Zwei junge Männer müssen sich wegen einer Schlägerei in Waldau verantworten

"Die haben angefangen" - Streit endete mit Kieferbruch

Kassel. Manchmal klingen Entschuldigungen im Gerichtssaal nicht anders als auf dem Schulhof: „Die haben angefangen“, verteidigten sich zwei junge Männer, die sich am Mittwoch wegen einer üblen Schlägerei in Waldau auf die Anklagebank im Kasseler Amtsgericht setzen mussten.

„Wir haben aufgehört, die zu schlagen, als die aufgehört haben, uns zu schlagen“, beteuerten sie. „Warum sollten wir dann auch weitermachen?“

Was ihnen die Staatsanwaltschaft vorwirft, klingt freilich ganz anders. An einem Morgen im Juni 2010 hätten die beiden 23-jährigen Kumpel zwei Gleichaltrige übel zugerichtet, heißt es in der Anklageschrift. Erst sollen sie den einen geschlagen, getreten und ihm schließlich auch noch eine Bierflasche über den Kopf geschlagen haben, sodass der Mann zweimal das Bewusstsein verloren habe. Und als sich daraufhin der andere zu seinem ohnmächtigen Freund heruntergebeugt habe, hätten sie auch auf ihn eingetreten. Gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung also.

Die Verletzungen, die ein Arzt später dem ersten Opfer bescheinigte, reichten von einer Gehirnerschütterung bis zu gebrochenem Kiefer und Jochbein. „Davon“, sagte einer der beiden Angeklagten, „bin ich selbst überrascht.“ Er selbst kam wie sein mitangeklagter Kumpel mit Schürfwunden, Blutergüssen, Prellungen und einer Gehirnerschütterung davon. Obwohl sich die beiden Männer nur verteidigt und auf keinen Fall zugetreten haben wollen. Und obwohl alle Aggression von ihren Gegenübern ausgegangen sein soll. „Die Jungs waren so drauf – die haben einfach nicht aufgehört.“

Und warum? Es ging, so schilderten es die Angeklagten, um eine Frau. Am Morgen jenes Tages, nach einer durchfeierten Nacht, waren die beiden Freunde zu einer Party gegangen, die die Ex-Freundin des einen in ihrer Wohnung in Waldau feierte – und zu der sie eingeladen waren. „Wir wären da nicht mehr hingefahren, wenn wir gewusst hätten, dass sie mit sechs besoffenen Männern allein ist“, sagte der Ex-Geliebte der Gastgeberin. „Solche Situationen muss man vermeiden.“

Doch dann habe sich seine ebenfalls sturzbetrunkene Verflossene auch noch auf seinen Schoß gesetzt und mit ihm herumgealbert. „Wenn jemand geguckt hat, hat sie mich sofort weggeschubst und gesagt: ,Fass mich nicht an, was willst du noch von mir?‘“, erzählte der Mann. Und das, klagte er, habe gereicht, um den Streit mit den anderen Gästen auszulösen, der später auf dem Parkplatz vor dem Haus so brutal endete.

Nach den Aussagen der Angeklagten verschob das Gericht die Vernehmung der mutmaßlichen Opfer aufs neue Jahr. Bei der Wahrheitsfindung soll dann auch noch ein Rechtsmediziner helfen. Einen Fortsetzungstermin gibt es noch nicht. (jft)

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