreibung jüdischer Mitarbeiter aus dem Unternehmen AEG. Er starb 1946 in Darmstadt.“

Waldemar Petersen

Diskussionen über den Straßennamen gab es, nachdem Erkenntnisse bekannt geworden waren, dass Petersen enge Verbindungen zum NS-Regime hatte. Von 1938 bis 1945 war er auch Wehrwirtschaftsführer. Beschrieben hatte das Dr. Manfred Efinger, Kanzler der Technischen Universität Darmstadt, in einem Buch, das er im Herbst 2014 veröffentlicht hatte. In Folge war die Waldemar-Petersen-Straße in Darmstadt umbenannt worden. Dort war die Uni einzige Anliegerin.

In den Kasseler Stadtteilen Waldau, Forstfeld und Bettenhausen wären von einer Umbenennung 720 Anwohner in etwa 250 Haushalten betroffen. Vor diesem Hintergrund bezeichnet Waldaus Ortsvorsteher Joachim Bonn (SPD) den Vorschlag aus dem Rathaus „absolut vernünftig“. Die Zusatztafeln sollen in der nächsten Ortsbeirats-Sitzung Thema sein. Eine Umbenennung habe er nicht für zielführend gehalten, zumal es von betroffenen Anwohnern keine Reaktionen gegeben habe.

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Zustimmung signalisiert auch Bettenhausens Ortsvorsteher Enrico Schäfer (SPD), allerdings sei das noch nicht im Ortsbeirat diskutiert worden. Erklärungschilder seien ein „gangbarer Weg“. Im Forstfeld wird schon länger an Erklärungstexten für weitere strittige Straßennamen gearbeitet. Im Afrika-Viertel haben einige Straßen Namensgeber mit Makeln im Lebenslauf.

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