Befragung: Kassel bei Verkehrsinfrastruktur im hinteren Drittel

ADAC-Studie zeigt Unzufriedenheit mit Kasseler Radnetz

Hier hat Kassel in die Radinfrastruktur investiert: An der Druseltalstraße sind vergangenes Jahr Radfahrstreifen entstanden. (Archivbild)
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Hier hat Kassel in die Radinfrastruktur investiert: An der Druseltalstraße sind vergangenes Jahr Radfahrstreifen entstanden. (Archivbild)

Die Stadt Kassel hat in Sachen Mobilität noch Nachholbedarf. Vor allem das Radwegenetz, das in den nächsten Jahren ausgebaut werden soll, schneidet noch vergleichsweise schlecht ab.

Kassel - Dies ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des ADAC, für die auch mehr als 400 Kasseler befragt wurden. In der Untersuchung landet Kassel insgesamt auf Platz 21 von 29 mittleren Großstädten, die in Hinblick auf Auto-, Rad- und Fußverkehr sowie ÖPNV analysiert wurden.

Der Radverkehr

Besonders das Radwegenetz sei auffällig häufig kritisiert worden, sagt Wolfgang Herda vom ADAC Hessen-Thüringen. Der Tenor: Es gebe zu wenige und zu schmale Radwege. Insofern sei es zu begrüßen, dass die Stadt in diesem Bereich einen weiteren Ausbau plane, sagt Herda. Zudem sei bemerkenswert, dass es in Kassel auffällig häufig Konflikte zwischen Radfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern (auch anderen Radfahrern) gebe. Die Siegerstädte der Studie würden sich dadurch auszeichnen, dass sie bei ihren Infrastrukturprojekten alle Bürger mitnehmen würden. Kassel tue dies zwar auch, aber auch hier gebe es offenbar noch Luft nach oben. Knapp 60 Prozent der befragten Kasseler hatten angegeben, dass sie in den vergangenen drei Monaten ihr Rad gar nicht genutzt hätten. Nur 16 Prozent hatten dies für berufliche Zwecke getan.

Ergebnis: Rang 26 von 29

Der Autoverkehr

In der Kategorie schnitt Kassel durchschnittlich ab. „Hier hält sich das Stimmungsbild in der Waage“, sagt Herda vom ADAC. Besonders häufig wurde Kritik am Baustellenmanagement und am Parkplatzangebot sowie der Höhe der Parkgebühren geübt.

Negativ ins Gewicht fiel bei Autofahrern zudem das Verhalten anderer Autofahrer und Radfahrer. Positiv wurde die Ausschilderung bewertet. Auch wird eher eine unterdurchschnittliche Stauproblematik in Kassel gesehen. Durchschnittlich zufrieden waren die Befragten mit dem Straßenzustand und den Ampelschaltungen.

Ergebnis: Rang 15 von 29

Der ÖPNV

Die Dichte des Haltestellennetzes überzeugt die Befragten. Ein durchwachsenes Urteil gibt es hingegen für das Preis-Leistungs-Verhältnis von Bus und Straßenbahn. Auch kurze Wege beim Umsteigen und ein hohes Sicherheitsgefühl in den Fahrzeugen fallen positiv auf. 38 Prozent der Kasseler gaben an, den ÖPNV seit der Corona-Pandemie seltener oder gar nicht mehr zu benutzen.

Ergebnis: Rang 20 von 29

Der Fußverkehr

Bei den Fußgängern ergibt sich ein gemischtes Bild. Positiv sticht heraus, dass viele mit den kurzen Wegen für die Erreichbarkeit von Zielen zufrieden sind. Auch das Angebot an gesicherten Überwegen wird verhältnismäßig gut bewertet. Mehr Kritik gibt es für fehlende Sitzmöglichkeiten, das Verhalten der Radfahrer und die mangelnde Barrierefreiheit. Fast jeder dritte Befragte ist der Meinung, dass sich das Verhalten der Radfahrer gegenüber den Fußgängern verschlechtert habe. „Eine solche Tendenz ist aktuell in vielen Städten zu beobachten, wo der Anteil des Radverkehrs wächst. Es kommt zu Dichte-Stress“, sagt Herda.

Ergebnis: Rang 16 von 29

Beim aktuellen ADAC Monitor „Mobil in mittleren Großstädten“ hat der ADAC rund 12 000 Bürger befragt, die in 29 größeren Städten (bis 370 000 Einwohner) regelmäßig unterwegs sind. (Bastian Ludwig)

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