Neue Satzung vorhanden, aber alte Exemplare verteilt

Streit bei den Hessenjägern: Mitglieder drohen mit Austritt

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Auf Abwegen: Nach den Auseinandersetzungen bei den Hessenjägern drohen verschiedene Mitglieder mit dem Austritt.

Kassel. Nachdem der Vorstand der Hessenjäger bei der Jahreshauptversammlung vergangene Woche nicht entlastet werden konnte und keine Neuwahlen stattgefunden haben, ist der alte Vorstand nach wie vor im Amt.

Das sagt Matthias Grund, Sprecher des Amtsgerichts Kassel, auf Anfrage der HNA. Der Verein habe im Jahr 2007 seine Satzung dahingehend geändert, dass der Vorstand so lange im Amt bleibe, bis Neuwahlen stattfinden.

An die Mitglieder der Hessenjäger sind bislang allerdings immer noch alte Satzungen verteilt worden, wonach der Vorstand nach drei Jahren neu gewählt hätte werden müssen. Mit Blick auf diese nicht mehr gültige Satzung hatte es nach der turbulenten Jahreshauptversammlung auch die Meinung gegeben, dass der Verein jetzt ohne handlungsfähiges Organ wäre.

Bei der Versammlung hatte es zwischen dem Vorstand, dem Vorsitzenden Herbert Bachmann und seinem Stellvertreter Wolfgang Deutscher, und dem ehemaligen Schatzmeister unter anderem Auseinandersetzungen über Schwarzgeldkassen gegeben. Der Ex-Schatzmeister Jonas Bender hatte Spendenquittungen über 2600 Euro präsentiert, die er während seiner Amtszeit an die Vorsitzenden und weitere Vorstandsmitglieder ausgestellt habe. Es handelte sich offenbar um Geld aus dem Munitionsverkauf am Schießstand, das der Verein beim Finanzamt nicht angegeben hatte. Um dieses Geld zu „legalisieren“, hätten es die Vorsitzenden als Einzelspenden getarnt. Bachmann und Deutscher hätten dies bei der Versammlung eingeräumt. Bachmann habe auch zugegeben, dass er die Spendenquittung anschließend bei seiner Einkommensteuererklärung eingereicht habe.

Wolfgang Deutscher ist erst kürzlich vom Regierungspräsidium (RP) Kassel zum Vorsitzenden des Jägerprüfungsausschusses bestellt worden. Für das RP gebe es keinerlei Veranlassung für Konsequenzen wegen der Vorwürfe der Steuerhinterziehung, solange keine juristischen Schritte gegenüber Deutscher bekannt seien, sagt Rolf Schulzke, Leiter der Oberen Jagdbehörde. Derweil sind verschiedene Vereinsmitglieder, die sich in dieser Woche bei der HNA gemeldet haben, richtig sauer auf den Vorstand und drohen mit ihrem Austritt.

Massiv geschadet

Sprecher Dr. Klaus Bebendorf hatte sich gegenüber der HNA dahingehend geäußert, dass der ehemalige Leiter des Schießstandes, der mittlerweile verstorben ist, die Munitionskasse mit seinem privaten Geld eröffnet habe und quasi damit auch dafür verantwortlich gewesen sei.

„Es kann nicht sein, dass der Name eines Toten jetzt so missbraucht wird“, sagt ein langjähriges Mitglied. „Was der Vorstand sich einbildet, spottet jeder Beschreibung.“ Es müsse dringend geklärt werden, wo das angeblich verschwundene Vereinsvermögen geblieben sei. Die Vorsitzenden und der Ex-Schatzmeister beschuldigen sich seit Monaten gegenseitig, Geld veruntreut zu haben.

Einigkeit herrscht darüber, dass der Streit dem Verein massiv geschadet hat.

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