Kundin soll wegen Corona-Schließung über Vertragsende hinaus bezahlen

Kasseler Studentin im Streit um Vertrag mit Fitnessstudio

Zuletzt nur mit Voranmeldung: Fitnessstudios dürfen trotz Corona seit zwei Wochen immerhin wieder mit Auflagen öffnen. Unser Symbolfoto ist in einem Studio in Nordrhein-Westfalen entstanden
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Zuletzt nur mit Voranmeldung: Fitnessstudios dürfen trotz Corona seit zwei Wochen immerhin wieder mit Auflagen öffnen. Unser Symbolfoto ist in einem Studio in Nordrhein-Westfalen entstanden

Die Fitnessstudios leiden unter der Corona-Pandemie und den behördlichen Auflagen. Etliche Mitglieder haben angesichts der langen Schließzeiten ihre Verträge gekündigt. Doch welche Regeln und Fristen gelten in diesen Ausnahmezeiten für die Kunden?

Kassel - Eine Kasseler Studentin soll nun jedenfalls länger Mitglied in ihrem Studio bleiben, als es die eigentliche Kündigungsfrist vorsieht.

Stine Tewes ärgert sich. Die 21-jährige Studentin aus Kassel geht seit 2018 ins Fitnessstudio Shebody an der Wilhelmshöher Allee. Anfang 2020, kurz vor Ausbruch der Pandemie, hat sie ihren Vertrag aber gekündigt. Dies wurde ihr so auch vom Studio schriftlich bestätigt: Im Februar 2021 werde ihr Vertrag auslaufen. Doch als nun Anfang März abermals die 25 Euro für ihren Studententarif abgebucht wurden, hakte sie nach.

„Bei meinem Studio bekam ich die Auskunft, dass mein Vertrag um die Monate verlängert wird, in denen wegen der Corona-Schließung keine Beiträge von meinem Konto eingezogen wurden. Also soll ich bis Juni oder Juli weiterzahlen“, sagt sie. Weil sie trotz ihres Nebenjobs nur wenig Geld zur Verfügung habe, wolle sie dies nicht akzeptieren. Schließlich sei ihr die Kündigung zum Februar 2021 bestätigt worden. „Im Studio wurde mir gesagt, das sei gesetzeskonform.“

Die Verbraucherzentrale Hessen hat da eine andere Auffassung. Wenn eine Leistung aufgrund behördlicher Anordnung nicht erbracht werden könne, spreche man laut Paragraf 275 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) von „Unmöglichkeit“. Das bedeute: „Beide Parteien werden von ihrer Leistungspflicht frei. Der Kunde muss nicht zahlen und kann die Lastschrift widerrufen“, sagt Peter Lassek, Anwalt bei der Verbraucherzentrale.

In einem sehr ähnlichen Fall wie der von Stine Tewes habe das Amtsgericht Papenburg einem Kunden recht gegeben. An eine bereits bestätigte Kündigung müsse sich das Studio halten. Anwalt Lassek weist aber auch darauf hin, dass einzelne Gerichte in etwas anders gelagerten Fällen auch zugunsten der Studiobetreiber entschieden hätten. Es sei letztlich eine Einzelfallentscheidung des jeweiligen Gerichts. Ein gewisses Prozessrisiko bleibe also bestehen.

„Aus unserer Sicht müssen sich die Studios an die Kündigungsfristen halten und dürfen auch nicht für Schließmonate Gutscheinmodelle anbieten, um zu vermeiden, dass Geld zurückgefordert wird“, sagt Lassek.

Der Studio-Betreiber von Shebody meldete sich auf HNA-Anfrage nicht zurück. Eine Mitarbeiterin bestätigte aber, dass das Studio die Verträge so lange verlängere, bis der Jahresbeitrag erreicht sei – auch wenn die eigentliche Frist schon abgelaufen sei. (Bastian Ludwig)

So machen es andere Studios:

Mc Fit: Bietet seinen Mitgliedern während des Lockdowns drei Optionen. Neben einer Kündigung gebe es die Möglichkeit, den Vertrag zu pausieren. Eine Pause bedeute, dass in dem Zeitraum kein Beitrag gezahlt werden muss. Mitgliedern, die trotz Lockdowns ihren Beitrag zahlen, werde die Zeit der Schließung nach Ende der Mitgliedschaft in Trainingsmonaten ausgeglichen. Dennoch habe jedes Mitglied die Möglichkeit, fristgemäß den Vertrag zu kündigen, sofern keine Ruhezeit eingelegt wurde, so ein Sprecher.

Fitness First: Es gebe kein Sonderkündigungsrecht, aber man akzeptiere die Kündigungsfristen ohne automatische Vertragsverlängerung, so ein Sprecher. Generell ziehe man während der Schließung die Beiträge weiter ein und biete den Mitgliedern zwei Kompensationsmöglichkeiten: ein Upgrade auf die höchste Clubkategorie für sechs Monate oder eine beitragsfreie Pause für die Zeit der Schließung. Die Vertragslaufzeit verschiebe sich dann aber entsprechend.

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