Süchtig nach Geld und Koks

Landgericht: 34-Jähriger muss fünf Jahre wegen Drogenhandels ins Gefängnis

Kassel. Über elf Kilo Kokain hatte ein 34-Jähriger über Jahre hinweg verkauft. Vor dem Landgericht Kassel kassierte der Dealer gestern dafür fünf Jahre Haft.

Er hatte bereits bei der Polizei alles gestanden, auch vor Gericht räumte er nun alles ein. Einerseits, so erklärte er die Taten, habe er Geld gebraucht. Von 40 Euro im Monat und Verpflegungsgutscheinen, die ihm als Asylbewerber zustanden, habe er nicht existieren können. „Ich habe vom Verkauf der Drogen gelebt.“ Er beschaffte sich Kokain für 36,50 Euro pro Gramm, streckte es mit Milchzucker und verkaufte das Gramm dann für 35 Euro weiter. Doch er habe, gab er ebenfalls zu, den Stoff auch gebraucht, um die eigene Sucht zu befriedigen. Seit 2006, dem Beginn seiner illegalen Geschäfte, sei er abhängig. Wenn mal kein Kokain zu haben war, griff er zu Marihuana.

In einem vom Gericht in Auftrag gegebenen Gutachten zum Zustand des 34-Jährigen während der Taten ging es nicht nur um die Frage, ob sich seine Sucht auf sein Verhalten ausgewirkt hat, sondern auch darum, ob er - wie es Verteidiger Thomas Hammer angeregt hatte - in einer Entziehungsanstalt für Drogensüchtige untergebracht werden muss. Gutachter Rainer Hoffmann wollte mit Blick darauf, dass der 34-Jährige seit Jahren Drogen konsumiert, nicht ausschließen, dass er im Tatzeitraum, der sich immerhin bis 2011 hinzog, in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt war. Doch die Unterbringung empfahl er nicht.

Zum einen habe lediglich der kleinere Teil der Drogen für eigene Zwecke gedient, das meiste sei gewinnbringend verkauft worden. Zum anderen schätzte er die Aussichten auf einen Erfolg der Therapie wegen der sprachlichen Defizite des Angeklagten als gering ein.

Der 34-Jährige hatte durch sein Geständnis erheblich dazu beigetragen, dass der Prozess vor der Dritten Strafkammer mit nur einem Tag und lediglich einem Zeugen über die Bühne gehen konnte. Richter Wolf Winter gestand dem Angeklagten außerdem zu, er habe sich in einer „ungünstigen persönlichen und finanziellen Situation“ befunden. Er war über Sierra Leone und Gambia nach Deutschland gekommen, hatte hier in prekären Verhältnissen gelebt und seit Jahren auf eine Aufenthaltserlaubnis gewartet.

Doch er sei, daran erinnerte Winter, eben auch einschlägig vorbestraft. Und die Mengen, die er in den jetzt angeklagten Fällen verkauft hat, seien nicht unerheblich gewesen. In den rund 300 Fällen, die die Anklage auflistete, verkaufte er jeweils zwischen 30 und 50 Gramm Kokain. Das Gericht folgte am Ende der Staatsanwaltschaft, die fünf Jahre beantragt hatte.

Dem 34-Jährigen steht nach dem Urteil nun die Abschiebung bevor.

Von Ralf Pasch

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