Antrag auf Änderung der Preise scheitert

Streit um neue Stromtarife: Wer viel verbraucht, der spart

+

Kassel. Der Strom von den Städtischen Werken wird ab 1. März preiswerter, die Servicepauschale wird teurer. Die Folge: Wer viel Strom verbraucht, spart künftig Geld.

Aber Haushalte, die weniger als 1700 Kilowattstunden Strom im Jahr verbrauchen, legen wegen der kräftig angehobenen Servicepauschale drauf. Stromsparen dürfe nicht bestraft werden, erklärte Stadtverordneter Axel Selbert den Antrag seiner Fraktion Kasseler Linke, die neuen Tarife der Stadtwerke entsprechend zu verändern.

Axel Selbert

Dafür hagelte es Kritik im jüngsten Ausschuss für Finanzen, Wirtschaft und Grundsatzfragen der Stadtverordnetenversammlung. Man könne nicht in die Tarifpolitik der Stadtwerke eingreifen, mahnte Bernd-Peter Doose (CDU). Und auch Kassels Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel (SPD) stellte klar, dass die Stromtarife vom Vorstand der Stadtwerke und nicht vom Kasseler Stadtparlament festgelegt würden. Im liberalisierten Energiemarkt könnten die Kunden frei wählen, von wem sie ihren Strom kaufen. Und da es nur wenige Wechsler zu anderen Stromversorgern gebe, würden die Stadtwerke offenbar ordentliche Preise machen.

Die Linken wollten mit dem Antrag auch keine Preise vorgeben, sondern nur erreichen, dass Aufsichtsrat und Vorstand der Stadtwerke dafür sorgen, dass auch Kleinverbraucher weniger bezahlen müssten, erklärte Selbert. Denn die Einpersonen-Haushalte, die mehr als die Hälfte aller Haushalte in Kassel ausmachen, würden durch die neue Strompreisstruktur für ihren sparsamen Stromverbrauch nicht belohnt, „sondern bei sehr geringem Verbrauch sogar bestraft.“

Jürgen Barthel

Der Stadtkämmerer machte hingegen eine andere Rechnung auf. Auch die neuen Preise würden Energieeinsparung honorieren, erklärte Barthel. Bei einem kleinen Verbrauch von 1000 Kilowattstunden im Jahr müsse ein Kunde zwar wegen der erhöhten Servicepauschale 9,96 Euro mehr im Jahr zahlen. Durch die Einsparung von 36 Kilowattstunden könnten diese Mehrkosten aber ausgeglichen werden. Dafür reicht meist schon der Austausch von ein bis zwei Glühbirnen gegen stromsparende LED-Lampen. Und bereits ab einem Verbrauch von 1700 Kilowattstunden erfolge eine Preissenkung, sagte Barthel.

Mit dem Antrag blitzte die Fraktion Kasseler Linke im Ausschuss ab. SPD, Grüne, CDU und FDP empfehlen, den Beschluss abzulehnen. Es ist davon auszugehen, dass die Stadtverordnetenversammlung diesem Votum folgt. (ach)

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.