Riesen-Bauprojekt in der Südstadt

Abriss an der Rembrandtstraße in Kassel: Auf der Suche nach Alternativen

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So könnte ihr Quartier einmal aussehen: Bettina von Klopmann (von links), Susanne Schellhase, Walburga Guzowski und Regina Lierse protestieren gegen den Abriss der Mietwohnungen in der Rembrandtstaße (hinten), die den Neubauten auf dem Gelände des ehemaligen Versorgungsamtes an der Frankfurter Straße weichen sollen.

Seit Monaten protestieren Mieter in der Kasseler Südstadt gegen den Abriss ihrer Wohnhäuser. Auf dem Gelände des Versorgungsamts soll ein neues Quartier entstehen. Gibt es einen Plan B?

Die Sorgen, wie es mit ihrem Zuhause in der Kasseler Südstadt weitergeht, sind für Bettina von Klopmann am Wochenende nicht kleiner geworden. Seit fünf Jahren lebt die 55-Jährige in einer der Mietwohnungen der Nassauischen Heimstätte/ Wohnstadt in der Rembrandtstraße. Das Unternehmen will 2022 drei gerade erst sanierte Häuser abreißen lassen, um auf dem Gelände rund um das ehemalige Versorgungsamt an der Frankfurter Straße 335 neue Mietwohnungen zu errichten.

Bei einem Bürger-Workshop am Samstag in der Kunsthochschule haben sich etwa 50 Teilnehmer Gedanken gemacht, wie das Projekt einmal aussehen könnte. Eine entscheidende Frage für viele lautete: Müssen die drei Häuser an der Rembrandtstraße wirklich weichen und von Klopmann sowie andere alteingesessene Mieter somit ihr Zuhause verlieren?

„Wir wollen noch einmal klarmachen, dass wir nichts gegen das Projekt haben. Daraus kann man etwas Gutes machen“, sagt von Klopmann: „Wir verstehen aber nicht, dass es keinen Plan B gibt.“

Reimund Kaleve, Nassauische Heimstätte/ Wohnstadt

Bislang hatte die Nassauische Heimstätte/Wohnstadt argumentiert, dass sich das Vorhaben nur rechne, wenn die drei Häuser abgerissen werden. Nun überraschte Projektentwickler Reimund Kaleve mit der Ankündigung: „Wir schauen, ob die Architekten eine Lösung finden.“ Der Architektenwettbewerb soll noch dieses Jahr starten.

Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) versicherte den Teilnehmern des Workshops, dass dieses „wunderbare Projekt“ nur realisiert werden könne, wenn es eine Einigung mit den Mietern gebe: „Mietrecht hat Vorrang vor Städterecht.“

Gleichwohl wird die Zahl der Mieter, die in den drei Häusern wohnen bleiben wollen, immer kleiner. Die ersten ziehen schon Ende des Monats aus. Laut Kaleve hat sein Unternehmen mit 14 von 36 Mietparteien bereits „unterschriebene Lösungen“. Bei vielen weiteren sei man zuversichtlich, sich ebenfalls zu einigen.

Einigkeit herrschte am Samstag auch darüber, dass das neue Quartier die Lebensqualität in der Südstadt weiter verbessern kann. „Die Straße bekommt eine neue Inszenierung“, findet Stadtbaurat Nolda. So wurde in drei Gruppen diskutiert, wie etwa der Lärmschutz besser werden und möglichst viel Grün erhalten werden kann.

Zudem wünschten sich einige Teilnehmer flexible Wohnkonzepte. Sogenannte „Joker-Räume“ könnten sich mehrere Parteien auf einer Etage je nach Bedarf teilen. Und die meisten finden, dass ein Neubau durchaus mindestens so hoch werden kann wie das zehngeschossige Versorgungsamt, das seit Jahren leer steht. Fotos eines Quartiermodells aus Bauklötzen sollen demnächst im Ortsbeirat diskutiert werden.

All das finden auch von Klopmann und ihre Mitstreiterinnen gut. Trotzdem beteuern sie: „Wir ziehen nicht aus.“

Aus dem Archiv:  Investor des Wohnbauprojektes an der Frankfurter Straße: „Wir kündigen niemandem“

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