Mieter trauen sich kaum noch vor die Tür

Streit unter Nachbarn in Kassel eskaliert: Lärm, Blut und zerkratztes Auto

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Das Auto einer Wohnungseigentümerin wurde zerkratzt.

Mieter in der Nordstadt in Kassel fühlen sich von ihrer Nachbarin terrorisiert. Der Streit eskalierte und gipfelte in blutiger Randale. Auch die Polizei wurde bereits eingeschaltet.

  • Streit unter Mietern in Kassel eskaliert
  • Nachbarn von junger Frau fühlen sich unter anderem von der Polizei im Stich gelassen
  • Streit mit Nachbarin: Besucher randaliert und verursacht ein Blutbad am Hauseingang - Bewohner rufen Polizei

Kassel – Ärger unter Nachbarn kommt in vielen Mehrfamilienhäusern vor. Im Struthbachweg in der Nordstadt in Kassel gehen die Probleme mit einer Mieterin so weit, dass andere Bewohner sich kaum noch in den Hausflur trauen.

„Es ist ein Albtraum“, sagt eine 50-Jährige, die gegenüber von der jungen Frau wohnt, die Ende 2018 in das Haus mit neun Parteien zog und vorher auf der Straße gelebt hatte.

Streit unter Nachbarn in Kassel eskaliert: Die Beschwerden

Seit dem Einzug der Frau leide man unter ständigem Lärm durch laute Musik und Streitereien aus der Wohnung, in der „ein Ein und Aus wie in einem Taubenschlag“ herrsche, schildert die Nachbarin.

Nach mehrfachen Beschwerden bei der Bewohnerin, ohne dass sich die Situation besserte, schalteten sie und eine andere Nachbarin wiederholt die Polizei ein.

Streit-Situation belastet Nachbarn von junger Frau: Bewohnerin traut sich kaum noch vor die Tür

Im vergangenen Sommer habe sich die Lage zugespitzt: Die Bewohnerin trat in mehreren Situationen gegen die Wohnungstür der 50-Jährigen, klebte den Türspion zu, stellte die Musikbox bei voller Lautstärke auf den Flur und beschimpfte die Nachbarin lautstark.

Färbemittel wurde auf den Balkon gespritzt.

Sie sei inzwischen völlig zermürbt und lebe in Angst, sagt die Frau. „Ich traue mich kaum noch, den Müll runterzubringen, aus Angst ihr zu begegnen.“

Auto nach Streit unter Nachbarn zerkratzt

Ihre Leidensgenossin ist eine 29-Jährige im Apartment direkt unter der problematischen Bewohnerin. Auf ihrem Balkon landete Müll von oben, Ketchup wurde auf den Wäscheständer gespritzt, die Wohnungstür mit Farbe beschmiert und das Türschloss so verstopft, dass sie nicht mehr in die eigene Wohnung kam, schildert die Bewohnerin.

Das Auto ihrer 46-jährigen Cousine, der die Wohnung gehört, wurde mit dem Schriftzug „Hure“ zerkratzt.

Streit unter Nachbarn in Kassel gipfelt nach Randale in einem Blutbad vor dem Haus 

Kürzlich gipfelten die Probleme in einem Blutbad vor dem Haus. Dort hatte sich ein Gast der Bewohnerin beim Randalieren eine stark blutende Wunde zugezogen und massiv gegen die hinzugezogenen Polizei gewehrt, die mit mehreren Streifenwagen vor Ort war. Tagelang sei das Treppenhaus blutverschmiert gewesen, berichten die Bewohnerinnen.

Schlimm, sagt die 46-jährige Wohnungseigentümerin, sei das Gefühl, völlig machtlos zu sein. Sie fühle sich „von allen im Stich gelassen.“ Polizei, Hausverwaltung, Ordnungsamt, Eigentümerversammlung – niemand habe helfen können.

Das Problem bei dem Streit unter Mietern in Kassel

Der Kasseler Vermieter der umstrittenen Bewohnerin, dem zwei weitere Wohnungen im Haus gehören, hatte nach den wiederholten Beschwerden zwar im vergangenen Jahr einen Kündigungsversuch unternommen, diesen dann aber nicht weiterverfolgt.

Die für das Haus zuständige I.B.B. Hausverwaltung verweist auf den Vermieter: „Für ihre Mieter sind die Wohnungseigentümer verantwortlich“, sagt Geschäftsführer Jan Koschella auf HNA-Anfrage. Wenn sich ein Vermieter nicht kümmere und mit der Wohnungseigentümergemeinschaft nicht kooperiere, könne man wenig machen.

Eine Eigentumsentziehung als letztes Mittel habe hohe Hürden und sei langwierig. Man sei selbst Leidtragender der Situation im Haus, betont Koschella. Der Hausmeister sei beschimpft und beworfen worden.

Diese Perspektive besteht im Streit unter Nachbarn in Kassel

Eine Lösung hat sich nun dank neuer Umstände ergeben: Wegen finanzieller Schwierigkeiten wurde der Vermieter der Frau vom Amtsgericht Kassel unter Zwangsverwaltung gestellt. Das bestätigt Rechtsanwalt Harald Geyer (Witzenhausen), der im November als Zwangsverwalter eingesetzt wurde.

Blutbad am Hauseingang: So sah es nach einem Vorfall im Februar mehrere Tage aus.

Die Beschwerden aus dem Haus seien sofort an ihn herangetragen worden, berichtet Geyer. Für die Hausgemeinschaft sei die Situation „unzumutbar“. Der Anwalt hat inzwischen einen Mietaufhebungsvertrag mit der strittigen Bewohnerin aufgesetzt. Sie habe dem Auszug zum 31. März zugestimmt.

Man sei erleichtert, dass nun ein Ende in Sicht sei, sagen die Bewohnerinnen im Haus. Noch sei aber keine Entspannung angesagt. Ihre Nachbarin habe bereits angekündigt, noch eine „Abrissparty“ zu feiern. Nun zählen die beiden Frauen die Tage bis zum 1. April. Dann soll das Schloss ausgetauscht werden.

Streit unter Nachbarn in Kassel: Das rät die Polizei Mietern und Vermietern

Die Kasseler Polizei bestätigt, dass sie wegen Ruhestörung und Streitigkeiten in den vergangenen Monaten wiederholt in das Haus am Struthbachweg in Kassel gerufen worden sei. Es sei kein Einzelfall, dass es gerade mit psychisch oder suchtkranken Menschen zu problematischen Konstellationen in Wohnhäusern komme, sagte ein Sprecher.

Grundsätzlich gelte: „Wir als Polizei können aufgrund unserer Zuständigkeit nur in der aktuellen Situation Abhilfe schaffen und gegen akuten ruhestörenden Lärm im Rahmen der Gefahrenabwehr einschreiten.“ Für andauernde Probleme seien der Vermieter oder das Ordnungsamt die Ansprechstellen.

Unter normalen Umständen appelliere man bei Ruhestörung durch Nachbarn an die Menschen, zunächst selbst miteinander zu reden und die Polizei erst zu rufen, wenn dies nicht helfe. Wenn ein Ansprechen des Nachbarn nicht möglich sei, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, sollte man aber direkt die 110 rufen.

Streit unter Nachbarn in Kassel: Das sagt der Mieterbund

Probleme unter Nachbarn wegen Lärm, Dreck oder Müll landeten regelmäßig beim Mieterbund, sagt dessen Geschäftsführer Maximilian Malirsch. Manchmal gebe es auch überempfindliche Mieter, die sich selbst durch normale Wohngeräusche wie Stühlerücken gestört fühlen. Aber gerade, wenn mehrere Bewohner sich beschwerten, weise das auf problematisches Verhalten einzelner Mieter hin.

Der Fall aus dem Struthbachweg in Kassel sei dabei offensichtlich „ein Extremfall“, so Malirsch. Bei anhaltenden Problemen mit Nachbarn sollten sich Betroffene an den eigenen Vermieter wenden. Dieser sei über die Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) auch mit dem Vermieter des Nachbarn verbunden. Wenn dessen Mieter regelmäßig für Lärm oder andere Probleme im Haus sorge, sei das ein Kündigungsgrund.

Streit unter Mietern: Wohnungseigentümerschaft rät zur Kündigung des strittigen Mieters

Die WEG könne den Vermieter auffordern, dem strittigen Mieter zu kündigen. Wichtig sei für Betroffene, möglichst detailliert zu schildern, wann und in welchem Ausmaß es zu Störungen gekommen ist. Dafür empfehle es sich, ein Lärm- oder Störungsprotokoll zu führen.

Zudem sollte man sich aktiv als Zeuge anbieten, falls es zu einem Kündigungsprozess vor Gericht komme. Wenn der eigene Vermieter nicht tätig werde, solle man ihm eine Frist setzen und eine Mietminderung vornehmen, um den Druck zu erhöhen, so Malirsch. Dazu sei man berechtigt, wenn durch anhaltende Störungen die Nutzung der eigenen Wohnung stark beeinträchtigt sei.

Von Katja Rudolph

Auch in der Goetheanlage in Kassel gibt es immer wieder Probleme: Müll wird auf den Wiesen verteilt, berichtet hna.de*.

Probleme gibt es ebenfalls immer wieder in Kassels Stadtteil Oberzwehren. Dort wurde ein Toter in der Brückenhofsiedlung gefunden, berichtet hna.de*.

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digita-Redaktionsnetzwerks

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