Architekturstudenten planen das Parkhaus Garde-du-Corps-Platz neu

Original und Neuplanung: Die Studentinnen Maren Becker (links) und Kim Nguyen setzen ihr Modell in eine Miniatur der Umgebung des Parkhauses ein. So können sie die Wirkung besser begutachten. Das Bild rechts zeigt das echte Parkhaus Garde-du-Corps-Platz. Fotos: Janz/Herzog

Kassel. Opernhäuser, Parlamente, Luxushotels – es gibt viele Prestigebauten, an denen sich angehende Architekten abarbeiten können. Bodenständiger ist das Gebäude, das die Studenten eines Seminars an der Uni Kassel planen. Sie entwerfen das Parkhaus Garde-du-Corps-Platz neu.

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„Carchitecture“, eine Verballhornung der englischen Worte für Auto und Architektur, heißt das Seminar am Fachgebiet Entwerfen und Gebäudelehre. 20 Studenten setzen sich ein Semester lang mit Funktionen und Vorgaben für Parkhausbauten auseinander und planen ihren eigenen Entwurf.

Ihre einzige Vorgabe: 300 Parkplätze plus X. „Das können zusätzliche Parkplätze sein, aber auch eine besondere Gestaltung“, sagt Ingenieur Sebastian Blecher, der das Seminar mit Architekt Marc Matzken leitet. Während die einen Studenten Geschäfte einbauen, sehen andere Terrassen mit Bäumen vor.

Sebastian Blecher

Ein Modell setzt ganz auf viel Platz mit großzügigen Auffahrten und hohen Decken. Das Gegenteil des Originals in der Innenstadt. Das hat beim ADAC-Parkhaustest im Dezember den vorletzten Platz belegt. Die Kritikpunkte: enge Rampen und mangelnde Barrierefreiheit.

Bei ihren neuen Entwürfen müssen die Studenten das alles beachten: Parkplatzgröße, Fluchtwege, Baumaterialien, Wendekreise – das engt ihre kreativen Möglichkeiten ein. Aber: „Nur wer um die Regeln weiß, kann auch mit ihnen spielen“, sagt Blecher.

Parkhäuser seien ein notwendiges Übel, erklärt Matzken: „Die Frage ist, wie man dieses Übel so gestaltet, dass es sich ansehnlich in die Stadt einfügt.“ Vermutlich haben sich deshalb fast alle Studenten gleich an einen Neuentwurf des Parkhauses gemacht. Nur zwei nehmen das bestehende Parkhaus mit seiner Waschbetonfassade als Ausgangspunkt.

Marc Matzken

Für realitätsfremde Spinnereien ist das Seminar aber nicht gedacht. Auch wenn die Entwürfe nur eine akademische Übung sind, spielen Machbarkeit und Kosten eine Rolle, sagt Blecher: „Wir sind hier schon sehr geerdet.“

Alle Studenten des Fachbereichs Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung präsentieren ihre Semesterarbeiten von Dienstag bis Donnerstag, 7. bis 9. Februar, im Gebäude K10. Das Seminar „Carchitecture“ stellt die Parkhausmodelle am Dienstag ab 16 Uhr in Raum 1125 vor.

Von Marcus Janz

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