Betreiber fühlen sich ausgebootet

Streit um das Schloss-Café: Museumslandschaft will langjährige Pächter loswerden

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Tauziehen ums Schloss-Café: Die Museumslandschaft Hessen-Kassel will sich vom Pächter trennen und hat eine Räumungsklage angestoßen. Der Pächter beruft sich auf eine vertragliche Regelung, nach der er so lange bleiben darf, bis das Gebäude saniert wird. Foto: Koch

Kassel. Seit 37 Jahren betreibt die Familie El Ahl das Schloss-Café in der Alten Wache unterhalb des Schlosshotels. Doch nun will der Eigentümer, die Museumslandschaft Hessen-Kassel (MHK), Mahmoud und Astrid El Ahl vor die Tür setzen.

Einen bis Ende 2013 laufenden Pachtvertrag hatte die MHK nicht verlängert. Nun streiten sich beide Seiten vor Gericht, ob dies rechtens war. Im Juli wird eine Entscheidung erwartet. Unterdessen läuft der Café-Betrieb normal weiter.

Mahmoud El Ahl (72) war überrascht, als ihm die MHK im April 2013 mitteilte, dass sein bis Ende 2013 laufender Pachtvertrag nicht verlängert wird. 2008 hatte er schon einmal – mit Erfolg und Unterstützung vieler Kasseler – eine drohende Kündigung abgewendet.

Daraufhin bekam er von dem Landesbetrieb einen neuen Vertrag für fünf Jahre. Für die Zeit danach wurde vereinbart, dass dieser sich jeweils um ein Jahr verlängert, wenn die Generalsanierung der Alten Wache in dem betreffenden Jahr nicht ansteht. Bis maximal Ende 2018 sollte diese Verabredung gelten.

Diesen Vertragsbestandteil sehen die El Ahls und ihr Anwalt Jürgen Heyner verletzt. Denn ihres Wissens stehe die Grundsanierung der Alten Wache noch in den Sternen. 2011 waren nur die dringlichsten Arbeiten (etwa die Instandsetzung der Terrasse) erledigt worden.

Mahmoud El Ahl

Wann die mit drei Mio. Euro bezifferte Kernsanierung des Gebäudes begonnen wird, dazu war bei der MHK nichts Konkretes zu erfahren. Auf HNA-Anfrage teilte die MHK mit, dass sie den Pachtvertrag offiziell für beendet sieht. Doch der Pächter wolle „die Situation nicht akzeptieren“ und lasse den Betrieb weiter laufen. Wegen des laufenden Gerichtsverfahrens um eine Räumungsklage könne sie keine detaillierten Angaben machen, sagte MHK-Sprecherin Lena Pralle.

Auf die Frage der HNA, warum die El Ahls das Café abgeben sollen, sagte die MHK-Sprecherin, dass man sich nicht auf ein gastronomisches Konzept habe einigen können.

Dass Nicht-zustande-Kommen einer Einigung auf ein Gastronomiekonzept hält der Anwalt des Betreiberehepaars Heyner für ein vorgeschobenes Argument. Seine Mandanten hätten sich nie den Vorschlägen des Gastronomieberaters der MHK verweigert.

Für die El Ahls steht bei der laufenden Gerichtsverhandlung viel auf dem Spiel. Denn sie wohnen auch seit 37 Jahren in den Räumen über dem Café. Dazu gibt es zwar einen separaten Mietvertrag, der mit keiner Frist belegt ist, aber es ist fraglich, ob das Paar weiter über einem Café wohnen möchte, über das es nicht mehr entscheidet.

Mahmoud El Ahl glaubt, dass die MHK ihn um jeden Preis loswerden will, um Platz für einen neuen Pächter zu machen. Deshalb habe man ihm zwischenzeitlich angeboten, bis Ende 2015 Pächter zu bleiben. Aber nur unter der Bedingung, dass er dann auch die Wohnung räumt. Das hatte er abgelehnt. (bal)

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