Anhörung vor Gericht bringt Klärung

Streit um Lucifer: Stadt untersagt Kasseler Eltern teuflischen Namen

Kassel. Ein Kasseler Standesbeamter hat verhindert, dass ein Kind aus Kassel den Namen des Teufels trägt. Seine Eltern hatten sich für ihren in diesem Jahr geborenen Sohn den Namen „Lucifer“ überlegt.

Dieser ist im christlichen Sprachgebrauch gleichbedeutend mit dem Teufel. Weil der Standesbeamte das Wohl des Kindes gefährdet sah, verweigerte er zunächst die Beurkundung und schaltete das Kasseler Amtsgericht zur Klärung ein.

Nach Monaten der Auseinandersetzung fand nun vor dem Gericht eine nicht-öffentliche Anhörung statt. „Bei dem Termin haben sich die Eltern umstimmen lassen und für einen anderen Namen entschieden“, sagt Gerichtssprecher Matthias Grund auf HNA-Anfrage. Nun solle das Kind „Lucian“ heißen. Weil die Eltern von ihren ursprünglichen Vorstellungen Abstand genommen hätten, sei eine richterliche Entscheidung nicht nötig geworden.

Richter Grund erläutert, warum der Name fragwürdig ist: „Nach Ansicht der Gesellschaft für deutsche Sprache sind Luzifer und Lucifer Personifizierungen des Bösen.“ Wörtlich übersetzt bedeutet der Name zunächst nur „Lichtträger“. Doch im Mittelalter wurde der Name auch im kirchlichen Sprachgebrauch zum Synonym für Satan und Teufel. Populär wurde der Name zuletzt durch die US- Fernsehserie „Lucifer“, die seit 2017 auch in Deutschland ausgestrahlt wird. Aufgrund des teuflischen Heldens in der Serie hatten sich weltweit Eltern für den Babynamen Lucifer entschieden.

Immer wenn ein Standesbeamter durch die Namensgebung das Kindeswohl gefährdet sehe – was er nach eigenem Ermessen tut – könne er den Fall mit einer sogenannten Zweifelsvorlage vom Amtsgericht klären lassen, sagt der Gerichtssprecher. Dieses entscheide, ob der Vorname beurkundungsfähig ist. Wie häufig dies vorkommt, dazu wird keine Statistik geführt.

Beliebteste Vornamen in Kassel

Dass jemand sein Kind Lucifer nennen will und ihm schließlich den Namen Lucian gibt, gehört sicher auch zu den Kuriositäten, die mit der Namensgebung einhergehen. Den seltenen Namen stehen die häufigsten gegenüber. In Kassel waren das im vergangenen Jahr Sophie und Maximilian. Der Name Sophie wurde dabei 67-mal vergeben, der Name Maximilian 40-mal. 

Zudem wird auch in Kassel jedes Jahr Statistik geführt, welche Namen am häufigsten vorkommen. Eine Übersicht:

2016: 1. Sophie und Maximilian 2. Marie und Paul 3. Emma und Elias 4. Emilia und Alexander 5. Mila und Leon 6. Sophia und Ben

1976: 1. Nicole und Christian 2. Tanja und Markus 3. Sandra und Michael 

1966: 1. Andrea und Thomas 2. Sabine und Michael 3. Claudia und Frank

Interessant ist, wie viele Kinder jeweils den Namen erhielten, der für den Spitzenplatz ausreichte. 2016 bekamen 40 Jungen den Namen Maximilian, 1976 erhielten 109 Jungen den Namen Christian, und 1966 bekamen 260 Jungen den Namen Thomas. Das spricht dafür, dass es nicht mehr den einen Topnamen gibt.

Statitistiken rund um Vornamen finden Sie zum Beispiel auf der Internetseite www.beliebte-vornamen.de.

Kind aus Gudensberg heißt Schneewittchen

Eine Zweijährige aus Gudensberg hat ebenfalls einen seltenen Namen: Sie heißt Gretchen Schneewittchen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Swen Pförtner/dpa

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