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Studie: Kassels Innenstadt hat ihr Image verbessert - doch es bleiben Wünsche offen

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Von: Axel Schwarz

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In Kassel gaben Teilnehmer von Deutschlands größter Innenstadt-Studie ein deutlich besseres Urteil über ihre Stadt ab als in vergangenen Jahren.

Kassel – Kassels Innenstadt hat im Urteil ihrer Besucher und Nutzer merklich ihr Image verbessert und hält in dieser Hinsicht auch einem Vergleich mit ähnlich großen deutschen Städten stand. Das geht aus der jüngsten Untersuchung „Vitale Innenstädte“ hervor, bei der das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) im Zwei-Jahres-Rhythmus bundesweit Stadtbesucher befragt.

Bei der jüngsten Interviewrunde im Herbst 2022 gaben fast 60 Prozent der Befragten an, dass Kassels Zentrum in den letzten Jahren an Anziehungskraft gewonnen habe. Im Durchschnitt vergleichbarer Städte – etwa Lübeck, Bielefeld, Freiburg und Mannheim – sagten das nur rund 37 Prozent der Passanten dort. Bei 39,2 Prozent lag der Durchschnitt aller 111 Städte, in denen die Studie lief.

Auf einer Schulnotenskala erhielt Kassel von den Befragten insgesamt die Attraktivitätsnote 2,5. Das ist eine stetige Verbesserung um jeweils 0,2 Punkte gegenüber den Umfragen 2020 und 2018. Im Vergleich mit letzterem Jahr, in dem die Königsstraße noch nicht fertig umgebaut war und Corona lediglich eine Biermarke, fällt die Image-Verbesserung besonders deutlich ins Auge.

Innenstadt-Studie: Erfreuliche Ergebnisse für Kassel

Für das Angebot der Kasseler Geschäfte und die Vielfalt des Warenangebots gab es durchgehend gute Bewertungen (Schulnoten 1 oder 2) von den Befragten. Bei zehn abgefragten Sortimentsbereichen wurde kaum etwas vermisst. Da könnten sich die Handels-Akteure in der Innenstadt „auf die Schulter klopfen“, sagte Stadtbaurat Christof Nolda bei der Vorstellung der Studienergebnisse, die für Kassel „äußerst erfreulich“ seien.

In etlichen Bereichen, die das Publikum 2018 noch mittelmäßig benotet hatte, hat die Innenstadt bei der jüngsten Befragung jetzt gute Zensuren bekommen. Das trifft etwa zu auf die Sauberkeit und das Sicherheitsempfinden in der Innenstadt, auf das Angebot an Sitz- und Verweilmöglichkeiten und die wahrgenommene Lebhaftigkeit des Treibens in Kassels Zentrum.

Kunden vermissen kaum etwas: Für das Sortiment der Geschäfte in Kassels Zentrum – hier das Einkaufstreiben auf der Oberen Königsstraße – gab es bei der IFH-Studie durchgehend gute Noten.
Kunden vermissen kaum etwas: Für das Sortiment der Geschäfte in Kassels Zentrum – hier das Einkaufstreiben auf der Oberen Königsstraße – gab es bei der IFH-Studie durchgehend gute Noten. © Pia Malmus

Aktuell wird auch die Familienfreundlichkeit gut benotet, ebenso die Situation für Fußgänger und die generelle Autofreundlichkeit Kassels. Demgegenüber wird die Fahrradfreudlichkeit der Innenstadt lediglich mit der Schulnote 3 bewertet. Autobesitzer wiederum urteilen ebenso über das Angebot an Parkmöglichkeiten. Auch was Bebauung und Begrünung angeht, sehen die Befragten noch Luft nach oben.

Wünsche für Kasseler Innenstadt: Gesundheitsangebote, Wohnraum, Orte zum Verweilen

Ganz oben auf ihrer Wunschliste, was Kassels Innenstadt künftig bieten soll, stehen Gesundheitsangebote wie Arzt- und Krankengymnastikpraxen, innerstädtischer Wohnraum sowie Orte zum Verweilen und Freunde treffen. All diese Wünsche wurden in Kassel weit häufiger genannt als in Städten vergleichbarer Größe.

Gegenüber der Befragung 2020 zeigen sich Unterschiede, mit welchem Verkehrsmittel die Besucher in die Innenstadt gekommen sind. Der Anteil jener, die Busse und Bahnen nutzten, ist demnach von gut 42 auf 28 Prozent gesunken, während fast 60 Prozent der Teilnehmer angegeben hat, das eigene Auto zu nehmen – 2020 waren das knapp 38 Prozent.

Dies könne noch eine Auswirkung der Corona-Pandemie sein, heißt es dazu seitens der Stadt: Um Ansteckungsrisiken zu vermeiden, sei wohl vermehrt auf Individualverkehrsmittel ausgewichen worden. Gegen diese Interpretation spricht allerdings, dass der Anteil der Radfahrer gegenüber 2020 ebenfalls merklich kleiner geworden ist.

Kassel: City-Kaufleute freuen sich über positives Urteil

Die Ergebnisse der jüngsten IFH-Studie zeigen nach Einschätzung des Vorsitzenden Alexander Wild von den City-Kaufleuten, „dass unsere City sehr viel attraktiver ist, als sie in so manchen Gesprächen bewertet wird“.

Die aktuelle Gesamteinschätzung der Befragungsteilnehmer tue „einfach sehr gut“; sie sei das Resultat des Einsatzes vieler Menschen, die in den Geschäften, Gastronomien und bei Dienstleistern „jeden Tag dafür ar-beiten, dass unsere Kundinnen und Kunden zufrieden sind.“ Dafür sei ein Dankeschön fällig, sagte Wild und ergänzte: „Die wirklich herausfordernden Zeiten sind eine harte Prüfung für uns alle gewesen, aber jetzt geht es in die richtige Richtung.“

Wild machte auf einen Aspekt der Untersuchung aufmerksam, wonach gut 65 Prozent der Befragten angegeben haben, Kassels Zentrum sei weiterempfehlenswert. Das sind mehr als doppelt so viele Fürsprecher wie in vergleichbar großen Städten, während der Anteil kritischer Stimmen in Kassel nur ein Bruchteil vom Vergleichsgruppen-Durchschnitt beträgt. „Das spricht aus unserer Sicht für sich“, sagte der Chef der City-Kaufleute.

Hintergrund: Die IFH-Studie „Vitale Innenstädte“

Gleichwohl kenne die Händlervereinigung auch „die Kritikpunkte, an denen wir nicht müde werden zu arbeiten“. Zum Beispiel wünsche man sich in Kassels Einkaufsgeschehen noch bestimmte Teilsortimente.

In 111 deutschen Städten hat das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) an mehreren Stichtagen im Herbst 2020 rund 68.500 Menschen befragt, wie sie das örtliche Angebot bewerten und welche Wünsche offenbleiben. In Kassel wurden 800 Interviews geführt. Die Stadt hat zum fünften Mal bei der bundesweit größten Untersuchung dieser Art mitgemacht. (Axel Schwarz)

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