FI-Technik muss offenbar nicht immer auslösen

Stromschlag in der Badewanne: Schutzschalter schützte nicht

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Trauer um die Geschwister: Vor der Haustür wurden Kerzen aufgestellt.

Kassel. Der Tod der beiden Geschwister in der Wohnung ihres Vaters in Rothenditmold gibt immer noch Rätsel auf. Der sechsjährige Junge und seine vierjährige Schwester hatten am Sonntagmittag in der Badewanne einen Stromschlag bekommen, als der Vater für 20 Minuten die Wohnung verlassen hatte.

Laut Staatsanwaltschaft sollen die Kinder einen Rasierapparat, der an einem Ladegerät hing, in die Wanne gezogen haben.

Es kam die Frage auf, warum der FI-Schutzschalter, der im Jahr 2011 in das Bad eingebaut worden war, das Unglück nicht verhindert hat. Diese Frage ist immer noch nicht abschließend geklärt. Auf Nachfrage der HNA erklärte Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, der Vorgang sei am Montagnachmittag in dem Badezimmer an der Hersfelder Straße nachgestellt worden. Beim ersten Versuch sei der Rasierer, der an das Ladegerät angeschlossen war, in die Wanne geworfen worden. Der FI-Schutzschalter habe nicht ausgelöst.

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Dann hätten die Ermittler den Stecker aus der Steckdose gezogen und andersherum wieder reingesteckt. Daraufhin sei der Rasierer wieder in die gefüllte Wanne geworfen worden. Beim zweiten Mal habe der FI-Schalter dann ausgelöst. Das bedeutet: Im ersten Fall ist der Strom durch den FI-Schutzschalter nicht abgeschaltet worden, beim zweiten Versuch schon. „So etwas kann nach Aussagen von Experten vorkommen“, sagt Wied.

Es seien zudem keine Mängel an der Installation in der Wohnung der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Kassel (GWG) festgestellt worden. Man müsse jetzt das endgültige Gutachten der Sachverständigen abwarten, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Dazu rät auch Wolfgang Dünkel, Sprecher des Verbands der Elektrotechnik (VDE) Kassel. „Man darf hier keine Spekulationen anstellen.“ Dünkel schließt allerdings aus, dass der FI-Schutzschalter falsch angeschlossen worden ist. Wenn dies der Fall gewesen sei, dann würde er gar nicht funktionieren.

Diese Meinung vertritt auch Uwe Brückmann, stellvertretender Obermeister der Elektroinnung Kassel. „Wenn ein FI-Schalter falsch angeschlossen wird, dann funktioniert er nicht.“ Es passiere sehr selten, aber könne vorkommen, dass ein FI-Schalter bei ein und demselben Gerät unterschiedlich reagiere, wenn der Stecker andersherum in die Steckdose eingeführt würde. „Das hängt auch von dem Gerät und der Örtlichkeit ab“, sagt Brückmann.

Der Fehlerstrom (das ist der Strom, der auf unerlaubtem Weg fließt) eines Geräts hänge auch davon ab, wierum ein Stecker in die Steckdose gedrückt werde. Der Experte warnt davor zu glauben, dass FI-Schutzschalter generell vor Stromschlägen schützen würden. Das sagt auch Ingenieur Dünkel: „Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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