Der Streit um die Eissporthalle im Überblick

Monatelang wurde um die Zukunft der Kasseler Eissporthalle gestritten. In diesem Artikel fassen wir den Ablauf der schwierigen Verhandlungen zwischen Halleneigentümer Simon Kimm und Huskies-Eigner Dennis Rossing zusammen.

Am 22. April 2013 erklärt Simon Kimm, dass ein neuer Mietvertrag von beiden Seiten unterschrieben wurde. Da der Vertrag zwar unbefristet, aber jährlich zu kündigen ist, fürchten viele, dass die Diskussion um die Zukunft des Kasseler Eishockeys noch nicht endgültig abgeschlossen ist.

Husky-Fans bangen um Zukunft der Eishalle

Die Kasseler Eissporthallen-Betriebsgesellschaft KEBG überweist Mitte Januar 2013 die ausstehenden Mieten für Dezember und Januar an Halleneigner Simon Kimm.

Obwohl sich bezüglich der Modernisierung des Salzmann-Areals eine Einigung zwischen der Stadt Kassel und Rossing abzeichnet, sieht Rossing - entgegen einer Zusage aus dem Jahr 2011 - nicht vor, die Eishalle auszubauen. Das Bauamt hat aber noch keine Baugenehmigung erteilt. Es fehlen Unterlagen für den Bauantrag, weshalb die Realisierung von Rossings Projekt weiter verzögert wird.

Eine Gruppe des Huskies-Beirats um den Baunataler Unternehmer Bernd Vogel (geo-Fennel) sowie den Unternehmensberater Edmund Schlummer (früher Bombardier) macht Hallenbesitzer Kimm Ende Januar ein neues Angebot zur weiteren Nutzung der Halle. Da die Interessenten den von Kimm geforderten Kaufpreis von 5 Millionen Euro jedoch für zu hoch halten, streben sie zunächst ein Mietverhältnis an. Auch Dennis Rossing kündigt an, erneut mit Kimm verhandeln zu wollen.

Da Simon Kimm jedoch nicht auf die Anfrage von Vogel und Schlummer reagiert, ziehen die Interessenten ihr Angebot zurück.

Rossing und Kimm verhandeln Mitte März über einen neuen Mietvertrag, welcher jedoch zunächst nicht unterzeichnet wird. Die Verhandlungen gestalten sich jedoch schwierig und werden auf Mitte April verlegt.

Am 17.04. erklärt KEBG-Geschäftsführer Stefan Traut, dass der neue Mietvertrag zwischen den Eissporthallen-Eigentümern Kimm und der Kasseler Eissporthallen-Betriebsgesellschaft (KEBG) kurz vor der Unterzeichnung steht.

Die finanzielle Situation der KEBG bleibt kritisch

Im Dezember 2012 schalten die Städtischen Werke in der Eishalle den Strom ab, da die Betriebsgesellschaft mit Zahlungen im Rückstand ist. Außerdem wird zu Beginn eines Spiels ein Teil der Einnahmen gepfändet. Der Grund: Die KEBG schuldet auch einem ehemaligen Spieler Geld.

Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Turbulenzen der KEBG bietet Kimm an, die Eissporthalle notfalls auch wieder selbst zu betreiben, um den Erhalt des Kasseler Eishockeys zu sichern.

Eine Beruhigung der Situation tritt ein als die Stadt Kassel und Rossing den Mietvertrag für das Technische Rathaus auf dem Salzmann-Areal ausgehandelt haben. Rossingt erklärt sich nun bereit, auch die ausstehende Sponsorensumme bei den Huskies zu begleichen.

Da die Zukunft der Eishalle jedoch auch weiterhin unsicher erscheint, fordern Husky-Fans in einem offenen Brief eine schnelle Einigung. Um den Ernst der Lage zu verdeutlichen, verlässt ein Teil der Zuschauer beim folgenden Spiel zum ersten Bully stumm die Plätze und die Halle für exakt 12:05 Minuten Spielzeit (es ist 5 nach 12!).

Video: Protestaktion der Fans: Kassel Huskies spielten 12 Minuten vor leeren Rängen

Der Kauf platzt

Die Fans sind besorgt über die ungewisse Zukunft der Eishalle und der Huskies. Sie fordern von den Verantwortlichen, bald zu einer Einigung zu kommen.

Am 30.10.2012 kündigt Kimm der Kasseler Eissporthalle Betriebsgesellschaft (KEBG) fristgerecht den Mietvertrag zum 30.04.2013. Damit können die Eishockey-Profis zumindest die Saison 2012/2013 noch zu Ende spielen.

Video: Kimm kündigt KEBG Mietvertrag für Eissporthalle - Ein Interview

Oberbürgermeister Bertram Hilgen ist bemüht, zwischen Kimm und Rossing zu vermitteln. Wegen zu hoher Schulden wird die Stadt die Eissporthalle jedoch nicht kaufen.

Da sich Rossing nicht mit Eigentümer Simon Kimm über die Frage einigen kann, wann der Kaufpreis in Höhe von fünf Millionen Euro gezahlt werden muss, gibt er am 31.08.2012 bekannt, dass er die Kasseler Eissporthalle nicht kaufen wird. Rossing und Kimm hatten einen Vertrag, welcher vorsah, dass Rossing die Halle zum 1. September für fünf Millionen Euro kauft. Entgegen der Absprache wollte Rossing den Kaufpreis aber über zehn Jahre in Raten bezahlen - das lehnt Kimm ab. Eigentlich wollte Rossing eine Multifunktionshalle auf dem Salzmanngelände bauen. Dafür hätte es Zuschüsse gegeben, von der EU und über den Denkmalschutz. Für die Sanierung der Eishalle bekommt er keine Zuschüsse. Deshalb muss er seine Finanzierung anders planen.

Rossing plant, die Kasseler Eishalle zu kaufen

Rossing sieht vor, zum Frühjahr 2011 die Eishalle von Eigentümer Simon Kimm zu kaufen und zur Multihalle auszubauen. Gleichzeitig soll auf dem Gelände der Salzmannfabrik ein technisches Rathaus, statt der zunächst geplanten Nordhessen-Arena entstehen.

Die Entscheidung, ob er die Eissporthalle tatsächlich kauft, macht Rossing von der Stadt Kassel abhängig. Oberbürgermeister Bertram Hilgen spricht sich dafür aus, den Umbau der alten Kasseler Eishalle zu einer Veranstaltungsarena soll mit städtischem Geld zu fördern. Außerdem soll das denkmalgeschützte Salzmann-Gebäude nach einer Sanierung zur Hälfte von städtischen Ämtern gemietet werden.

Hintergrund

Im Frühjahr 2010 wird Rossing Geschäftsführer der Huskies und rettet den Eishockey-Club zunächst vor der Insolvenz. Die finanzielle Situation des Teams bleibt jedoch weiterhin kritisch, sodass die Pleite des Profi-Vereins nicht verhindert werden kann.

Rossing hat die Eishalle von Eigentümer Simon Kimm gemietet. Im Mietvertrag enthalten ist eine Kaufoption. Von dieser will Rossing im Herbst 2010 Gebrauch machen. Dem steht jedoch ein formales Hindernis im Weg: Zunächst muss der Mietvertrag aufgelöst werden, den die insolvente Huskies-Sportmanagement-GmbH, vertreten durch Insolvenzverwalter Dr. Franz-Ludwig Danko, mit Dennis Rossing als Eishallen-Pächter abgeschlossen hatte.

Nach langen Verhandlungen wird Stefan Traut im Oktober 2010 neuer Betreiber der Kasseler Eissporthalle. Traut ist überzeugt, die Halle wirtschaftlich betreiben zu können. Dazu reichen aber acht Heimspiele der jungen Huskies in der Hessenliga nicht aus. Daher will Traut nun mit einem Kasseler Veranstalter sprechen, wie man zum Beispiel mehr Konzerte in die Halle bekommt. Der öffentliche Eislauf bleibt erhalten.

Zu den Personen

Simon Kimm ist Leiter der Kasseler Sportstätten GmbH und Eigentümer der Kasseler Eissporthalle.

Simon Kimms Wirken in Kassel und bei den Huskies

Simon Kimms Wirken in Kassel und bei den Huskies

Dennis Rossingführt gemeinsam mit seinem Bruder Walter die Rosco-Unternehmensgruppe in Bad Hersfeld. Der Kaufmann ist spezialisiert auf die Entwicklung, den Bau und den Betrieb von großflächigen Einkaufszentren und Bürogebäuden. Seit 2010 ist Rossing Eigner der Kassel-Huskies.

Stefan Traut arbeitet auch für die Rosco-Gruppe, hinter der Dennis Rossing und sein Bruder Walter stehen, und ist als Immobilienkaufmann für die Vermietung des Salzmann-Komplexes zuständig. Traut ist Geschäftsführer der KEBG.

Bilder der Eissporthalle

Bilder der Eissporthalle

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