Klinikum-Aufsichtsrat soll am kommenden Mittwoch über Vorgehen entscheiden

Streit um Medizin-Uni

Bald Ausbildung für Ärzte ? Ob das Klinikum Kassel diesen Weg gehen wird, ist noch nicht entschieden. Archivfoto: Herzog / Charterflug-Kassel, Knabe

Kassel. Ob am Klinikum Kassel künftig Medizinstudenten ausgebildet werden, ist noch nicht entschieden. Am kommenden Mittwoch soll der Aufsichtsrat des Klinik-Konzerns Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) über eine mögliche Kooperation mit der britischen Universität Southampton beraten.

Gestritten wurde darüber schon mal während der Stadtverordnetenversammlung, die gemeinsam mit dem Kreistag das letzte Wort über eine Kassel School of Medicine hätte. Anlass war ein Antrag, in dem die Linken forderten, „jedwede Initiative zur Einrichtung einer gebührenpflichtigen Ausbildungsstätte (...) einzustellen“. Allerdings lehnte eine breite Mehrheit von SPD, CDU, Grünen und FDP den Antrag ab.

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Anders als von GNH-Vorstandschef Gerhard M. Sontheimer dargestellt, gehe es bei diesem Vorhaben um etwas anderes, als ärztliches Personal zu gewinnen, kritisierte Axel Selbert (Linke). „Nämlich nur um Geschäftemacherei mit reichen jungen Menschen, die Medizin studieren wollen.“ So müssten Studenten in Southampton pro Jahr bis zu 29 000 Euro für ihre Ausbildung zahlen.

Diese Einwände wiesen Redner der anderen Fraktionen zurück. Es müsse erlaubt sein, darüber zumindest nachzudenken, sagte Wolfgang Friedrich (Grüne). Durch ideologische Bedenken dürfe der Prozess „nicht im Keim erstickt“ werden, sagte Michael Knab (FDP).

Mehr zur Medizin-Uni im HNA-Regiowiki

CDU-Parteichefin Eva Kühne-Hörmann hingegen setzte bei den Ursachen an und warf Oberbürgermeister Bertram Hilgen und Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD) Untätigkeit in ihren Funktionen als GNH-Aufsichtsratsvorsitzende vor. So hätten die Handelnden versäumt, die Kooperation mit der Uni Marburg weiterzuführen. Zudem werde seit eineinhalb Jahren über ein Konzept zur Personalgewinnung geredet, aber dabei komme nichts Zählbares heraus. „Und es wird nicht besser, wenn man weiter wartet“, sagte Kühne-Hörmann. Sie verlangte von Kaiser, eindeutig Position zur Medizin-Uni zu beziehen.

Doch darauf ging dieser nicht ein. Als amtierender Aufsichtsratschef handele er nicht als „Diktator“. „Ich maße mir nicht an zu sagen, was richtig ist und was falsch“, sagte Kaiser. Als Vorsitzender respektiere er die unterschiedlichen Strömungen im Aufsichtsrat, in dem auch Mitglieder der CDU vertreten sind – unter anderen Eva Kühne-Hörmann. Doch die CDU-Parteichefin habe seit eineinhalb Jahren an keiner Aufsichtsratssitzung teilgenommen und kenne deswegen die Diskussionen aus dem Gremium nicht. Mehr im Internet unter http://regiowiki.hna.de/Medizin-Uni

Von Claas Michaelis

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