Rückkehr zu Kopien belastet Studenten stark

Streit über Vergütungsregeln: Keine digitalen Texte mehr an Uni 

Kassel. Den 25 000 Studenten an der Universität Kassel droht im neuen Jahr eine Verschlechterung der Studienbedingungen. Denn wegen eines Streits um die Vergütung von Urheberrechten dürfen künftig viele Texte für Lehrveranstaltungen nicht mehr digital zu Verfügung gestellt werden.

Studenten müssen ab Januar voraussichtlich deutlich mehr Zeit und Geld in Kopien stecken. Die Studierendenvertretung Asta befürchtet „eine katastrophale Verschlechterung für den Studienalltag.“

Hintergrund ist ein neuer Rahmenvertrag, der zwischen der Verwertungsgesellschaft (VG) Wort und den Ländern geschlossen wurde. Die VG Wort macht Tantiemen aus Zweinutzungsrechten für Verlage und Autoren geltend. Bisher konnten von den Hochschulen digital bereitgestellte Texte pauschal mit der VG Wort abgerechnet werden. Für die Uni Kassel waren das rund 15 000 Euro im Jahr. Das neue, ab 2017 geltende Modell sieht vor, dass die Dozenten jede in Lehre und Forschung verwendete Seite digitaler Werke einzeln melden und abrechnen müssen.

Hessens Universitäten halten das für einen unzumutbaren bürokratischen Aufwand. Sie haben sich deshalb – wie die Hochschulen in anderen Bundesländern – geweigert, dem neuen Rahmenvertrag beizutreten. Die Folge: Ab dem Jahreswechsel dürfen keine urheberrechtlich geschützten Texte mehr auf den Online-Plattformen der Uni zum Lesen oder Herunterladen zur Verfügung gestellt werden. Bereits hochgeladene Materialien müssen gelöscht werden.

Die Dozenten müssen die Literatur stattdessen wie früher als Kopiervorlage aus Papier hinterlegen oder per Literaturliste auf die entsprechenden Werke verweisen. Die neuen Regelungen behinderten die Digitalisierung der Lehre, so Uni-Sprecher Sebastian Mense. Es müsse dringend eine praktikable Möglichkeit geschaffen werden, damit digitale Literatur weiterhin verwendet werden könne.

Rubriklistenbild: © dpa

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