Auf der Suche nach dem Sinn

2700 Buddhisten meditieren über Ostern in der Messe Kassel

Kassel. Gerd Boll ist seit 26 Jahren dabei. Als der Mann, der mit seiner Familie in der Nähe von Kiel wohnt, Mitte 20 war, war er auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Als er eines Abends einen Vortrag über den Buddhismus hörte, habe er das Gefühl gehabt, dass all seine Fragen plötzlich beantwortet worden seien, sagt Boll.

Durch den Buddhismus habe er seine innere Ruhe und die Klarheit für sein Leben gefunden.

Das lange Osterwochenende verbringt Boll mit seiner Frau Miriam und den vier Kindern im Alter zwischen sechs Jahren und sechs Monaten in den Kasseler Messehallen: So wie viele andere Buddhisten aus ganz Deutschland, Europa und sogar Australien.

Zum zweiten Mal wird hier ein Meditationskurs über die Osterfeiertage angeboten. Am Samstag seien bis zu 2700 Menschen in der Spitze da gewesen, um zu meditieren, sagt Christian Friederich vom Buddhistischen Zentrum Kassel, das die Großveranstaltung federführend organisiert hat. Es ist eine richtige Zeltstadt entstanden. Trotz der vielen Menschen ist die Stimmung gelassen, ruhig und freundlich.

Hintergrund:
Der Däne Lama Ole Nydahl ist der bekannteste westliche Lehrer des Buddhismus. Er lehrt den Diamantweg-Buddhismus in der Tradition der Karma-Kagyü-Schule (gespr. Kadschü) – die zu einer der großen buddhistischen Schulen Tibets gehört. Sie hat in den letzten 40 Jahren ein wachsendes Interesse in Europa gefunden und bildet heute Deutschlands größte buddhistische Gemeinschaft. Ihr geistliches Oberhaupt ist heute Seine Heiligkeit der 17. Karmapa Thaye Dorje, der seinen Sitz in Kalimpong in Nord-Indien hat.

Gerd und Miriam Boll wechseln sich beim Meditieren ab, wegen der zwei kleinen Kinder. Für die beiden Größeren gebe es in den Messehallen eine sehr gute Betreuung. Deshalb sind wohl auch so viele Familien nach Kassel gekommen.

Früher sind die Bolls oft mit Lama Ole Nydahl (siehe Hintergrund) um die Welt gereist. Das geht heute wegen der Kinder nicht mehr. Um so größer die Freude, den Buddhismuslehrer wieder in Kassel zu sehen. „Der Lama ist so wie der gute Onkel für unsere Kinder“, sagt Boll.

Wenn der 73-jährige Mann aus Dänemark einen Raum betritt, dann versammeln sich umgehend ganz viele Menschen um ihn. Er zieht sie an. Sie umarmen ihn.

Der Meditationskurs in Kassel gebe den Teilnehmern das starke Gefühl, nicht allein auf dieser Welt zu sein“, sagt Ole Nydahl. Der Buddhismus gebe Antworten, er lade zum kritischen Denken ein und bringe den Menschen dazu, zum Handelnden in seinem Leben zu werden, fasst Nydahl zusammmen.

Zu Kassel habe er ein ganz besonderes Verhältnis, weil er hier fast zwei Mal gestorben wäre, erzählt der Lama. Einmal vor 20 Jahren bei einem Autounfall im Nebel. Das zweite Mal, als er auf dem Flughafen Kassel-Calden seinen 88. Fallschirmsprung gemacht habe und im freien Fall vergessen habe, auf seinem Höhenmesser zu schauen. Ole Nydahl hat zwei Mal überlebt.

Das Glück spielt im Buddhismus ohnehin eine zentrale Rolle. „Ich bin eine glücklicherer Mensch geworden, seitdem ich dabei bin“, sagt der 23-jährige Felix K. aus Hamburg. „Ich bin angenehmer geworden. Für meine Mitmenschen und auch für mich selbst.“

Mit dem Christentum haben die Buddhisten übrigens keine Berührungsängste. Überall in den Messhallen wurden Schokoladenhasen und Eier genascht. Die Tradition mit den Ostereiern hätten die Christen doch schließlich auch von den Heiden übernommen, sagt Boll. Er schickt seine Kinder auf eine christliche Schule.

Bilder vom Treffen

Buddhisten treffen sich in Kassel

Rubriklistenbild: © Malmus, Pia

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