Streik! Abiturienten, Patienten und Autofahrer betroffen

Kassel. Der Streik hat am Dienstag in Kassel und Umgebung viele Menschen getroffen. Vor allem Abiturienten, Patienten und Autofahrer mussten mit den Auswirkungen kämpfen.

Viele Schüler, die in der Regel mit Bus und Tram zur Schule kommen, spürten am Dienstag die Auswirkungen des Streiks. Besonders betroffen waren jene, die derzeit ihr Abitur schreiben und daher überpünktlich erscheinen mussten.

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„Normalerweise fahre ich mit dem Auto bis nach Kaufungen und von dort mit der Bahn. Da ich aber wusste, dass heute gestreikt wird, bin ich mit dem Auto direkt bis zur Schule gefahren“, sagt Abiturient Thomas Mähler, der im Werra-Meißner-Kreis lebt. Leila Guardane aus Harleshausen wurde mit dem Auto zur Elisabth-Knipping-Schule gebracht: „Meine Mutter hat mich gefahren, damit ich pünktlich zur Abiprüfung erscheinen konnte.“

Ver.di-Demo in Kassel

„Ich wurde heute extra zur Schule gefahren und stand dann im Stau. Zur Prüfung hab ich es aber pünktlich geschafft“, sagt Alexander Sander. „Ein Freund hat mich gefahren, sonst hätte ich eine wichtige Klausur verpasst“, sagt Nils Gumfer. Maximilian Noll berichtet: „Ich bin in Zierenberg in die Regiotram gestiegen. Ärgerlich war, dass vom Kulturbahnhof aus kein Bus gefahren ist und ich deshalb laufen musste.“ (dag/rax)

Autofahrer brauchten Geduld

Behinderungen im Berufsverkehr

Wegen der Protestmärsche, die vom Rathaus, der Sandershäuser Straße und dem Klinikum in Richtung Königsplatz unterwegs waren, kam der Verkehr am Dienstag zwischen 9 und 10 Uhr zeitweise zum Erliegen. Die Polizei riegelte für die Demonstranten etliche Straßen ab. Betroffen waren vor allem die Frankfurter Straße, Fünffensterstraße, Steinweg, Weserstraße, Leipziger Straße, Altmarkt und Kurt-Schumacher-Straße.

Zuvor war es bereits im Berufsverkehr ab 7 Uhr zu Behinderungen in Richtung Innenstadt gekommen. Grund dafür war, dass viele Pendler wegen der ausfallenden Bus- und Tram-Verbindungen auf das Auto umgestiegen waren. Wer konnte, fuhr mit dem Fahrrad zur Arbeit. Zum Feierabend stauten sich die Autos stadtauswärts ebenfalls länger als üblich. (bal)

Patienten mussten warten

Im Klinikum Kassel waren die Auswirkungen des Warnstreiks gestern deutlich zu spüren: Weil sich auch das OP-Personal an den Streiks beteilige, sei nur etwa ein Viertel des normalen Operationspensums bewältigt worden, schätzt der Betriebsratsvorsitzende des Klinikums, Matthias Dippel. In der Hautklinik hätten überhaupt keine Operationen stattgefunde und im Herzkatheter-Labor sowie beim Patiententransport habe es nur eine Notbesetzung gegeben. Auch in der Nacht mussten die Patienten mit wesentlich weniger Personal auskommen.

Streikende zeigten Flagge

Beschäftigte im öffentlichen Dienst demonstrierten Einigkeit bei Sternmarsch

Kassel. Sie schwenken Fahnen, blasen in Trillerpfeifen, trommeln. Uwe Franz ist mit seinen Kollegen vom Baubetriebshof aus Eschwege angereist. Vor dem Kasseler Rathaus treffen sie gestern gegen 8.30 Uhr auf zahlreiche Mitarbeiter der Städtischen Werke, der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) und der Stadtverwaltungen aus der Region. Die Gewerkschaft Ver.di hat zum zweiten Warnstreik im öffentlichen Dienst aufgerufen.

„Die Beschäftigten sind unglaublich unzufrieden“, sagt Ver.di-Tarifkoordinatorin Gisela Horstmann. Wenn die dritte Verhandlungsrunde scheitert, werde es nach Ostern eine Urabstimmung geben. Eine Prognose will sie nicht abgeben. Um 9 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung, über die Fünffensterstraße den Steinweg hinab zum Altmarkt. Der Autoverkehr steht. An der Kreuzung zur Frankfurter Straße stoppt ein Polizist auf dem Motorrad die Autos. Ein Mann lehnt an seinem Wagen und raucht. Ein anderer filmt das Geschehen mit seinem Handy.

„Wir werden jahrelang mit einem Prozent abgespeist und andere machen sich die Taschen voll“, schimpft Uwe Franz, der Baubetriebshof-Mitarbeiter aus Eschwege. Auch Waldemar Müller aus Kassel ist sauer. Er arbeitet in der Schulverwaltung. „3,3 Prozent auf zwei Jahre - das ist eine Frechheit“, sagt er zum Angebot der Arbeitgeber. Für ein Jahr könne er das akzeptieren. Aber nicht länger. An der Spitze des Zuges motiviert ein Mann mit einem Lautsprecher die Streikenden, skandiert das Streikmotto: „Wir sind es wert.“

Ein Passant wünscht den Demonstranten „viel Erfolg“. Susanne Walz, Sachbearbeiterin bei der Deutschen Rentenversicherung, fände 6,5 Prozent mehr Lohn gerechtfertigt. „Verglichen mit dem Verdienst in der freien Wirtschaft ist die Forderung nicht überzogen“, sagt die Kasselerin. Der Zug nähert sich derweil dem Altmarkt. Auf der Weserstraße kommen die Streikenden aus dem Gesundheitswesen. Aus der Unterneustadt nähern sich Beschäftigte der KVG, der Stadtreiniger, des Müllheizkraftwerks, der Städtischen Werke - Betriebshof Ost, des Kasseler Entwässerungsbetriebs und der Kommunen des Werra-Meißner-Kreises.

Martin Steuerwald, Sachbearbeiter in der Stadtverwaltung Baunatal, hofft, dass man sich bei der Lohnerhöhung auf mehr als drei Prozent einigen kann. „Es geht dabei auch um die Attraktivität der Berufe im öffentlichen Dienst für neue Mitarbeiter“, sagt er. Man müsse schließlich auch die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Berufsgruppen erhalten. Vom Altmarkt geht es gemeinsam weiter zur Abschluss-Kundgebung auf dem Königsplatz. Dort lassen die 4000 Demonstranten den zweiten Warnstreik mit einem finalen Fahnenmeer und einem Konzert aus Trommelklängen und Trillerpfeifen ausklingen. (mkx)

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