Ortsbeiräte kritisieren Kampagnen-Konzept für Umbau der Friedrich-Ebert-Straße

Streit um neues Gütesiegel

Bald Schaltzentrale: In die seit Langem leer stehende Gaststätte „Pflaumenbaum“ (rechts) sollen die beiden Managerinnen für den Umbau der Friedrich-Ebert-Straße im Frühjahr einziehen. Momentan werden dort noch Räume renoviert. Foto:  Dilling

Vorderer Westen/Mitte. Der Vorschlag der Stadt für eine öffentlichkeitswirksame Kampagne im Zuge des bevorstehenden, Millionen schweren Umbaus der Friedrich-Ebert-Straße ist jetzt auf heftige Kritik gestoßen. Die Stadt soll das Konzept, das die Bürger mit verschiedenen Werbe- und Informationsaktionen für das Sanierungsprojekt begeistern will, überarbeiten, hieß es in einer gemeinsamen Sitzung der Ortsbeiräte Mitte und Vorderer Westen.

Der von der Stadt Kassel beauftragte Kommunikationsfachmann und Agenturinhaber Ralf Janik hatte seine Idee eines plakativen Gütesiegels für den Vorderen Westen und einer Reihe ergänzender Sprüche zuvor den beiden Gremien vorgestellt. Damit will Janik das Umbauprojekt auf allen Ebenen, mit Plakaten, Aufklebern und im Internet, bewerben.

Kaufleute dafür

Der Begriff „Vorderer Westen“ habe in Kassel einen guten Klang. Er stehe für Vielfalt im Einzelhandel und gute Wohnqualität, sagte der Fachmann. Es spiele dabei keine Rolle, dass ein großer Teil der Friedrich-Ebert-Straße nicht in diesem Stadtteil, sondern in Mitte verläuft. Denn bei einer Befragung habe die Mehrzahl der Kaufleute in der von Leerstand besonders gebeutelten Einkaufsmeile zwischen Annastraße und dem Ständeplatz signalisiert, sie fühlten sich eher zum Vorderen Westen als zur Innenstadt gehörig.

Das sehen viele Ortsbeiratsmitglieder offensichtlich anders. In dem Konzept sei der Stadtteil Mitte „total unterrepräsentiert“, meinte Christian Schnittker (Grüne) vom Ortsbeirat Mitte. Der Vordere Westen sei jetzt schon so positiv besetzt, da müsse er nicht noch weiter „aufgepeppt“ werden. Das Siegel blende die Vorzüge von Mitte völlig aus, sagte sein Kollege Norman Virks (CDU). Vorbehalte gegen den Begriff haben auch Annette Blumenschein und Gerhard Flögel (beide SPD) vom Ortsbeirat West. Es handele sich außerdem weitgehend um ein reines Marketingkonzept. Das sei ein bisschen wenig. Patrick Hartmann (SPD), Ortsvorsteher im Stadtteil Mitte, äußerte sich ebenso reserviert. Man müsse noch einmal nachdenken. Lediglich seine Amtskollegen aus dem Vorderen Westen, Wolfgang Rudolph (SPD) und Margret Müller (FDP, Mitte), sprachen sich grundsätzlich für das Konzept aus.

Carlo Frohnapfel vom Stadtplanungsamt warb vergeblich für den Vorschlag. Jetzt will er ihn noch einmal überprüfen. Viel Zeit hat er nicht. Denn schon im Frühjahr sollen die beiden Managerinnen des Umbauprojekts in eine leer stehende Kneipe an der Friedrich-Ebert-Straße ihr Büro eröffnen. (pdi)

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