5487 Gäste bis Ende Juni auf Campingplatz

Streit mit der Stadt: Ex-Betreiber besetzt Kasseler Campingplatz

Kassel. Der Ex-Betreiber des Kasseler Campingplatzes weigert sich, einen Teil des Platzes an der Fulda zu verlassen. Jetzt droht die Stadt, Eigentümerin der Fläche, mit einer Räumung.

Seit Anfang Juni 2017 hat Kassel wieder einen neuen Campingplatz an der Fulda. Direkt daneben wurde kürzlich der neu gestaltete Wohnmobilplatz eröffnet. Jetzt fehlt der Stadt nur noch die Kernfläche des alten Zeltplatzes, obwohl sie dieses Areal bereits bei einer Zwangsversteigerung im November vergangenen Jahres ersteigert hat. Allerdings weigern sich die Ex-Betreiber des Campingplatzes, diese Fläche zu räumen.

Es habe mehrere Versuche seitens der Stadt gegeben, eine einvernehmliche Lösung mit der früheren Betreiberfamilie zu finden, sagt Stadtsprecher Claas Michaelis. Ohne Erfolg. „Die ehemalige Eigentümerin ist auch nach mehrfacher schriftlicher Aufforderung nicht bereit, die Fläche zu räumen und lehnt jeglichen Kontakt zur Stadt Kassel ab.“ Der Stadt bleibe daher nur der rechtliche Weg der zwangsweisen Räumung des Grundstücks. „Dennoch ist die Stadt Kassel, in diesem Fall das Liegenschaftsamt, weiterhin zu einer einvernehmlichen Regelung bereit.“

Die ehemaligen Betreiber, Mutter und Sohn, waren für eine Stellungnahme am Mittwoch nicht zu erreichen.

Seit 2017 wird der Campingplatz durch Kassel Marketing betrieben, die wiederum die Baunataler Diakonie mit der Bewirtschaftung beauftragt hat.

Zwischenstopp an der Fulda: Wohnmobilplatz ist jetzt fertig

„Wir sind gerade mal eine Stunde hier. Wir kommen aus dem Süden und machen einen Zwischenstopp“, sagt Olaf Schultz aus Helmstedt (Niedersachsen), der sich am Mittwochnachmittag neben seiner Frau Jennifer vor dem Wohnmobil sonnt. 

Gerade erst angekommen: Jennifer und Olaf Schultz aus Helmstedt machten gestern auf dem Stellplatz für Wohnmobile einen Zwischenstopp.

Erst vor Kurzem ist der neu gestaltete Wohnmobilplatz gegenüber des Kasseler Campingplatzes wieder eröffnet worden. In den vergangenen Wochen wurden dort die Wege gepflastert und es wurden neue Elektro-Kästen sowie eine neue Stromversorgung installiert. Zudem wurde der Platz frisch begrünt. 

Ein Urteil über die Anlage wollen sich die Camper aus Helmstedt noch nicht erlauben. Allerdings sei der Platz für die heutige Zeit sehr günstig, sagt Olaf Schultz. Pro Wohnmobil und zwei Personen koste er nur 15 Euro pro Tag. Strom und Warmduschen inclusive. Allerdings müsse man ein bisschen laufen, um Dusche und Toilette zu erreichen, sagt Schultz. „Aber das sind wir als Camper ja gewohnt.“ Die Duschen und Toiletten sind gegenüber auf dem Kasseler Campingplatz untergebracht, der im vergangenen Jahr an der Fulda neu eröffnet worden ist. Allerdings befinden sich die sanitären Anlagen immer noch in Containern. „Das ist für alle Beteiligten eine Herausforderung, aber wir machen das Beste daraus“, sagt Hubert Henselmann, der bei Kassel Marketing, Betreiberin des Platzes, für die Anlage zuständig ist. 

Eigentlich wollte Kassel Marketing bereits die alten sanitären Anlagen sanieren oder abreißen. Aber auf diesem Teil des Areals wohnen immer noch die ehemaligen Betreiber des Campingplatzes. Und diese, Mutter und Sohn, weigerten sich, diesen zu verlassen. Obwohl das Areal, das mittlerweile ziemlich heruntergekommen aussieht, seit November 2017 der Stadt Kassel gehört. Kassel Marketing hat Zäune um die Fläche gestellt, damit die Besucher des neu gestalteten Teils des Campingsplatzes den Müll und die alten Gerätschaften dort nicht sehen müssen. 

Die Gäste bekämen von dieser Auseinandersetzung auch nichts mit, sagt Platzmanager Gunnar Fehling. Er arbeitet für die Baunataler Diakonie, die im Auftrag von Kassel Marketing den Platz bewirtschaftet. Die meisten Gäste, die ihre Zelte aufschlagen oder Wagen abstellen, seien auf der Durchreise. Besonders bei Campern aus Skandinavien habe sich rumgesprochen, dass man in Kassel gut übernachten könne. 

Seit Saisoneröffnung Ende März gab es bis Ende Juni 5487 Übernachtungen auf dem Campingplatz. Im Juni lag der Anteil ausländischer Gäste bei 27 Prozent. Hier liegen die Niederlande vorn, danach folgen die skandinavischen Länder Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden. 

Zwischenstopp in Kassel, um die Eltern zu besuchen: Jan Klische aus Hamburg (links) mit seinem Sohn und dessen Großvater Walter Gessner.

Am Mittwoch sonnten sich aber auch Italiener und Belgier auf dem Platz. Es gefalle ihr hier sehr gut, sagte Susanne Krassél aus Belgien, die mit ihrem Mann Michael gleich eine ganze Woche bleiben will. 

Camperin Barbara Reichert aus Baden-Württemberg ist mit „ihrer Villa“, wie sei ihren Wohnwagen nennt, seit Sonntag in Kassel. Den Platz an der Fulda bezeichnet sie als ruhig und schön, die benachbarte Karlsaue mit Orangerie sei ein „Traum“. Von der Innenstadt, die derzeit eine einzige Baustelle ist, zeigt sich die Camperin weniger begeistert. 

Jan Klische aus Hamburg ist mit seiner Familie zum wiederholten Mal auf dem Platz in Kassel. Als Zwischenstopp, um die Großeltern auf dem Weg in den Urlaub zu besuchen. Den Platz bezeichnet Klische als „völlig o.k.“.Aber hier übernachten nicht nur Kinder, die ihre Eltern in Kassel besuchen wollen. Mittlerweile kämen auch viele Eltern mit dem Wohnmobil, deren Kinder in Kassel studieren, sagt Platzmanager Fehling. Im Durchschnitt blieben die Gäste rund zwei Tage.

Campingplatz Kassel, Giesenallee 9, 34121 Kassel, Tel. 05 61/72 989 346, www.campingplatz-kassel.de

Der erste inklusive Platz in Hessen

Der Campingplatz Kassel wird seit 2017 durch die Kassel Marketing GmbH betrieben, die wiederum die Baunataler Diakonie Kassel (bdks) mit der Bewirtschaftung beauftragt hat. Er ist der erste inklusive Campingplatz in Hessen und bietet ein neues attraktives Arbeitsfeld für Menschen mit Behinderung. 

Sie übernehmen Arbeiten in den Bereichen Rezeption, wo sie beispielsweise E-Mail-Anfragen bearbeiten und Online-Buchungen einpflegen, kümmern sich um die Stromversorgung der Gäste sowie die Reinigung der Sanitärbereiche und die Gartenpflege auf dem Gelände. Insgesamt arbeiten auf dem Campingplatz neun Menschen mit und ohne Handicap.

Der Kasseler Campingplatz an der Fulda

 © Andreas Berger
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