Seminar beschäftigt sich mit psychosozialen Fähigkeiten angehender Lehrer

Psychosozialen Fähigkeiten: Studierende im Praxistest

Vorstellungsrunde: Seminarleiterin Brigitte Mende hat dabei bereits die Teamfähigkeit der Studierenden im Blick. Foto: Konrad

Kassel. Das Burn-out-Syndrom, unter dem häufig Lehrer leiden, und schlechte Ergebnisse bei der Pisa-Studie sind unter anderem Anzeichen dafür, dass viele Lehramtsstudierende nicht wissen, was im späteren Berufsleben auf sie zukommt.

Die professionelle Gestaltung von Beziehungen, insbesondere zu Schülern und Kollegen - also das, was angehende Pädagogen im Grunde erst im Referendariat lernen - ist laut Dr. Timo Nolle neben der Theorie im Studium grundlegend für die pädagogische Arbeit. Nolle koordiniert am Zentrum für Lehrerbildung im Fachbereich Humanwissenschaften der Uni Kassel das Studienelement „Psychosoziale Basiskompetenzen für den Lehrerberuf (BASIS)“. Für den Beruf des Lehrers sind laut Nolle bestimmte Fähigkeiten (Kompetenzen) wie ein sicheres Auftreten, Selbstreflexion, Kommunikations- und Kontaktfähigkeit oder Durchsetzungsvermögen wichtig. Ebenso sollten Lehrer bestimmte Charaktereigenschaften haben, wozu etwa ein souveräner Umgang mit ungewissen Situationen gehört.

In dem zweitägigen BASIS-Seminar geht es darum, alle Lehramtsstudenten bereits im ersten und zweiten Semester auf ihre praktischen Kompetenzen abzuklopfen und sie dabei zu unterstützen, nicht oder unzureichend vorhandene Fähigkeiten weiterzuentwickeln. „Die für die Praxis nötigen Kompetenzen sind entwickelbar, vorausgesetzt, die Ausbildungsbereitschaft der Studierenden ist vorhanden“, sagt Nolle. Kern des Kompaktseminars sind vier Lernsituationen zu verschiedenen Kompetenzbereichen. Dabei geben sich die Studierenden gegenseitig eine Rückmeldung und werden von zwei Seminarleitern unterstützt. Das Seminar schließt mit einer Auswertung der Erfahrungen und einem Einzelgespräch mit jedem Teilnehmer. „Dabei geht es nicht um eine Selektion der Studierenden“, betont Nolle. Vielmehr sollten die Teilnehmer frühzeitig ihre Stärken und Entwicklungspotenziale erkennen. Seit dem Wintersemester 2011 ist das Seminar an der Uni Kassel für alle 650 Lehramtsstudierenden Pflicht, rund 60 dieser Seminare finden im Jahr statt. Weil Schwierigkeiten erst in der Praxis offensichtlich werden, ist die Kooperation zwischen Studien- und Referendariatsphase weiteres Ziel des Projekts. Auch Studienseminare in der Region arbeiten laut Nolle bereits mit diesem Verfahren.

Geleitet wird das Projekt von Prof. Dorit Bosse, Prof. i. R. Heinrich Dauber und Dr. Elke Döring-Seipel. (mkx)

Von Mirko Konrad

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