Stadt und CDU wollen mehr Sicherheit für Fußgänger - mit unterschiedlichen Mitteln

Streit um Kreuzung in Wehlheiden: Für Fußgänger wird es hier oft gefährlich

Er ist für eine einzige Fußgängerampel: Jan Hörmann, Vorsitzender der CDU Wehlheiden und Ortsbeiratsmitglied, schlägt vor, einen Überweg in Höhe des Zwehrener Wegs anzulegen. Fotomontage:  Koch

Kassel. Eine Sache ist unstrittig: Die Situation an der Kreuzung Ludwig-Mond-Straße/ Schönfelder Straße/Heinrich-Heine-Straße und Sternbergstraße (Wehlheiden) ist für Fußgänger und Radfahrer sehr gefährlich.

Fast täglich kann man hier Situationen an den Zebrastreifen beobachten, die um ein Haar in einem schweren Unfall mit Verletzten oder Toten hätten enden können. Zum Glück geht es fast immer gut. Nach Angaben von Polizeisprecherin Sabine Knöll handelt es sich bei der Kreuzung nicht um einen Unfallschwerpunkt. In diesem Jahr habe die Polizei hier nur zwei Auffahrunfälle ohne Verletzte aufgenommen.

Nichtsdestotrotz soll hier etwas geschehen, um die Sicherheit der Fußgänger, die die Kreuzung derzeit nur per Zebrastreifen überqueren können, zu erhöhen. Darin sind sich alle Parteien im Stadtteil einig. Nur über die Umsetzung gibt es unterschiedliche Ansichten.

Der Magistrat hat bereits im Februar vergangenen Jahres beschlossen, dass die Kreuzung umgebaut werden soll. Rund 800 000 Euro wird es voraussichtlich kosten, alle vier Straßen mit Fußgängerampeln zu versehen, sagt Heiko Lehmkuhl, stellvertretender Leiter des Straßenverkehrs- und Tiefbauamtes. Radstreifen sind auch vorgesehen.

Frühestens in zwei Jahren wird aber erst mit dem Umbau begonnen werden, sagt Lehmkuhl. Grund ist fehlendes Geld. Das Land Hessen habe signalisiert, den Umbau erst ab 2013 finanziell fördern zu können. Aus diesem Grund habe man zwar den Zuwendungsantrag erstellt, aber beim Land noch nicht eingereicht.

Die für den Umbau der Kreuzung erforderlichen Planunterlagen seien vom Straßenverkehrs- und Tiefbauamt als Entwurfsplanung erarbeitet und die vom Ortsbeirat Wehlheiden gewünschten Änderungen eingearbeitet worden. Jetzt gehe es darum, bis zum Jahr 2013 das Baurecht zu erhalten, sagt Lehmkuhl.

Während Ortsvorsteher Norbert Sprafke (SPD) fordert, dass die Kreuzung wesentlich früher umgebaut werden soll, fordert Ortsbeiratsmitglied Jan Hörmann (CDU) auf den Totalumbau zu verzichten. Der Vorsitzende der CDU Wehlheiden schlägt vor, mit einer Fußgängerampel in Höhe des Zwehrener Wegs die Situation für Fußgänger, aber auch Autofahrer zu entschärfen.

Die Argumente der Stadt für einen kompletten Umbau der Kreuzung und der CDU für einen einfachen Fußgängerüberweg lesen Sie unten.

Stadt hält an vier Fußgängerampeln fest

Auch wenn Heiko Lehmkuhl, kommissarischer Leiter des Straßenverkehrs- und Tiefbauamts, noch nicht weiß, wann die Landesmittel zur Verfügung stehen, hält die Stadt an dem geplanten Kreuzungsumbau mit vier Fußgängerampeln fest. Der Zebrastreifen über die Ludwig-Mond-Straße sei „sehr gefährlich“ und würde heutzutage gar nicht mehr genehmigt werden. Nur aus Gründen des Bestandsschutzes sei der Zebrastreifen noch in Betrieb, sagt Lehmkuhl. Dem Vorschlag der CDU, in Höhe des Zwehrener Wegs nur eine Fußgängerampel zu installieren, erteilt Lehmkuhl eine Absage. Eine Teilsignalisierung bringe Nachteile für die Buslinie. Zudem sei ein einziger Überweg nicht förderfähig, sagt Lehmkuhl. Um Mittel vom Land bewilligt zu bekommen, müsse die „Bagatellgrenze“ von 100 000 Euro überschritten werden. Lehmkuhl nennt darüber hinaus inhaltliche Gründe für den Umbau der Kreuzung. In den kommenden Jahren müssten die Kasseler Entwässerungsbetriebe (KEB) die Leitungen in diesem Kreuzungsbereich erneuern. Wenn dafür die Straße aufgerissen werden müsse, werde die Stadt gleich weitermachen, um Synergieeffekte zu nutzen. Der Straßenbelag sei nicht mehr in Ordnung, Bürgersteige seien hier nicht barrierefrei und Laternen müssten erneuert werden. Für Linksabbieger Zudem ermögliche die Ampellösung den Verkehrsteilnehmern, sicher links in die Sternbergstraße abzubiegen. Derzeit sei die Kreuzung für Linksabbieger unübersichtlich. Lehmkuhl geht nicht davon aus, dass durch die Ampel für Linksabbieger der Schleichverkehr durch die Sternbergstraße gefördert wird. Die Ampeln würden so geschaltet, dass die Hauptrichtung Ludwig-Mond-Straße-Schönfelder Straße die längsten Grünphasen habe. Doch nicht nur Autofahrer und Fußgänger sollen von dem Umbau profitieren. Für Radfahrer sind zusätzliche Fahrstreifen eingeplant. (use)

CDU möchte nur eine Fußgängerampel

Jan Hörmann, Ortsbeiratsmitglied und Vorsitzender der CDU Wehlheiden, hat ein ganz persönliches Interesse daran, dass die Kreuzung Ludwig-Mond-Straße/Schönfelder Straße/Heinrich-Heine-Straße und Sternbergstraße für Fußgänger sicherer wird. Im Jahr 1965, Hörmann war sechs Jahre alt, wurde er von einem Auto angefahren, als er auf dem Zebrastreifen die Ludwig-Mond-Straße überquerte. „Ich hatte großes Glück“, sagt Hörmann. Zwar lag er damals lange im Krankenhaus, aber es ist nur eine Narbe zurückgeblieben. Auch deshalb waren es die Christdemokraten in Wehlheiden, die sich als erste für eine sichere Lösung an der Ludwig-Mond-Straße eingesetzt haben. Doch den Plänen der Stadt, an allen vier Ästen der Kreuzung eine Fußgängerampel zu installieren, hat die CDU im Ortsbeirat nicht zugestimmt. Mindestens 800 000 Euro werde dieser „Totalumbau“ der Kreuzung kosten. Hörmann geht nicht davon aus, dass dieses Geld - 80 Prozent sollen vom Land kommen - in den nächsten Jahren zur Verfügung stehen wird. „Die Haushaltslage wird immer enger. Solche Prestigeobjekte dienen keinem“, sagt er. „Wir brauchen eine pragmatische und zügige Lösung.“ Statt Zebrastreifen könnte eine Fußgängerampel über die Ludwig-Mond-Straße führen. Da Straßenverkehrsamt und Polizei vor Jahren erklärt hätten, dass eine einzige Ampel an der Kreuzung zu gefährlich sei und zu unübersichtlichen Situationen führen würde, schlägt Hörmann jetzt vor, eine Fußgängerampel in Höhe des Zwehrener Wegs zu installieren. Eine Ampel, die bei Bedarf gedrückt werde und ein sicheres Queren ermögliche. Diese Variante würde nur 100 000 Euro kosten. Hörmann befürchtet zudem, dass es bei einer Vollsignalisierung der Kreuzung zu weiteren Staus - dadurch zu einer höheren Feinstaubbelastung - im Stadtteil käme. Man habe ihm nämlich mitgeteilt, dass die neuen Ampeln nur in einer Richtung mit den Ampeln am Wehlheider Kreuz gekoppelt werden könnten. (use)

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