Kasseler Wissenschaftler haben hessische Sportschulen untersucht - Doppelte Förderung sinnvoll

Studie: Über den Sport hinausdenken

Volker Scheid

Kassel. Talentierte junge Sportler stehen unter einer Doppelbelastung: Neben dem Schulalltag fordern Training und Wettkämpfe ihnen viel Zeit und Energie ab. Auch Schulen mit Sportprofil kennzeichnet diese Doppelaufgabe, die Schüler einerseits sportlich, andererseits in ihrer Bildung und persönlichen Entwicklung zu fördern. Wie die 27 sogenannten Partnerschulen des Leistungssports in Hessen diesen Spagat bewältigen, haben jetzt Sportpädagogen der Uni Kassel untersucht.

In der Studie im Auftrag des hessischen Kultusministeriums und des Landessportbundes, die mit 30 000 Euro gefördert wurde, haben die Wissenschaftler festgestellt, dass es mitunter zu Konflikten zwischen den Ansprüchen des Leistungssports und der staatlichen Bildungsaufgabe kommen kann. „Ziel dieser Schulen ist es nicht, kleine Olympiasieger hervorzubringen, sondern selbstbewusste und mündige Schüler“, sagt Prof. Volker Scheid vom Institut für Sport und Sportwissenschaft. Dies sei nicht zuletzt wichtig, damit die Sporttalente lernten, Verlockungen des Geldes und der Leistungsmanipulation zu widerstehen und mit medialer Aufmerksamkeit umzugehen.

Die Schule müsse dabei die Rolle einer „kritisch-korrektiven Instanz“ einnehmen, sagt wissenschaftlicher Mitarbeiter Sascha Creutzburg. Dazu gehöre es auch, Lebenswege neben dem Sport aufzuzeigen. Befragungen an sechs ausgewählten Partnerschulen des Leistungssports, darunter das Kasseler Goethe-Gymnasium, hätten gezeigt, dass den Schülern die Endlichkeit einer leistungssportlichen Karriere durchaus bewusst sei. „Sie wissen, wie wichtig auch die schulische Ausbildung ist“, sagt Creutzburg.

Das Goethe-Gymnasium sei ein gutes Beispiel für die Umsetzung des speziellen Schulprofils Sport. Dort trügen die Schulleitung und das gesamte Kollegium die Ausrichtung der Schule mit. Das sei nicht selbstverständlich. Die Sonderstellung der Sportschüler, auf deren Bedürfnisse etwa bei Klausurterminen oder Hausaufgaben Rücksicht genommen wird, verursache manchmal auch Missstimmungen unter Kollegen.

Doppelte Förderung greift

Die Kasseler Sportwissenschaftler sind von dem Konzept der Partnerschulen überzeugt, das unter anderem die Einrichtung spezieller Sportklassen vorsieht sowie Stützunterricht, wenn durch Wettkämpfe Unterricht verpasst wurde. „Die doppelte Förderung greift: Die Kinder nehmen in der Regel einen erfolgreichen schulischen Weg, aber auch sportliche Erfolge stellen sich ein“, sagt Scheid. Eltern talentierter Kinder wählten die Schulen daher gezielt an.

Eine zentrale Funktion an den Schulen komme den sogenannten Lehrer-Trainern zu, spezialisierten Lehrkräften für einzelne Sportarten. Sie üben eine wichtige Rolle bei der Betreuung und langfristigen Förderung der Sportschüler aus. Besonders günstig sei es, wenn die Lehrer-Trainer eine halbe Stelle auch als „normale“ Lehrer in einem anderen Fach ausübten. Durch die Einbindung in beiden Bereichen seien sie dann ein wichtiges Bindeglied zwischen Schule und Sport.

Von Katja Rudolph

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