Angehende Architekten beleben zum Rundgang am Dienstag drei Standorte

Kasseler Studenten widmen sich Kiosk-Kultur

Denkmalgeschützt und bis heute erhalten: Der Kiosk zwischen Kulturbahnhof und Hotel Reiss, der beim Rundgang bespielt wird, war früher deutlich stärker frequentiert. Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1954.
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Denkmalgeschützt und bis heute erhalten: Der Kiosk zwischen Kulturbahnhof und Hotel Reiss, der beim Rundgang bespielt wird, war früher deutlich stärker frequentiert. Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1954.

Schnell ein Bier holen, eine Zeitung oder den Lottoschein: Kioske werden aus unterschiedlichen Gründen angesteuert. Früher spielten sie als Trinkhallen und Wasserhäuschen eine wichtige Funktion für die Versorgung der Fabrikarbeiter. Kasseler Studierende des Fachbereichs Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung (ASL) haben sich der Historie und Rolle des Kiosks gewidmet.

Kassel - Beim ASL-Rundgang am Dienstag, 13. Juli, lassen die Studierenden drei Kioske neu aufleben.

Die Idee entstand in einem Seminar, das sich der Konversion widmete, sprich der Umnutzung von Gebäuden und Flächen. Dabei ging es anlässlich des 50-jährigen Hochschulbestehens vor allem um die Kasseler Uni selbst. Denn am heutigen Uni-Standort Holländischer Platz waren früher die Firmen Henschel und Gottschalk ansässig.

„Bei der Recherche sind wir auf ein altes Foto gestoßen. Es zeigt einen Kiosk vor der Henschel-Fabrik, nahe des Gebäudes K10“, sagt Prof. Harald Kegler, der das Seminar leitet. Als Knotenpunkte zwischen Industrie, Stadt und Wohnen seien Kioske ein gutes Thema, um die Geschichte der Konversion deutlich zu machen. Es gebe in Deutschland eine reiche Kiosk-Kultur, die im Ruhrgebiet am ausgeprägtesten sei. „Aber auch Kassel war und ist noch reich an Kiosken“, so Kegler.

Hier wird diskutiert: Der Goethe-Pavillon war bis zum Umbau 2013 ein richtiger Kiosk. Archiv

So machten sich die Studierenden mit dem Professor für Städtebau und Planungsgeschichte auf Spurensuche in der Stadt. Sie stießen auf unterschiedliche Typen von Kiosken. Es gab die typischen Trinkhallen in unmittelbarer Nähe zu Großbetrieben, wie etwa Henschel, wo sich die Arbeiter mit Wasser, Limonaden aber auch Bier versorgten. Zudem siedelten sich an Bahnhöfen und Haltestellen Kioske an, wo die Menschen auf dem Arbeitsweg vorbeischauten und kommunizierten. Weiterhin entstanden auch zahlreiche Kioske für den Freizeitbereich. So gab es bis vor wenigen Jahren einen Kiosk in der Goetheanlage.

Kiosk am Henschelgelände: Das Foto entstand am Henschel-Verwaltungsgebäude K10.

Beim ASL-Rundgang am Dienstag von 12 bis 18 Uhr werden die Studierenden jeweils einen Kiosk aus diesen drei Kategorien neu beleben. So wird am K10 an die ehemalige Trinkhalle erinnert. Dies ist Teil einer Ausstellung, die über die Industrie- und Hochschulgeschichte sowie die Konversion informiert. Am Kiosk zwischen Kulturbahnhof und Hotel Reiss wird ein Überblick über den historischen Wandel und die Entwicklung des Kiosks gegeben. „Früher war die Currywurst dessen Signet, heute trifft man sich dort auch zu Kaffee oder Wein“, sagt Kegler.

Am Goethe-Pavillon in der Goetheanlage wollen die Studierenden mit Interessierten über Perspektiven des Kioskes sprechen. „Den Kiosk an der Goetheanlage neu zu beleben, wäre ein neuer Impuls“, sagt Kegler. Mit dem Ortsbeirat und dem Verein Kassel-West gebe es bereits erste Gespräche dazu. „Unser Ziel ist es, das bis 2023 hinzubekommen. Da feiert der Fachbereich ASL 50-jähriges Bestehen“, sagt Kegler. (Bastian Ludwig)

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