Studie besagt: Sieben von zehn Grundschülern sitzen täglich am Rechner

Nicht ohne meinen Computer: Sogar für kleine Kinder - auf unserem Foto ist es ein Junge in Berlin - gehört der Umgang mit elektronischen Medien zum Alltag. Häufig lauert dabei Suchtgefahr. Archivfoto: dpa

Kassel. Computer und Internet sind bei Grundschulkindern auf dem Vormarsch: Bereits sieben von zehn Grundschülern sitzen täglich am Rechner. Jedes fünfte Kind im Alter zwischen sechs und elf chattet täglich eine Stunde.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK).

Die gesundheitlichen Gefahren für kleine Kinder liegen dabei für den Kasseler Kinderarzt Alfons Fleer auf der Hand: schädlicher Bewegungsmangel. Er führe häufig zu Übergewicht, aber auch anderen Schäden. Wenn beispielsweise die Augen zu lange starr auf den Bildschirm fixiert sind, könnten sie durch mangelnden Lidschlag austrocknen.

Zudem sei die Suchtgefahr nicht zu unterschätzen. Kinder könnten verlernen, ihre Umwelt und den eigenen Körper mit allen Sinnen wahrzunehmen. Die Folge: Realitätsverlust. Obwohl Kinder „selbstverständlich an den Umgang mit dem PC als alltägliches Erfordernis“ herangeführt werden müssten, warnt Fleer die Eltern. Er rät: Kein PC im Vorschulalter. Später müsse für Kinder die Zeit am Computer auf längstens eine Stunde am Tag begrenzt werden. Wenn das Internet genutzt wird, sollten die Erziehungsberechtigten den Verlauf der angewählten Internetseiten überprüfen. „Die meisten Jugendlichen haben mit 14 schon harte Pornos im Internet gesehen“, sagt Fleer.

Nicht verteufeln

Gegen eine Verteufelung von Computernutzung im Grundschulalter ist Falk Holzenburg, Lehrer an der Schule Jungfernkopf und Medienberater beim Staatlichen Schulamt. Den PC könnten auch Schüler schon gefahrlos als Arbeits- und Kommunikationswerkzeug nutzen, sagt er. Der Pädagoge ist jedoch davon überzeugt, dass der richtige Umgang erlernt werden muss. Kinder sollten angeleitet werden und in geschützten Räumen üben können. Es müsse jedoch von den Erwachsenen darauf geachtet werden, dass Kinder am Computer nicht vereinsamen.

Auch nach Ansicht von Alexandra Schätzle, Präventionsexpertin bei der TK in Hessen, können Computer für Schulkinder Lernhilfe und Informationsquelle sein. Inhalte und zeitliches Ausmaß der Nutzung müssen jedoch stimmen. „Eine halbe Stunde Computer-Spaß für junge Kinder reicht. Schätzle rät den Eltern dringend, den Medienkonsum ihrer Kinder im Auge zu behalten. Außerdem sollten sie sich die Zeit nehmen, mit dem Kind gemeinsam im Netz zu surfen oder ein Computerspiel zu spielen. Der richtige Umgang mit dem Computer erleichtert nach ihrer Meinung das Lernen. Komplizierte Sachverhalte könnten auf dem Bildschirm anschaulich und leicht verständlich dargestellt werden. Es müsse jedoch immer darauf geachtet werden, dass Kinder auch andere Freizeitaktivitäten haben.

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