Auswirkungen des Sturmtiefs Sabine

Reportage zu Sturmtief Sabine: Und der Taxifahrer freut sich

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Orkan-Tief Sabine: Taxifahrer Hasan Odabai hat Reisende in Kassel nach Hannover gefahren.

Sabine hat Deutschland im Griff. Das Tief hat den Alltag vieler Menschen durcheinandergewirbelt – so auch in Kassel. Szenen vom Bahnhof Wilhelmshöhe an einem stürmischen Tag.

  • Das Sturm-Tief Sabine beeinflusst den Alltag vieler Menschen in Kassel
  • Am Bahnhof Wilhelmshöhe geht es ruhig zu
  • Taxifahrer profitieren vom Unwetter

Dass dieser Morgen zu einem Montag gehört, ist um 8 Uhr am Bahnhof Wilhelmshöhe nicht wirklich zu erkennen. Wo normalerweise Hektik herrscht, geht alles so beschaulich zu, als sei Heiligabend. Zwei Polizisten gehen die Bahnhofshalle auf und ab, vereinzelt stehen hier und dort ein paar Passanten, aber sonst?

Maiks Brezelpoint hat geschlossen, selbst die Züge scheinen noch zu schlafen. Der ICE „Salzburg“ auf Gleis vier, der IC auf Gleis eins. Sturm Sabine hat den Fernverkehr der Bahn zum Erliegen gebracht. Das sorgt für Ruhe an einem Ort, an dem normalerweise Stress zum Ausdruck kommt. Immerhin: Es ist nicht alles anders als sonst: Es sei gar nicht so schlimm, stellt der Mann vom Kiosk fest. Selbst die Zeitungen seien alle gekommen. Aber wohl nicht mit dem Fernzug. Noch mindestens bis zum Mittag soll der Fernverkehr eingestellt bleiben.

Taxifahrer in Kassel freut sich über Sturm-Tief Sabine

Das finden nicht alle bedauerlich. „Ich liebe Sabine“, sagt Taxifahrer Hasan Odabas¸ı. Der 62-Jährige hat am Abend in seinem Großraumtaxi Reisende, die in Kassel gestrandet waren, nach Hannover gefahren. „Auf so eine Fahrt habe ich ein halbes Jahr gewartet“, sagt er. Zuletzt sei er so eine Strecke im Sommer gefahren. Es gibt eben auch die, die in stürmischen Zeiten profitieren.

Man müsse „als Taxifahrer Glück haben und an der richtigen Stelle stehen, wenn jemand sucht“, sagt Odabas¸ı . Einige seiner Kollegen seien aber am Sonntagabend (09.02.2020) noch viel weiter gefahren: Kiel, Lübeck, Nürnberg oder Berlin. Die würden jetzt allerdings erst mal in ihren Betten liegen und schlafen.

Gerade aufgestanden sind hingegen Jetlire Salihaj und ihr Mann Kelmend Mehmeti. Das Paar aus Braunschweig hat die Nacht in einem Hotel am Bahnhof verbracht und hofft jetzt, dass bald wieder Fernzüge fahren. Der Rückweg von einem verlängerten Wochenende in Wien ist für sie zur Odyssee geworden.

Reisende strangen wegen Sturm-Tief Sabine in Kassel

„Eigentlich hatten wir Flüge gebucht“, sagt Jetlire Salihaj. Aber der Rückflug sei dann am Sonntagmittag annulliert worden. Mehrere hundert Euro haben sie und ihr Mann für Bahntickets und Hotel gezahlt. Ob sie das Geld erstattet bekommen, ist noch unklar. Immerhin: Der erste ICE Richtung Norden fährt um 11.47 Uhr.

In der Lobby des Intercity Hotels am Bahnhof herrscht zu diesem Zeitpunkt noch reges Treiben. Mitarbeiterin Carolin Sälzer ist erst zum Frühdienst gekommen, aber am Abend sei jede Menge los gewesen, hätten ihre Kollegen berichtet. „An so einem Tag kommen auf der einen Seite die, die nicht mehr weiterkommen. Auf der anderen Seite sind aber auch die, die eigentlich kommen wollten und deren Zimmer jetzt storniert werden müssen“, sagt Sälzer. 

So ein Tag sei für ein Hotel immer Fluch und Segen zugleich – und natürlich jede Menge Arbeit. Aber das sei ja nie verkehrt. Diesmal habe man aber wegen der frühen Warnungen glücklicherweise bereits im Vorfeld planen können.

Reisende haben mit Sturm-Tief Sabine geplant

Mit dem Sturm geplant haben auch viele Reisende. Am späten Vormittag ist die Bahnhofshalle noch immer weitgehend leer. Die meisten Reisenden haben sich auf den Sturm eingestellt und ihre Fahrten verschoben. Wer wartet, sucht sich einen Platz in einem der Cafés. Im Minutentakt hallen Ansagen über die Gleise, dass Züge wegen „Unwetter“ oder einer „witterungsbedingten Störung“ nicht fahren. Es gibt eben viele Möglichkeiten, Sabine zu umschreiben.

Manch einer ist dann aber irgendwie doch noch überrascht, dass er seine Reise nicht antreten kann. So ein Mann, der über Frankfurt nach Marseille fahren will. Vom Sturm hat er nichts mitbekommen. Das verwundert die Umstehenden dann doch. Immerhin seinen Schnellzug in Frankfurt wird er vermutlich trotzdem bekommen, versichert ihm ein Bahnmitarbeiter.

Wegen Sturm-Tief Sabine: Spaziergänger bringen sich in Lebensgefahr.

Hier gibts den Ticker zum Sturm-Tief Sabine.

Video: Orkan Sabine wütet die Nacht durch

Von Kathrin Meyer und Florian Hagemann

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