Paar schwer drogenabhängig

48-Jähriger aus Kassel vor Gericht: Streit mit Messern, bis das Blut floss

Kassel. Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung muss sich ein 48 Jahre alter Mann aus Kassel seit Mittwoch vor dem Landgericht verantworten.

Laut Anklage soll er am 22. November 2014 in einer Wohnung in Bettenhausen seiner damals 26-jährigen Verlobten mit einem Messer eine zwölf Zentimeter tiefe Stichverletzung in der oberen linken Brustseite zugefügt haben.

Außerdem soll er in Märkten am Königsplatz bei vier Ladendiebstählen jeweils Film-DVDs gestohlen haben, um mit dem Verkaufserlös seine Drogensucht zu finanzieren.

Es ist die Geschichte zweier völlig aus dem Ruder gelaufener Leben, die der mittelgroße, schlanke Angeklagte mit den stoppelkurzen, grauen Haaren in klarer Sprache und seltsam emotionslos erzählt.

Das schwer drogenabhängige Paar hatte sich danach bei einer Entgiftung im Ludwig-Noll-Krankenhaus kennen und lieben gelernt. Zusammen begaben sie sich in einen ewigen Kreislauf aus Drogen, Entgiftung, Entzugstherapien in Merxhausen, Beschaffungskriminalität, Prostitution, Suizidplänen und -versuchen. Und immer wieder Gewalt.

Die, so der in Darmstadt geborene Angeklagte, sei vorwiegend von seiner Verlobten ausgegangen. Mal habe sie ihn getreten, mal versucht, ihm ein Messer in den Kopf zu stoßen.

Einmal - beide nahmen den Drogenersatzstoff Methadon - habe sie angedroht, vom Balkon zu springen. „Spring doch“, habe er gesagt - und sie sei gesprungen, habe sich das Becken gebrochen.

Ende Oktober 2014 hätten sie geplant, sich gemeinsam mit einer Überdosis Heroin umzubringen, berichtete der Angeklagte. „Ich wollte eigentlich nicht, aber als sie es vorschlug, dachte ich: Warum nicht?“

Am 22. November, einem Samstag, geriet das Paar in Streit, weil die Frau die Drogen für den am Montag geplanten Selbstmord per Prostitution zu bezahlen gedachte. Das klappte aber nicht.

In der Wohnung sei der Streit eskaliert. Er habe sie als Hure bezeichnet, sie ihm einen Teller auf den Kopf gehauen, Möbel umgeworfen, die Türscheibe zerschlagen und ihn mit einem Keramikmesser gestochen und verletzt. Beide seien gestürzt, dabei habe sich das Messer wohl in die Brust der Frau gebohrt: „Ich war es auf keinen Fall, ich habe ihr nie etwas getan“, sagte er.

Der Angeklagte öffnete der von der im selben Haus wohnenden Mutter der Frau alarmierten Polizei die Tür. Vorher habe er „eindringliche Hilferufe“ einer Frau gehört, sagte der Beamte gestern als Zeuge aus.

Der Polizist weiter: „Beide waren blutüberströmt, die Frau hielt ein Messer in der Hand.“ Er habe die Dienstwaffe gezogen und dem Mann Handschellen angelegt.

Die Verhandlung wird am kommenden Freitag um 9 Uhr vor der 6. Strafkammer mit Richter Volker Mütze an der Spitze fortgesetzt. Fünf Verhandlungstage sind geplant.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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