Forscher des Kasseler Fraunhofer Iwes entwickeln Verfahren, das Reservebedarf genauer bestimmt

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Wie viel Stromreserve braucht das Land? Das wollen Forscher aus Kassel unter Berücksichtigung der schwankenden Einspeisung von erneuerbaren Energien genauer berechnen. Foto: dpa

Kassel. Mit einem neuen Verfahren wollen Forscher des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (Iwes) in Kassel den Bedarf an Stromreserven genauer ermitteln. Projektleiter Markus Speckmann erwartet durch das neue Verfahren Einsparungen in Millionenhöhe, die direkt den Stromkunden zugutekommen.

Im Fokus steht der sogenannte Regelleistungsbedarf im Stromnetz. Das ist eine Art Stromreserve, die Ungleichgewichte zwischen Stromverbrauch und -erzeugung ausgleicht und so für einen zuverlässigen Betrieb des Stromnetzes sorgt. Verantwortlich dafür sind die Übertragungsnetzbetreiber. Sie bestimmen derzeit pauschal für drei Monate, wie groß diese Stromreserve sein muss, um die Schwankungen im Stromnetz auszugleichen, damit die Verbraucher auch dann noch Strom aus der Steckdose bekommen, wenn der Verbrauch beispielsweise höher ist als der erzeugte Strom oder wenn durch Kraftwerksausfälle weniger Strom eingespeist wird als aktuell nötig.

Schwankende Anteile von Wind- und Solarstrom, die einen unterschiedlichen Bedarf an Regelleistung mit sich bringen, werden bisher bei der Bestimmung der Stromreserve nicht berücksichtigt, erklärt Speckmann. Die Iwes-Forscher entwickeln jetzt ein Verfahren, das die zu erwartenden Anteile von Wind- und Solarstrom bei der Bestimmung der Stromreserve einbezieht. Am Ende soll die notwendige Reserve für jede Stunde des folgenden Tages bestimmt werden können.

Zwei Jahre lang sammeln die Forscher deshalb Daten, beispielsweise über das Verhalten von Strom-Verbrauchern, entwickeln Rechenkonzepte und gleichen diese mit den tatsächlichen Daten aus dem Stromnetz ab. So wollen sie herausfinden, ob sie die real benötigte Stromreserve mit dem neuen Verfahren hätten genau vorhersagen können.

Speckmann ist sich sicher, dass mit dem neuen Verfahren die Stromreserve deutlich geringer bemessen werden kann. Das spart auch Kosten, denn die vorzuhaltende Stromreserve wird nach einer Ausschreibung vom günstigsten Stromanbieter gekauft.

Die Kosten für den Regelleistungsbedarf betrugen 2011 bundesweit etwa 500 Millionen Euro. Bei einer Studie, der ein Versorgungs-Szenario mit 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien zugrunde lag, konnten laut Speckmann mit dem neuen Verfahren der Regelleistungsbedarf und damit auch die Kosten halbiert werden.

580 000 Euro Förderung

Das Projekt hat im März begonnen und soll zwei Jahre bis 2015 laufen. Es wird vom Bundesumweltministerium mit 580 000 Euro gefördert. Bei der Entwicklung des Verfahrens arbeitet das Iwes mit dem Übertragungsnetzbetreiber Tennet TSO GmbH zusammen, der 50 000 Euro beisteuert. Tennet gehört zu den fünf größten Netzbetreibern in Europa. Sechs Iwes- und zwei Tennet-Mitarbeiter sind an dem Projekt beteiligt. (mkx)

Von Mirko Konrad

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