Städtische Werke wollen bis 2020 unabhängig von Stromzukauf werden

Der Streitfall Vattenfall

Eva Koch

Kassel. Als Betreiber von Atomkraftwerken halten die Kasseler Grünen den Energiekonzern Vattenfall nicht für einen geeigneten Stromlieferanten für die Städtischen Werke. Es sei zu hoffen, dass sich der Kasseler Versorger möglichst bald von dem Konzern lossagt, sagte die Parteivorsitzende Eva Koch in einer Pressemitteilung.

„Zum Glück ist es uns in der vergangenen Wahlperiode gelungen, den Verkauf der Städtischen Werke an Vattenfall zu verhindern“, sagte Koch. Ziel müsse es nun sein, „dass die Städtischen Werke Kassel als regionaler Anbieter keinen Strom mehr von Firmen wie Vattenfall beziehen, die auch Atomkraftwerke betreiben.“

Zwar sei der Naturstrom der Städtischen Werke entsprechend zertifiziert. Aber nach Meinung der Grünen müsse der Ökostrom möglich hochwertig sein, der im Idealfall aus „Wind- und Wasserkraftwerken, Kraft-Wärme-Kopplung oder Fotovoltaiknutzung stammt“. Bei ihrem Vorhaben, sich von Vattenfall als Lieferanten zu trennen, sagten die Grünen den Städtischen Werken ihre Unterstützung zu.

„Wir beziehen keinen Atomstrom von Vattenfall“, sagte Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke, auf Anfrage. Die Energie für das Naturstrom-Angebot stamme aus dem schwedischen Wasserkraftwerk Porjus, das von Vattenfall betrieben wird. „Das heißt, unsere Tarifkunden erhalten seit Oktober 2007 garantiert atomstromfreie Elektrizität, die Industriekunden Strom, der zum allergrößten Teil in umweltfreundlicher Kraft-Wärme-Kopplung in Kassel erzeugt wird“, sagt Pijanka.

Vertrag über fünf Jahre

Mit Vattenfall sei ein Liefervertrag für Naturstrom über fünf Jahre abgeschlossen worden, der im kommenden Jahr ausläuft. Bei Abschluss 2007 habe es kaum Anbieter gegeben, die so große Mengen hätten liefern können, um eine Stadt wie Kassel mit 200 000 Einwohnern zu versorgen.

Die Umstellung auf Naturstrom sei 2007 aber nur der erste Schritt gewesen. Gleichzeitig werde die Eigenproduktion konsequent ausgebaut. „Wir wollen bis 2020 unabhängig vom Stromzukauf sein“, sagt Pijanka. Bis dahin würden restliche Strommengen auf der Energiebörse EEX in Leipzig eingekauft.

Von Vattenfall könnten sich die Städtischen Werke bereits in diesem Jahr lossagen. Man sei zuversichtlich, schon bald TÜV-zertifizierten Naturstrom von anderen Anbietern zu beziehen, sagte Pijanka. (clm) Archivfotos: Koch, Fischer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.