Systematische Befragung

Studenten geben Uni Kassel bessere Noten als je zuvor

Kassel. Die Uni Kassel entwickelt sich zum Musterschüler: Bei einer systematischen Befragung von Bachelor-Studenten hat die Hochschule jetzt so gute Noten wie noch nie bekommen.

Mehr als die Hälfte der befragten Bachelor-Studenten (55 Prozent) zeigte sich „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ mit dem Studium. Nur zwölf Prozent äußerten sich „unzufrieden“ oder „sehr unzufrieden“.

Noch vor fünf Jahren - kurz nach der Einführung der neuen Bachelor-Studiengänge - war lediglich ein Viertel der Studenten zufrieden mit den Studienbedingungen. Es ist bereits das dritte Mal, dass die Uni ihre Bachelor-Studierenden in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Zentrum für Hochschulforschung (INCHER Kassel) befragt.

Die Ergebnisse zeigen einen klaren Trend: Waren 2010 noch die meisten Studenten neutral (41 Prozent) oder unzufrieden (30 Prozent) gegenüber der Uni eingestellt, verschob sich das Gewicht bereits 2013 zum Positiven. Damals waren bereits 49 Prozent der Studenten zufrieden und nur noch 15 Prozent unzufrieden.

Bei der Befragung in diesem Jahr, an der sich rund 2100 Studenten beteiligten, fiel das Ergebnis nochmals besser aus. Besonders gut bewerteten die Studenten den Zugang zu Pflichtlehrveranstaltungen (2,2 auf einer Notenskala von 1 bis 5), die Zusammenarbeit mit Kommilitonen (2,3) sowie die Verfügbarkeit von Literatur und die inhaltliche Abstimmung einzelner Kurse aufeinander (je 2,4). Eine deutliche Verbesserung gab es bei der Bewertung der Teilnehmerzahl in Veranstaltungen (von 3,5 in der ersten Befragung auf jetzt 2,9). Das Problem überfüllter Vorlesungen und Seminare scheint sich also gebessert zu haben. Negativ bewertet wurde das Raumangebot zum Lernen und für Gruppenarbeit (3,6).

Das Verhältnis von Studenten und Dozenten scheint an der Uni Kassel gut zu sein: Drei Viertel der Befragten finden die Lehrenden freundlich. 65 Prozent der Dozenten sind aus Sicht der Studenten gut darin, die Inhalte zu vermitteln. Auffällig ist der sinkende Anteil von Studenten, die glauben, dass sie ihren Abschluss in der Regelstudienzeit schaffen. Die Quote ist innerhalb von fünf Jahren von 36 auf 26 Prozent gesunken. Tatsächlich schafften zuletzt lediglich 32 Prozent ihr Studium in der Regelzeit. Langzeitstudenten sind die Ausnahme: Rund 79 Prozent der Studenten brauchen maximal zwei Semester länger als vorgesehen.

KURZ-INTERVIEW

Über die Bachelor-Befragung sprachen wir mit Vizepräsident Prof. Dr. Andreas Hänlein, der im Uni-Präsidium für den Bereich Studium und Lehre zuständig ist.

Herr Prof. Hänlein, wie bewerten Sie die Ergebnisse der Bachelor-Befragung? 

Andreas Hänlein: Ich bin darüber sehr erfreut. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bemühungen, die die ganze Universität in den vergangenen Jahren unternommen hat, sich gelohnt haben. So haben wir zum Beispiel das Lehrpersonal verstärkt und in die Infrastruktur - Seminarräume und IT - investiert. Dass uns diese Verbesserungen trotz der stark steigenden Studierendenzahlen gelungen sind, ist nicht selbstverständlich. Zugleich ist die positive Entwicklung seit 2010 ein Beleg dafür, dass wir die Umstellung der Studiengänge auf das Bachelor- und Master-System inzwischen gut bewältigt haben. Wir haben an einigen Stellen gezielt nachjustiert, beispielsweise die anfangs enorm hohe Zahl der Prüfungen pro Semester reduziert. Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf? Hänlein: Ein Punkt, der deutlich auffällt, sind die nicht ausreichenden Räume für Selbststudium und Gruppenarbeit. Durch den derzeitigen Umbau der Bibliothek, wo viele Arbeitsplätze wegfallen, wird sich das vorübergehend noch verschärfen. Nach dem Umbau und der Fertigstellung des neuen Selbstlernzentrums sieht es dann aber besser aus. In der Zwischenzeit bieten wir beispielsweise nachmittags die Mensa als Lernort an.

Immer mehr Studenten gehen davon aus, das Studium nicht in der Regelzeit abzuschließen. Ist das nicht bedenklich? 

Hänlein: Ich glaube, dass diese Entwicklung auch zeigt, dass die Studierenden sich an das neue System gewöhnt haben und nicht mehr so viel Angst davor haben, die Regelstudienzeit womöglich zu überschreiten. Natürlich wollen wir gewährleisten, dass man in der Regelstudienzeit studieren kann. Aber solange Studierende nur ein oder zwei Semester länger brauchen, halte ich das für den Einzelnen nicht für dramatisch. In jedem Fall wird seit Einführung des Bachelor-Systems straffer studiert als früher.

Die Befragung bildet ja nur die Entwicklung in Kassel ab, erlaubt aber keinen Vergleich zu anderen Hochschulen. Wie aussagekräftig ist das gute Ergebnis da überhaupt? 

Hänlein: Wir können daran natürlich nicht sehen, ob wir tausendmal besser sind als Frankfurt. Aber wir können eine Aussage treffen, wie sich die Studienbedingungen an unserer Hochschule entwickeln und auch Einzelprobleme identifizieren, um gezielt nachzusteuern. Natürlich interessiert uns auch, wie wir im Vergleich zu anderen Universitäten dastehen. Deshalb halten wir auch eine Beteiligung am CHE-Hochschulranking für sinnvoll.

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