MHK verbietet Reservisten Veranstaltung am Volkstrauertag

Soldaten dürfen nicht ans Ehrenmal: Streit um Gedenken für Tote

Solche Bilder wird es vorerst nicht mehr geben: Valentino Lipardi, Vorsitzender der Reservistenkameradschaft Kassel, am Volkstrauertag 2019 vor dem Ehrenmal in der Karlsaue.
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Solche Bilder wird es vorerst nicht mehr geben: Valentino Lipardi, Vorsitzender der Reservistenkameradschaft Kassel, am Volkstrauertag 2019 vor dem Ehrenmal in der Karlsaue.

Die Reservistenkameradschaft Kassel darf ihr traditionelles Gedenken am Volkstrauertag nicht am Ehrenmal veranstalten. Soldaten haben für die Entscheidung der MHK kein Verständnis.

Kassel – Vor zwei Monaten ist Valentino Lipardi „aus allen Wolken gefallen“, wie er sagt. Damals erhielt der Vorsitzende der Reservistenkameradschaft Kassel von der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) die Nachricht, dass das von seiner Gruppe traditionell am Volkstrauertag ausgerichtete Gedenken an die Opfer der Weltkriege am Ehrenmal nicht stattfinden darf. „Wir sind von der MHK enttäuscht“, sagt der Oberleutnant der Reserve.

Anders als sonst, als bis zu 80 Besucher mit uniformierten Soldaten und Fackelträgern der Opfer gedachten, wird das gerade sanierte Ehrenmal leer bleiben. Es gibt lediglich die vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Stadt organisierte Gedenkveranstaltung im Bürgersaal des Rathauses (12 Uhr). Um 14.30 Uhr findet am Ehrenmal für die Opfer des Faschismus im Fürstengarten auf dem Weinberg eine Kranzniederlegung statt.

An beiden Orten sollen „unterschiedliche Interessengruppen“ zusammen gedenken, wie die MHK auf Anfrage mitteilt – „aus unserer Sicht ein unterstützenswerter Gedanke.“ Auch die Bundeswehr und Teile der Reservisten werden vertreten sein.

Für das Ehrenmal kündigt die MHK einen „differenzierten Umgang“ an, um die „historische Bedeutung“ des Ortes aufzuzeigen. Nach Schmierereien durch linke Gruppen hatte MHK-Chef Martin Eberle das Ehrenmal als „heikle Sache“ bezeichnet, da es Gefallenen gedenke, die gleichzeitig Opfer und Täter seien. Es würden aber auch Kompanien geehrt, die eindeutig Täter seien.

Lipardi versichert, dass es „keine Heldenverehrung“ sei, „wenn wir dort gedenken“. Für die Reservisten sei das Ehrenmal zentraler Gedenkort, weil Architektur und Atmosphäre „einmalig“ seien.

Wenig Verständnis für die Entscheidung der MHK hat Jan Hörmann. Der Ehemann von Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann vertritt als Präsident des Zusammenschlusses CIOR 1,3 Millionen Nato-Reservisten und hat stets in Uniform an dem Gedenken teilgenommen: „Wenn ich meinen internationalen Kollegen erzähle, dass wir nicht mehr zu unseren Gedenkstätten gehen dürfen, würde das keiner verstehen. Das aus Steuern sanierte Ehrenmal gehört uns allen.“

Eine angedachte Ersatzveranstaltung auf dem Hauptfriedhof organisieren die Reservisten doch nicht. Lipardi wird der Toten Sonntag (12 Uhr) auf dem britischen Soldatenfriedhof in Niederzwehren gedenken. (Matthias Lohr)

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