Ab 2013 dürfen nur noch Fachleute die gängigen Mittel verwenden – Gefahr für andere Tiere

EU-Vorgabe: Strengere Regeln für Rattengift

Giftköder: Sie dürfen je nach Wirkstoff ab 2013 nur noch von Fachleuten ausgelegt werden. Foto: dpa

Kassel. Ab Januar 2013 sind die gängigsten Präparate zur Vergiftung von Ratten und anderen Nagetieren nicht mehr frei verkäuflich. Das ist eine Vorgabe der Europäischen Union (EU).

Auch bereits gekaufte Produkte dürfen dann nur noch von ausgebildeten Schädlingsbekämpfern und Menschen mit einem sogenannten Sachkundenachweis ausgelegt werden.

Bei den betroffenen Giften handelt es sich laut Bundesumweltamt um Biozid-Produkte mit den Wirkstoffen Difenacoum und Difethialon. Diese Produkte sorgen dafür, dass die Tiere innerlich verbluten.

„Wird das Gift unsachgemäß ausgelegt, ist es auch eine Gefahr für andere Wild- und Haustiere, im schlimmsten Fall auch für Kinder“, sagt der Kasseler Schädlingsbekämpfer Carsten Roß. Das sieht auch das Bundesumweltministerium so, das die EU-Richtlinie unterstützt. Außerdem sind die Produkte laut Ministerium sehr langlebig und können sich in der Nahrungskette anreichern.

Laut Roß müssen die Biozid-Produkte (biozid = lebenstötend) in geschlossenen und abschließbaren Köderstationen ausgelegt werden. „Werden Köderstationen beispielsweise in Kindergärten aufgestellt, müssen sie zudem vandalismussicher sein“, betont er.

Diese Stationen sind auf die Biologie der Tiere ausgelegt. Die natürlichen Feinde von Ratten sind beispielsweise Greifvögel. „Deshalb nehmen Ratten ihre Nahrung nur in rundum geschützter Umgebung auf“, sagt er. Dies wisse der Laie in der Regel nicht. Außerdem sei es wichtig, der Ursache eines Rattenbefalls auf den Grund zu gehen.

Häufig liegt die Ursache in unserer eigenen Unachtsamkeit. In großen Wohnanlagen etwa ziehen Roß zufolge im Hof gelagerte gelbe Säcke häufig Ratten an, weil sich darin oft noch Reste von Lebensmitteln befinden.

Die Stadt Kassel empfiehlt, Essensreste weder in der Toilette noch auf Komposthaufen zu entsorgen. Auch Vogelfutter solle nicht in größeren Mengen, als von den Vögeln aufgenommen werden könne, ausgestreut werden. Im öffentlichen Raum gelte in Kassel ein Taubenfütterungsverbot. Aus der Kanalisation und aus Bachläufen ziehe es Ratten überall dorthin, wo sie verwertbare Nahrung finden könnten.

Da Ratten überwiegend im Verborgenen leben, kann nur die sichtbare Population beobachtet werden. Laut Stadt ist derzeit keine Vermehrung der sichtbaren Population zu verzeichnen. (mkx)

www.biozid.info

Von Mirko Konrad

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