1. Startseite
  2. Kassel

Stroh hat Zukunft am Bau: Stadt Kassel sieht Potenziale

Erstellt:

Von: Bastian Ludwig

Kommentare

Werben für Baustroh: Der Architekt Ulrich Bräuning (links) aus Grebenstein und Joachim Polleschner vom Vorstand des Kasseler Kinderbauernhofes.
Werben für Baustroh: Der Architekt Ulrich Bräuning (links) aus Grebenstein und Joachim Polleschner vom Vorstand des Kasseler Kinderbauernhofes. © Bastian Ludwig

Im Harleshäuser Neubaugebiet Zum Feldlager entstehen derzeit die ersten Mehrfamilienhäuser in Hessen aus Strohballen (HNA berichtete). Die Stadt Kassel steht dem Strohballenbau offen gegenüber und sieht Potenziale.

Kassel - „Wir sind immer bereit, nachhaltige und potenziell zukunftsweisende Materialien zu erproben“ sagt Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Gute Erfahrungen mit dem Baustoff hat unterdessen der Kinderbauernhof im Wesertor gesammelt, der vor zehn Jahren aus Strohballen gebaut wurde.

Noch ist der Strohballenbau in der Nische und wird häufig nur für Einfamilienhäuser eingesetzt. „Einzelprojekte zeigen aber auf, dass auch ein Potenzial über Einfamilienhäuser hinaus besteht“, sagt Nolda. Zwar plane die Stadt selbst derzeit keine eigenen Projekte aus Stroh, aber es lägen der Bauaufsicht Anfragen privater Bauherrinnen und Bauherren vor.

Zu Letzteren zählt die Genossenschaft „Kassel im Wandel“, die im Harleshäuser Neubaugebiet aktuell ein Haus mit 16 Wohnungen erstellt, dessen Staffelgeschoss mit 250 Strohballen gedämmt ist. Auf dem Nachbargrundstück will die Genossenschaft ab 2023 zwei weitere Häuser komplett – vom Sockel bis unter das Dach – in Strohballentechnik bauen lassen.

Joachim Polleschner vom Vorstand des Kinderbauernhofes freut sich über die Entwicklung. Beim Bau des Bauernhofes hatten er und seine Mitstreiter seinerzeit voll auf Strohballen gesetzt. 800 Ballen waren in die Gefache des Holzständerhauses gepresst worden. Sowohl Wände wie Dach wurden auf diese Weise gedämmt und anschließend mit Lehmputz versehen. Nur der Sockel ist aus Beton. Auch weil das Gebäude im Hochwassergebiet steht, sei dies erforderlich gewesen.

Vieles wurde in Eigenleistung erledigt, wodurch auch die Kosten im Vergleich zu einem herkömmlichen Bauwerk nicht höher waren.

Zehn Jahre später gibt es aus Sicht der Bauherren nichts am Bauwerk zu beanstanden. Im Gegenteil. Polleschner schwärmt vom Raumklima. Sowohl im Winter wie im Sommer habe das Stroh eine gute Dämmwirkung. Mit Feuchtigkeit oder Ungeziefer gebe es keine Probleme.

Ulrich Bräuning, Architekt des Kinderbauernhofes, hat viele Erfahrungen mit dem sogenannten Baustroh. Es sei ein zukunftsweisender Baustoff, nachhaltig und lokal verfügbar. „Langen Lieferwege fallen weg“, sagt Bräuning. Leider trauten sich viele Bauherren dennoch nicht an den Baustoff heran. In Frankreich sei Baustroh deutlich etablierter.

Bräuning und Polleschner würden sich wünschen, wenn auch die Stadt bei ihren Projekten auf das Stroh setzen würde. „Ein Kita-Anbau ließe sich so sicher realisieren“, sagt Bräuning. Andere Kommunen hätten ähnliche Bauprojekte bereits umgesetzt.

Gerne stehen Bräuning und Polleschner als Experten interessierten Bauherren zur Verfügung. Auch Dennis Rossing, Eigentümer der Salzmannfabrik, habe sich vor einiger Zeit bei ihnen zu dem alternativen Dämmstoff informiert. (Bastian Ludwig)

Auch interessant

Kommentare