CDU-Fraktionschef: „Wir fühlen uns hintergangen“

Umstrittener Märchenwald: CDU fordert Bürgerbeteiligung

Entwurf Brüder-Grimm-Platz in Kassel
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Märchenwald am Grimm-Platz: Diese Zeichnung (Blickrichtung Landesmuseum) stammt aus dem Entwurf der Landschaftsarchitekten Club L94 aus Köln.

Nach der zum Teil heftigen Kritik am geplanten Märchenwald auf dem Brüder-Grimm-Platz fordert die CDU eine Bürgerbeteiligung. Droht der Stadt ein neuer Fall Karlsplatz?

Kassel – Nun erreicht die Diskussion um den geplanten Märchenwald auf dem Brüder-Grimm-Platz auch die Politik. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael von Rüden fordert eine „öffentliche Bürgerbeteiligung“ über die umstrittene Neugestaltung des Platzes an Torwache und Landesmuseum.

Wie bei der Diskussion um den Bau des documenta-Instituts auf dem Karlsplatz „wurde die Öffentlichkeit bei einem stadtgestalterischen Projekt völlig außen vor gelassen“, klagt der CDU-Politiker. Auch die politischen Gremien seien nicht angemessen beteiligt gewesen: „Wir fühlen uns hintergangen.“

Von Rüden reagiert damit auch auf die zahlreichen Leserbriefe in unserer Zeitung, in denen das Ende April vorgestellte Konzept für den Platz teils heftig kritisiert wurde. Der Entwurf des Kölner Planungsbüros Club L94 und des Ingenieurbüros Röwer aus Gütersloh sieht einen Kiefernwald mit Lichtinstallationen und Sprühnebel vor. Für die Grimm-Expertin Andrea Linnebach-Wegner ist das „ökologischer Unsinn“ und „anbiedernder Kitsch“, wie sie der HNA schrieb.

Auf die Kritik am Märchenwald ist Baudezernent Christof Nolda bereits eingegangen. Er ist weiter „zu jeder Diskussion bereit“, wie er sagt. Ob es dazu in Zukunft auch Veranstaltungen geben kann, ist wegen Corona derzeit noch offen. Den Vorwurf der mangelnden Bürgerbeteiligung weist der Grünen-Politiker jedoch zurück. So habe die Stadt für das Projekt eigens einen Beirat gegründet. In dieses Gremium wurden auch Vertreter aller Fraktionen des Stadtparlaments eingeladen, wie ein Stadtsprecher sagt. „Sie haben die Wettbewerbsvorwürfe im Vorfeld des Preisgerichts gesehen und Hinweise gegeben“, sagt Nolda.

Die Ausstellung mit den Wettbewerbsbeiträgen habe zwar wegen Corona „nach zwei Tagen“ schließen müssen, die Entwürfe sind aber bis heute unter wb-brueder-grimm-platz.de online abrufbar. Nolda findet das alles „relativ ungewöhnlich“ für einen Wettbewerb, der sonst „anonym und nicht öffentlich stattfindet“ – wie etwa bei den Planungen für die einst ebenfalls umstrittene Grimmwelt.

Auch der Grünen-Stadtverordnete Steffen Müller kann den Vorwurf der Union nicht verstehen: „Vielleicht hat die CDU vergessen, dass sie auch im Beirat war.“ Müller findet den Märchenwald mutig, weil er anders funktioniere wie die meisten Plätze: „Sonst ist die öffentliche Fläche drumherum. Hier ist ein Naturkunstwerk in der Mitte. Ich bin ein Fan davon.“ CDU-Fraktionschef von Rüden dagegen ist von dem „Wäldchen persönlich nicht überzeugt“. Mit seinen Fraktionskollegen will er demnächst mit dem Historiker Christian Presche eine Begehung des Grimm-Platzes unternehmen, um sich „städtebaulich intensiver“ mit dem Ort zu beschäftigen.

Der Architekturkritiker Gerhard Matzig hat den Entwurf dagegen gerade in der „Süddeutschen Zeitung“ als „zukunftstauglich“ und „nicht unökologisch“ gelobt: „Natürlich ist es überlegenswert, statt der üblichen, insektenfeindlichen Rasenmonokulturen einen Hain zu realisieren.“

Eine Bürgerbeteiligung, wie sich von Rüden wünscht, findet Frank Flor vom Büro Club L94 wichtig. Der Landschaftsarchitekt sagte der HNA, dass bei solchen Diskussionen in der Regel 90 Prozent der offenen Fragen beantwortet werden könnten: „Einzelne Kritiker wird es immer geben. Aber ich bin mir sicher: Am Ende werden alle begeistert sein.“ (Matthias Lohr)

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