Gewerkschaften: Wir machen weiter – Notdienst stärker gefragt

Streik in Kitas zehrt an den Eltern-Nerven

Kassel. Seit zehn Tagen wird in den Kindertagesstätten gestreikt – ein Ende ist nicht abzusehen. Die Gewerkschaften machen weiter:

Bereitschaft und Stimmung der organisierten Kollegen seien gut, heißt es. Der Streik zehrt allerdings an den Nerven vieler Eltern: Verwandte und Freunde fallen für die Kinderbetreuung zunehmend aus, mühsam werden Notdienste in Eigenregie organisiert.

„Irgendwann ist auch die Möglichkeit, ständig Urlaub zu nehmen, mal zu Ende“, schildert Dr. Annett Biernath, Elternbeiratsvorsitzende des Kindergartens Sternschnuppe in Kaufungen, die Nöte Betroffener. Doch Streik macht erfinderisch: Über die Internetseite www.kita-ausfall.de, die auch als Handy-App verfügbar ist, organisieren sich immer mehr Eltern. Entwickelt hat sie IT-Experte Frank Chabrié aus Wuppertal, der seit voriger Woche schon 16.000 Zugriffe gezählt hat. Pro Tag seien es über 1000 – Tendenz steigend. Dort gibt es nun auch Angebote für Kassel.

„Wir machen weiter“, hieß es am Montag auf dem Kasseler Königsplatz bei einer Protestaktion der Gewerkschaften Ver.di und GEW. Nach ihren Angaben nahmen daran knapp 700 Erzieher und Sozialarbeiter teil. Der Einladung waren auch Eltern und Kinder gefolgt, die die Gewerkschafts- Forderungen trotz der Unannehmlichkeiten weiter unterstützen. Da der Arbeitgeberverband kein Angebot vorlege, werde der Kita-Streik auf unabsehbare Zeit fortgesetzt, kündigte Ver.di-Bezirksgeschäftsführer Axel Gerland an.

Die Vereinbarung mit der Stadt Kassel, dass einige Erzieherinnen für Notdienste arbeiten, werde in dieser Woche fortgeführt. Unterdessen registriere die Stadt eine wachsende Nachfrage nach diesen Notdiensten, sagt Sprecher Ingo Happel-Emrich. Aber aus Personalmangel könne das Angebot nicht weiter ausgeweitet werden. Im Notdienst stelle die Stadt die Betreuung von 900 Kindern sicher – das ist ein Fünftel der insgesamt etwa 4500 Kita-Plätze.

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Rubriklistenbild: © dpa

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