GDL plant Ausstand auch in nächster Woche

Streik bei der Regiotram: 4000 Bahnfahrer warteten am Freitag vergebens

Streik bei der Regiotram: Mit einem erneuten Ausstand machte die Lokführergewerkschaft GDL gestern Druck in den laufenden Tarifverhandlungen. Ein weiterer Warnstreik mit kurzfristiger Ankündigung werde in der nächsten Woche folgen, teilte ein GDL-Sprecher am späten Abend mit. Archivfoto: Zgoll

Kassel. Die Ankündigung kam am Freitagmorgen um kurz vor neun Uhr. Innerhalb von 14 Tagen rief die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zum zweiten Mal zu einem Streik auf.

Um 16 Uhr, also nur sieben Stunden später, machten die in der GDL organisierten Lokführer und Zugbegleiter ernst. Zahlreiche Regiotramfahrten im Berufsverkehr und am Vorabend des zweiten Adventswochenendes fielen aus. Davon waren etwa 3000 bis 4000 Fahrgäste betroffen. Wegen der laufenden Verhandlungen und der erhöhten Streikgefahr hatte der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) vorsorglich Informationen für die Kunden zusammengestellt. Die wurden auf Alternativen hingewiesen. Im Kasseler Stadtgebiet fuhren die Straßenbahnen und Busse wie gewohnt. Auf den Strecken ins Umland gab es ein deutlich ausgedünntes Angebot mit Zügen der Bahn, von Cantus und der Kurhessenbahn.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft hat die Regiotramgesellschaft (RTG) als Arbeitgeber für Lokführer und Zugbegleiter bislang nicht auf die Forderungen reagiert. Die Beschäftigten der RTG verdienten deutlich weniger als 90 Prozent ihrer Kollegen bundesweit. Hinzu kämen im Schnitt 100 Überstunden, zu knappe Pausen und viel zu kurze Ruhezeiten zwischen den Schichten. Die daraus resultierenden Belastungen sind nach Einschätzung der Gewerkschaft der Grund für den hohen Krankenstand bei der RTG mit Ausfällen bis zu 20 Prozent. Das Angebot einer dreiprozentigen Lohnerhöhung ab dem 1. Januar 2015 sei völlig unzureichend.

Klaus Reintjes, der Geschäftsführer der RTG, macht eine andere Rechnung auf. In der Summe beliefen sich die Forderungen auf eine Lohnerhöhung von 30 Prozent. Das sei nicht zu verkraften. Im Schnitt verdiene ein Lokführer bei der RTG zwischen 2800 und 3200 Euro brutto im Monat. Er arbeite im Schichtdienst 40 Stunden in der Woche und habe im Schnitt 26 Tage Urlaub. Sollte es bei den Verhandlungen keine Annäherung geben, wird es laut GDL weitere Streiks geben. Thomas Hupfeld, Vorsitzender der GDL-Ortsgruppe Kassel, kündigte am Freitagabend für „irgendwann nächste Woche“ einen dritten Warnstreik an und stellte für Mitte Dezember die Urabstimmung für einen unbefristeten Streik in Aussicht.

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