Krise beim Verkehrsverbund

Kritik an Arbeitsbedingungen: NVV sucht neue Betreiber für Regiotram-Linie

Kassel. Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) reagiert auf die Krise im Regiotram-Verkehr und sucht einen neuen Betreiber für die Strecke Kassel - Schwalmstadt/Treysa (RT9). Verhandlungen würden bereits laufen. Das bestätigte NVV-Sprecherin Sabine Herms auf Anfrage der HNA.

Schon seit Monaten gebe es Probleme beim Betrieb der Regiotrams auf allen Linien. Immer wieder komme es zu Ausfällen. Insgesamt werde der NVV 900.000 Euro Regress fordern, weil die Regiotram-Gesellschaft (RTG) als Betreiber Verträge nicht einhalte. Die RTG ist eine Tochterfirma von Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) und Hessischer Landesbahn (HLB).

Die Krise beim Betrieb der Regiotrams hat sich in dieser Woche verschärft. Seit Montag fallen auf den Linien Kassel-Hofgeismar (RT3), Kassel-Wolfhagen (RT4) und Kassel-Melsungen (RT5) Verbindungen aus. Teilweise, aber nicht überall, gibt es einen Ersatzverkehr mit Bussen. Offizielle Begründung der RTG ist ein außergewöhnlich hoher Krankenstand unter den Fahrern. Ende dieser Woche, so RTG-Sprecherin Heidi Hamdad, hoffe man wieder zum normalen Fahrplan zurückzukehren. Dass es überhaupt zu Schwierigkeiten kommt, ist für NVV-Geschäftsführer Wolfgang Rausch "hausgemacht": "Die RTG hat ein Personalproblem", sagte er am Montagabend vor dem Verkehrs- und Wirtschaftsausschusses des Kasseler Kreistags.

Aktualisiert um 18.15 Uhr.

Von den mehr als 80 Regiotram-Fahrern fallen derzeit knapp ein Fünftel krankheitsbedingt aus. Für die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Die Arbeitsbedingungen für die Fahrer hätten sich deutlich verschlechtert, seit die Bahn-Tochter DB Regio nicht mehr Mitbetreiberin ist, sagte Thomas Hupfeld, Vorsitzender der GDL-Ortsgruppe Kassel.

Die Ruhezeiten seien viel zu kurz, "was nicht hilfreich ist für das Ausheilen von Krankheiten". Laut Tarifvertrag dürfen Regiotram-Fahrer zehn Tage am Stück arbeiten, haben dann aber nur eine Ruhezeit von 32 Stunden. "Der Überstunden-Berg nimmt von Tag zu Tag zu", sagte Hupfeld. Durch die Überlastung des Personals sieht der GDL-Mann auch die Sicherheit gefährdet. "Wenn das so weitergeht, fährt das System Regiotram vor die Wand", so Hupfeld.

Von Constanze Wüstefeld und Claas Michaelis

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