Polizei ließ gefrorene Gewässer räumen

Bergpark und Karlsaue in Kassel: Streit um Eisfreuden im Lockdown

Eisfläche am Lac von der Polizei gesperrt
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Betreten verboten: Auch am Montag ist die Eisfläche am Lac von der Polizei gesperrt.

Die Polizei räumte am Wochenende Eisflächen in Karlsaue und Bergpark. Warum eigentlich, fragen Kritiker, wenn das Eis doch dick genug ist und nicht freigegeben werden muss.

Kassel – Die Kasseler Polizei war am Wochenende sowohl in der Karlsaue als auch im Bergpark im Einsatz, bestätigt Matthias Mänz, Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen. Zum einen habe es Anrufe aus der Bevölkerung gegeben, weil sich Personen auf den Eisflächen befunden hätten. Zum anderen gebe derzeit an Wochenenden im Bergpark Wilhelmshöhe und dem Habichtswald wegen der jüngsten Verkehrsprobleme und dem großen Menschenandrang eine höhere Polizeipräsenz. Auch die Beamten hätten im Bereich des Lac die Menschen auf der Eisfläche gesehen.

„Die Polizei hat den gesetzlichen Auftrag zur Abwehr von Gefahren“, erklärt Mänz. Aufgrund der Einschätzung der Kasseler Feuerwehr, die Eisflächen nicht zu betreten, habe man die Personen angesprochen und sie aufgefordert, die Eisflächen zu verlassen. Die Feuerwehr Kassel warnte auch am Montag noch vor dem Betreten von Eisflächen. „Trotz der aktuellen Minusgrade sind viele Eisflächen zu dünn. Wer das dünne Eis betritt, droht einzubrechen“, sagt Tobias Winter, Leiter der Feuerwehr Kassel.

Das Missachten von Schildern, die das Betreten von Eisflächen untersagen oder die darauf hinweisen, dass ein Betreten auf eigene Gefahr erfolgt, ist in aller Regel keine Frage der Strafbarkeit oder Ordnungswidrigkeit, heißt es von der Stadt Kassel. Solche Schilder könnten im Falle eines Einbrechens in eine Eisfläche haftungsrechtliche Auswirkungen haben.

Die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) als Hausherrin im Bergpark und der Karlsaue verweist ebenfalls darauf, dass das Betreten der Parks auf eigene Gefahr geschehe. Das stehe auch so in der Parkordnung. Die Schilder, die vor dem Betreten der Eisfläche warnen, habe man aus Sicherheits-, aber auch aus Haftungsgründen aufgestellt, sagt MHK-Sprecherin Lena Pralle. Messungen der Eisdicke werden von der MHK nicht vorgenommen.

Unter normalen Umständen wäre das Eis nach einer Woche Frost noch nicht dick genug, sagt Pralle. Weil aber durch den heftigen Wintereinbruch sehr viel Schnee auf die noch nicht gefrorene Wasseroberfläche fiel, sei das Wasser schnell heruntergekühlt und die Schneematschschicht gefroren. „Wir warnen weiterhin vor dem Betreten des Eises“, sagt die Sprecherin. Gleichwohl würde die MHK nicht die Polizei rufen, wenn Menschen die Warnung missachteten.

„Die Stadt gibt Eisflächen auf ihr gehörenden Gewässern behördlich nicht frei und übernimmt keine Verantwortung für die Tragfähigkeit von Eisschichten“, so ein Stadtsprecher. Im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht werde auf die Gefahren hingewiesen. Laut der Seenordnung sei das Betreten von zugefrorenen Wasserflächen nicht erlaubt. Im Bereich des Bugasee weise eine Beschilderung darauf hin.

Auch wenn die Flächen in Bergpark und Karlsaue nicht der Stadt gehören, handele sich dabei aber um keine „rechtsfreien“ Räume, sagt ein Stadtsprecher. Bei Verstößen zum Beispiel gegen die Corona-Regelungen werde auch dort vom Ordnungsamt kontrolliert und falls erforderlich eingeschritten. (Katja Rudolph und Kathrin Meyer)

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