Vierwöchiger Verkehrsversuch

Straßensperrung für Kultur: Experiment zwischen Stern und Uni soll Anfang September starten

Kassel Untere Königsstraße Am Stern - Blickrichtung Holländischer Platz
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Soll vier Wochen gesperrt und mit Kultur belebt werden: Die Untere Königsstraße zwischen Stern und Uni.

Für den schon länger geplanten Verkehrsversuch auf der Unteren Königsstraße gibt es jetzt eine Terminplanung - und einen Förderpreis vom Land Hessen.

Kassel – Im Rahmen eines Freiluft-Experiments soll Kassels Fußgängerzone versuchsweise länger werden: Schon seit Längerem gibt es den Plan, die Untere Königsstraße zwischen Stern und Holländischem Platz etwa vier Wochen lang für den Fahrzeugverkehr zu sperren und für Kultur sowie Straßengastronomie zu reservieren. Mit Verkehrserhebungen und wissenschaftlicher Begleitung soll dann geschaut werden, ob sich das bewährt.

Für das Vorhaben gab es mehrere Anläufe und Verschiebungen, zuletzt wegen der Corona-Pandemie. Nun haben die Initiatoren einen Termin ins Auge gefasst: Aktuell gehe die Planung vom Zeitraum 5. September bis 3. Oktober aus, teilte Rathaus-Pressesprecher Claas Michaelis auf HNA-Anfrage mit: „Natürlich steht alles unter dem Vorbehalt, dass im September Veranstaltungen dieser Art möglich und zulässig sind.“

Ungeachtet dessen gab es jetzt schon mal Vorschusslorbeeren für das Kasseler Experiment: Beim Landeswettbewerb zur hessischen Innenstadt-Offensive „Ab in die Mitte“ wurde das Vorhaben mit 20 000 Euro Preisgeld gefördert. Empfängerin ist das Kultur- und Beteiligungskollektiv Raamwerk, das für die geplanten Belebungs-Aktivitäten ein kulturelles Rahmenprogramm konzipiert. Auch Studierende der Uni Kassel sind an den Planungen beteiligt. Wir freuen uns sehr“, sagte Samson Kirschning von der Gruppe Raamwerk: „Das Geld verschafft uns den nötigen Spielraum, um ein tolles Programm auf die Beine zu stellen.“

Laut einem Exposé von Raamwerk sollen im temporär abgesperrten Straßenraum Aktionen von Kasseler Initiativen und Vereinen stattfinden. Dazu gehören Straßenkunst, Sportaktionen und Debatten; die am Stern ansässigen Gastronomen und Läden sollen Kulinarisches anbieten und Straßencafé-Atmosphäre schaffen.

„Es geht darum, die Potenziale dieses Straßenraums herauszuarbeiten, wenn man ihn vom Kfz-Durchgangsverkehr befreit“, sagte Rathaussprecher Michaelis. Straßenbahnen und Busse sollen während des Verkehrsversuchs weiter auf dem Streckenabschnitt fahren, begleitende Verkehrserhebungen Aufschluss über die Auswirkungen auf die Verkehrslage rund um den Stern bringen.

Solche Erkenntnisse seien nöig und hilfreich für eine fundierte Verkehrsplanung, sagte Kassels Verkehrsdezernent Dirk Stochla: „Ich bin froh, dass wir mit dieser schon länger diskutierten Veranstaltung nun einen Schritt weiterkommen.“ Der Wandel bei Mobilität und Verkehr erfordere Dialog und Beteiligung. „Gerade wenn es um die Umverteilung von Verkehrsflächen geht, muss transparent über die Chancen und Wirkungen gesprochen werden“, sagte Stochla.

Während der Aktion solle es ausreichend Hinweisschilder auf die Umleitung des Durchgangsverkehrs geben, teilte die Stadt mit. Und für die Geschäftsanlieger würden „lokale Lösungen mit Blick auf Anlieferung und Kundenverkehr gefunden“.

Betroffene Ladenbetreiber und Gastronomen stehen dem Vorhaben unterschiedlich gegenüber. Während sich manche eine Aufwertung des als Drogen- und Kriminalitätsbrennpunkt verrufenen Straßenzugs erhoffen, fürchten andere, dass ihnen ohne Zufahrts- und Parkmöglichkeit die Kundschaft wegbleibt und dass die Belieferung zum Problem werden wird. Laut den Initiatoren des Verkehrsexperiments gibt es aber eine deutliche Mehrheit derer, die der Sache positiv oder zumindest neutral gegenüberstehen. Dies habe eine Befragung der Anlieger ergeben.

Die Händlergemeinschaft der City-Kaufleute stehe dem geplanten Verkehrsversuch sehr positiv gegenüber, sagte Vorsitzender Alexander Wild. Der Bereich der Unteren Königsstraße zwischen Stern und Holländischem Platz befinde sich in einer „Abwärtsspirale“, es seien Ideen und Maßnahmen erforderlich, um dies zu ändern.

Das Projekt sei ein Anfang, um auf diesem Weg Erfahrungen zu sammeln: „Es ist ein Experiment und dient dem Erkenntnisgewinn“, so Wild. Die Haltung von Ladenbetreibern und Gastronomen zu dem Vorhaben sei „uneinheitlich“, je nach geschäftlicher Betroffenheit. Er selber glaube aber, dass sich der Versuch lohnt, sagte der City-Kaufleute-Chef. Ein weiterer Effekt der Aktion könne sein, die Uni besser an die Innenstadt anzubinden. (Axel Schwarz)

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