Bundesministerium unterstützt Forschungsprojekt mit 420 000 Euro

Studie: Sind Frauenverbände eine hilfreiche Karriereleiter?

Gilla Dölle

Kassel. Nur 6,5 Prozent der Spitzenpositionen in Vorständen und Aufsichtsräten sind in Deutschland mit Frauen besetzt. Unter den 160 Vorstandsvorsitzenden befindet sich nur eine Frau, sagte Staatssekretär Dr. Helge Braun vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gestern bei einem Besuch des Archivs der deutschen Frauenbewegung in Kassel.

Mit dem Projekt „Frauen an die Spitze“ will das BMBF dazu beitragen, dass mehr weibliche Kräfte in Führungspositionen gelangen. Deshalb unterstützt das Ministerium auch das Forschungsprojekt „Karriere mit Tradition - Analyse der unterschätzten Potenziale von Frauenverbänden bei der Karriereplanung junger Frauen“ des Archivs der deutschen Frauenbewegung.

Der Staatssekretär hatte einen Bewilligungsbescheid in Höhe von 420 000 Euro dabei. Mit dem Geld soll das Forschungsprojekt in den kommenden drei Jahren (zwei volle Stellen plus einige weitere Stunden) finanziert werden. Zwei Mitarbeiterinnen des Archivs wollen 50 Frauen, die Mitglied in Frauenverbänden (zum Beispiel Demokratischer Frauenbund, Ärztinnenbund, Evangelischer Frauenbund, Landfrauenverband, Katholischer Deutscher Frauenbund) sind, interviewen. Es sollen Frauen befragt werden, die früher und heute Karriere gemacht haben. „Aber wir reden auch mit Frauen, die es nicht geschafft haben, um zu erfahren, was für Stolpersteine ihnen im Weg waren“, sagt Dr. Kerstin Wolff vom Archiv der deutschen Frauenbewegung.

Mit dem Projekt wollen die Wissenschaftlerinnen Strukturen und Mechanismen einer erfolgreichen Karriere mithilfe von Frauenverbänden auf die Spur kommen. Wenn Frauen Karriere machten, bräuchten sie erfahrungsgemäß Unterstützung, sagt Dr. Gilla Dölle und nennt Stichworte wie „Old-Boys-Network“ oder die „gläserne Decke“, durch die Frauen in der patriarchal geprägten Berufs- und Lebenswelt oft nicht dringen könnten.

Im Rahmen des Projektes ist eine Tagung geplant, bei der sowohl erste Ergebnisse vorgestellt werden sollen, als auch darüber gesprochen werden soll, wie die Funktion von Frauenverbänden als Karriereleitern für Frauen gestärkt werden können.

Mechanismen erkennen

Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), die bei der Übergabe des Bewilligungsbescheids dabei war, hofft, dass durch das Forschungsprojekt feste Mechanismen erkennbar werden, die für eine Karriere von Frauen erforderlich sind. „Ich glaube nicht, dass die Quote die alleinige Antwort ist, um Frauen in Spitzenpositionen zu bringen“, sagte die Ministerin. Diese Thematik sei wesentlich vielschichtiger.

Archivfoto:  nh

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.