Forschend lernen und lehren

Mit 13 Studienwerkstätten ist Uni Kassel Vorreiter in Lehrerbildung

Forschendes Lernen und Lehren: Sabrina Schude schaut den Grundschullehramt-Studierenden Annalena Schaumlöffel (von links), Ebru Parlak und Özlem Odubasi beim Drucken in der Grundschulwerkstatt über die Schultern. Foto: Konrad

Kassel. Warum gibt es den Buchstaben „e“ so oft? Und warum sind einige Buchstaben groß, andere klein? Grundschüler anhand eines inzwischen antiquierten Setzkastens für den Buchdruck an die Schrift heranzuführen, ist nur ein Beispiel für forschendes Lernen.

Es gehört zu einem von drei Schwerpunkten der Grundschulwerkstatt an der Universität Kassel.

Laut deren Leiter Dr. Ralf Schneider erhalten Studierende, aber auch Lehrer und Referendare so unter anderem Aufschlüsse darüber, welchen Entwicklungsstand Grundschüler haben, wie sie lernen und wie man dementsprechend Lehrinhalte vermitteln kann.

„Studienwerkstätten sind Orte, die das forschende Lernen fördern, Raum bieten, neue Wege zu gehen, zu recherchieren und das Lernen neu zu erleben und zu gestalten“, sagt Sabrina Schude vom Zentrum für Lehrerbildung. Sie koordiniert die Studienwerkstätten an der Uni Kassel. 13 gibt es mittlerweile. Durch diese Vielzahl nehme die Universität Kassel ein Alleinstellungsmerkmal in der Lehrerbildung an deutschen Universitäten ein. Stufenbezogene Werkstätten gibt es für die Sekundarstufe I, die gymnasiale Oberstufe und die Beruflichen Schulen. Sie richten sich an Studierende, Lehrer, Referendare und Schüler.

Mit der Grundschulwerkstatt und ihrem pädagogischen Labor war die Uni Kassel vor fast 40 Jahren eine der ersten Universitäten, die das Konzept in die Lehrerbildung integriert hat. Die Grundschulwerkstatt umfasst eine Forschungs-, Lern- und Entwicklungswerkstatt, fungiert Schneider zufolge als eine Art Transferstelle zwischen Universität und Schule. In der Übergangsphase von der Vor- zur Grundschule geht es beispielsweise darum, herauszufinden, welches Vorwissen die Kinder haben, wo die Unterschiede in ihren Fähigkeiten liegen, etwa in Wahrnehmung, Aufmerksamkeit oder Kreativität. Auf dieser Basis können dann Lernsituationen und -umgebungen geschaffen werden.

Ab der Sekundarstufe I steht laut Schude unter anderem die Schaffung alternativer Lernformate im Fokus, die über die reine Vermittlung von Wissen hinausgehen. Das kann etwa im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften ein Planspiel wie die Gründung einer Firma sein. Außerdem gehe es darum, das eigene Lehr- und Lernverhalten zu reflektieren. Auch die Gestaltung von Lernumgebungen, schlicht das Arrangement von Stühlen, hat laut Schneider Einfluss auf das Lernen. Die Kasseler Grundschulwerkstatt verstehe sich als ein Lern-Labor, in dem Bedingungen und Möglichkeiten des Lernens in Abhängigkeit unter anderem von Lernvoraussetzungen, Lernsituationen und etwa persönlichen Rahmenbedingungen in den Blick genommen würden. Laut Schneider wird ein Zusammenhang zwischen Lehr- und Lernprozessen hergestellt.

• Am Freitag, 26. September, präsentieren sich die Kasseler Studienwerkstätten bei einer Internationalen Tagung im Konzertsaal an der Mönchebergstraße 1, die auch als Lehrerfortbildung akkreditiert ist. Interessierte können sich noch anmelden. Die Tagung richtet sich hauptsächlich an Studierende, Lehrer, Referendare sowie Lehrerbildner von Universitäten und Bildungseinrichtungen.

Von Mirko Konrad

Weitere Informationen: www.uni-kassel.de/go/internationale-tagung-studienwerkstaetten

Hintergrund:

Folgende Studienwerkstätten sind an der Uni Kassel angesiedelt:

Grundschulwerkstatt, Sekundarschulwerkstatt, Forschungsstelle Gymnasiale Oberstufe (FORGOS), Berufsschulwerkstatt, Experimentierwerkstatt Biologie (FLOX), Studienwerkstatt Chemie, Lernwerkstatt Physik, Studienwerkstatt Technik, Lernwerkstatt Musik, Studienwerkstatt Evangelische Theologie (SWET), Integrierte Studienwerkstatt FB 02 (ISW), Mathematik-Didaktisches Labor für die Grundschule, Studienwerkstatt Mathematik in den Sekundarstufen. (pmk)

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