„Was Bernd sagt, ist Gesetz“

Sturm-18: Ungehorsame Mitglieder wohl mit Hundespielen eingeschüchtert

Die Parteien im Gerichtssaal: Der Verteidiger Markus Sittig, Anwalt von Bernd T., im Gespräch mit Oberstaatsanwältin Andrea Boesken. Foto: Koch

Kassel. Die Umgangsformen unter den Mitgliedern von „Sturm 18“ scheinen nicht die besten und eine demokratische Struktur scheint ihnen fremd zu sein.

„Was Bernd sagt, ist Gesetz. Das sehen alle so.“ Das sagte am Mittwoch die ehemalige Freundin des angeklagten Sturm-18-Präsidenten Bernd T. aus.

Die Frau, die noch im Juni vergangenen Jahres die Satzung des Vereins mitunterzeichnet hatte, schilderte vor der Zehnten Strafkammer des Landgerichts, wie sie in der Nacht zum 7. Juli 2014 in die gemeinsame Wohnung an den Schlangenweg gekommen sei. Dort habe sie ihren Freund Bernd T. und ein junges Mädchen, beide mit nacktem Oberkörper, erwischt. Sie sei sauer gewesen und habe Bernd T. mit Schimpfwörtern provoziert. Daraufhin habe dieser sie attackiert - ins Gesicht geschlagen, auf den Boden geworfen und mit den Füßen, an denen er Turnschuhe getragen habe, dreimal in den Bauch getreten. Bernd T. habe zu diesem Zeitpunkt bereits gewusst, dass sie von ihm schwanger sei, sagte die 21-Jährige aus, die auch als Nebenklägerin auftritt. Demnächst wird die junge Frau mit den weiß-blond gefärbten Haaren entbinden.

Trotz der körperlichen Auseinandersetzung und des Verdachts, dass ihr Freund mit der 16-Jährigen Geschlechtsverkehr hatte, versöhnte sich die 21-Jährige am nächsten Tag mit Bernd T. „Mit der Treue hat er es nie so gehabt.“ Zwei Tage später habe sie die 16-Jährige bei einem erneuten Zusammentreffen sogar zur Rede gestellt, so die 21-Jährige. Zwischenzeitlich hatte die Minderjährige nämlich behauptet, dass sie von Bernd T. in der Wohnung am Schlangenweg vergewaltigt worden sei. Da ein Gutachter aber Widersprüche in der Aussage der 16-Jährigen festgestellt hatte, ist die Vergewaltigung in dem aktuellen Verfahren nicht angeklagt worden. An dem besagten Juli-Abend war das junge Mädchen aber dabei geblieben. Daraufhin habe Bernd T. seine schwangere Freundin und eine weitere Frau dazu angestiftet, der 16-Jährigen jedes Mal eine Backpfeife zu geben beziehungsweise ihr mit der Faust ins Gesicht zu schlagen, wenn sie den Vorwurf wiederholt. Das sei bis zu 20-mal geschehen, sagte die 21-Jährige, die sich gestern vor Gericht bei der Jugendlichen entschuldigte.

Es kam an dem Abend aber noch schlimmer. Bernd T. habe zu der 16-Jährigen gesagt: „Wer sich wie ein Hund verhält, muss wie ein Hund behandelt werden.“ Daraufhin habe sie der 16-Jährigen eine Hundeleine um den Hals gelegt und sie mit einer weiteren Frau „Gassi geführt“. Die 16-Jährige musste auf allen vieren in den Garten krabbeln.

Diese Hundespiele seien bei Sturm 18 kein Einzelfall gewesen, so die 21-Jährige. Die andere Frau, die die 16-jährige geschlagen habe, sei Wochen zuvor von Bernd T. ebenfalls als „Hund“ behandelt worden, weil sie mehrere Treffen von Sturm 18 verpasst habe.

 

Der Prozess wird nächsten Mittwoch fortgesetzt.

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