Expertin: Methadon verhindert Beschaffungskriminalität nicht

Süchtige stehlen trotz Ersatzdroge

Kassel. Anscheinend unaufhörlich steigt die Zahl der Heroinabhängigen, die die Ersatzdroge Methadon bekommen. Angela Waldschmidt, Geschäftsführerin der Drogenhilfe Nordhessen, kritisiert im Interview mit der HNA die aus ihrer Sicht zu großzügige Verordnung.

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"Therapie statt Methadon"

Das jetzige System der Substitution helfe Abhängigen nicht, von der Sucht loszukommen. Und es lasse die Beschaffungskriminalität nicht verschwinden, sagt Waldschmidt.

Polizeipräsident Wilfried Henning hatte kürzlich mitgeteilt, dass etwa 80 Prozent der Eigentumsdelikte in der Region von Drogenabhängigen verübt werden. Darunter fallen Straftaten wie Raub, Diebstahl sowie Auto- und Wohnungseinbrüche. Davon hat es 2009 in Nordhessen fast 20 000 Delikte gegeben.

In Stadt und Landkreis Kassel werden nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) offiziell 577 Menschen substituiert. Die Zahl sei in den vorigen Jahren stetig größer geworden, sagt KV-Sprecherin Silvia Herzinger. Deutlich wird das auch an der Entwicklung in Hessen: Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl mehr als verdoppelt und liegt inzwischen bei etwa 6600 Substituierten.

Nach Meinung der Drogenhilfe kommt bei der Substitution die psychosoziale Betreuung zu kurz. Für eine nachhaltige Heilung von der Drogensucht sei diese aber zwingend notwendig, sagt Waldschmidt. Zudem würden die Möglichkeiten der Abstinenztherapie zu wenig genutzt. Längst nicht alle Einrichtungen in der Region seien ausgelastet.

Die Gabe von Methadon lindert die Drogensucht in vielen Fällen nicht. Im Gegenteil: Aus dem Jahresbericht der europäischen Drogenbeobachtungsstelle geht hervor, dass der illegale Handel mit Methadon zugenommen hat. Auch der Missbrauch der Ersatzdroge steige an, zum Beispiel durch intravenöses Spritzen. Normalerweise wird Methadon geschluckt.

Von Claas Michaelis

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