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Streit um Kassels nächtliches Wahrzeichen: documenta Forum fordert Aktivierung des Lasers

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Von: Bastian Ludwig

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Sollen nach Wunsch des documenta Forums wieder leuchten: Seit Anfang August sind der grüne und rote Laser wegen der Energiekrise nicht mehr in Betrieb. In der Mitte die beleuchtete Wilhelmshöher Allee.
Sollen nach Wunsch des documenta Forums wieder leuchten: Seit Anfang August sind der grüne und rote Laser wegen der Energiekrise nicht mehr in Betrieb. In der Mitte die beleuchtete Wilhelmshöher Allee. Archivfoto: Jörg Conrad © Archivfoto: Jörg Conrad

Um den abgeschalteten Kasseler Laser ist ein Streit entbrannt. Das documenta Forum übt Kritik an der Entscheidung der Stadt, die ihn wegen der Energiekrise nicht mehr anschaltet.

Kassel – Wegen der Energiekrise hatte die Stadt Kassel Anfang August an vielen Stellen das Licht abgedreht: So werden Rathaus, Fridericianum, Herkules und Spitzhacke nachts nicht mehr angestrahlt. Auch der rote und grüne Laser leuchten seitdem nicht mehr jeden Samstagabend über der Stadt. Dies stößt beim documenta Forum, das sich viele Jahre um den Erhalt des Kunstwerks kümmerte, auf heftige Kritik.

Der Laser habe nicht nur in documenta-Zeiten eine große symbolische Bedeutung und sei durch eine eigene Photovoltaikanlage auf dem Dach des Zwehrenturms ohne zusätzlichen Energieverbrauch zu betreiben.

Lange hatte das documenta Forum um das Kunstwerk Laserscape gekämpft, das der Künstler Horst H. Baumann 1977 zur documenta 6 geschaffen hatte. Als sein Bestand 2005 wegen veralteter Technik gefährdet war, initiierte das documenta Forum eine Spendensammlung in der Bevölkerung und kümmerte sich um Sponsoren wie SMA und die Städtischen Werke. Seit 2007 leuchten der rote und grüne Laser wieder vom Zwehrenturm zum Herkules, zum Landesmuseum und zur Orangerie. Doch jetzt ist es samstagabends wieder finster.

„Das Abschalten des Lasers infolge der Energiekrise war eine Fehlentscheidung der Stadt“, sagt Miki Lazar, Beisitzer im Vorstand des documenta Forums. Diese Position sei im Vorstand abgestimmt. Lazar begründet seine Sicht zum einen mit der Energieversorgung des Lasers. Denn auf dem Dach des Zwehrenturms ist extra für das Kunstwerk eine PV-Anlage installiert worden. Diese produziert viel mehr Strom, als der Laser verbraucht.

Der Kasseler Architekt Günter Schleiff, der sich auch schon lange für den Erhalt des Lasers einsetzt, rechnet vor, dass die kleine PV-Anlage zuletzt 480 bis 500 Kilowattstunden im Jahr erwirtschaftet habe. Diese Energie werde ins Netz eingespeist. Der Laser hingegen brauche nur ungefähr 50 Kilowattstunden im Jahr, da er nur einmal wöchentlich leuchte. Damit sei er bilanziell autark, auch wenn er für den nächtlichen Betrieb mangels ausreichendem Speicher auch Netzstrom benötige, so Schleiff. Die Spender und Sponsoren hätten die PV-Anlage nicht finanziert, damit diese weiter ins Netz einspeise, während der Laser dunkel bleibe.

„Der Laser ist auch ein Symbol dafür, dass wir auch ohne Putins Energie klarkommen. Er ist ein positives Zeichen. Das Abschalten ist ein negatives Zeichen und ein populistischer Schnellschuss des Oberbürgermeisters. Das ärgert mich maßlos“, so Schleiff.

Der Betrieb des Lasers lag bis 2019 in den Händen des documenta Forums. Seitdem kümmern sich die Städtischen Werke um ihn.

Die Stadt Kassel verteidigt ihre Entscheidung indes. Die PV-Anlage unterstütze zwar den Betrieb des Lasers, reiche aber nicht aus, um ihn autark zu betreiben, so ein Stadtsprecher. Daher sei der Verzicht auf den Laser als ergänzende Maßnahme zur Einsparung von Energie zu sehen. Darüber hinaus speise die PV-Anlage nun sogar in das Netz mit ein.

„Letztlich wurde mit der Abschaltung des Herkules, der Fassadenbeleuchtung und des Lasers auch im Vorgriff auf die neue Energieeinsparverordnung gehandelt, die genau jene Einsparmöglichkeiten vorsieht“, so der Rathaussprecher weiter. (Bastian Ludwig)

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