Trotz des Ausfalls werden auch Donnerstag noch Besucher anreisen – die Nachricht kam zu spät

Waffenbörse in Kassel: Absage wegen Corona kurz vor dem Startschuss

Eingang Messehallen Kassel
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Trostlose Stimmung: Zahlreiche Aussteller der Waffenbörse bauten gestern ihren Stand in den Messehallen auf – dann erfuhren sie von der Absage.

Eigentlich sollte die umstrittene Waffenmesse in Kassel am Donnerstag starten - doch die enorm gestiegenen Corona-Fälle verhinderten das.

Kassel – Eine halbe Stunde nachdem die Stadt Kassel am Mittwochnachmittag bekannt gegeben hatte, dass die Waffenbörse in der Messehalle wegen Corona abgesagt wird, weiß Veranstalter Wolf Krey noch von nichts. Als wir den Chef der Firma Expo Management am Telefon erreichen, ist er sichtlich überrascht über die Entscheidung. „Aber wir sind doch fast fertig mit dem Aufbau“, sagt Krey und fragt, ob wir ihm die Pressemitteilung der Stadt schicken können.

Weitere Fragen wollte er gestern nicht beantworten. Als wir ihn wenig später in der Messehalle freundlich fragen, wie es nun weitergeht, geleitet er Reporter und Fotografin wortlos zum Eingang und sagt: „Heute gebe ich keine Interviews.“

Zu tief sitzt offensichtlich der Schock über die kurzfristige Absage der Ausstellung, zu der vor knapp einem Jahr noch 20.000 Besucher kamen. Am späten Nachmittag reisten gestern immer noch Aussteller an. Sie sollten die Absage zunächst nicht glauben, als sie die Nachricht hörten.

Waffenbörse in Kassel abgesagt: Messe ist umstritten

Auch schon vor Corona war über die Waffenbörse diskutiert worden. Städte wie Dortmund haben sie längst verboten, weil dort auch NS-Devotionalien gehandelt werden und sie nicht nur Jäger und Sportschützen anlockt, sondern auch Rechtsradikale. Auch Stephan Ernst, der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, war in der Vergangenheit immer wieder in der Kasseler Messehalle, wie er im Prozess um den Mord am CDU-Politiker am Oberlandesgericht Frankfurt aussagte.

SPD, Grüne, Linke und die Fraktion „Wir für Kassel“ hatten in der Stadtverordnetenversammlung zuletzt einen Antrag beschlossen, der den Magistrat auffordert, ein Verbot der Veranstaltung zu prüfen. Dieses Jahr war die Veranstaltung trotz Corona genehmigt worden.

Waffenmesse in Kassel: Das sagen Besucher zur überraschenden Absage

Krey hat sich immer wieder von der rechten Szene distanziert. Im vorigen Jahr ließ er ein Schild am Eingang aufstellen: „Kein Ort für Neonazis.“ Wegen dieser Diskussion sind auch viele Besucher vorsichtig mit der Öffentlichkeit. Günther aus dem Saarland etwa will seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen. Der 71-Jährige ist mit seier Frau bereits am Mittwochmorgen zuhause im Saarland aufgebrochen, um die Waffenbörse zu besuchen. Die Nacht wollte das Paar im Wohnmobil auf dem Parkplatz an den Messehallen verbringen. Dann wären sie durch die breiten Gänge der Ausstellung geschlendert und hätten nach alten Sachen Ausschau gehalten, wie Günther sagt.

Seit zehn Jahren kommt das Paar zur Waffenbörse nach Nordhessen. Nun hatten sich beide besonders gefreut, denn „sonst läuft ja kaum noch was“, klagt Günther. Trotzdem hat er Verständnis für die Entscheidung der Stadt. Beide gehören zur Risikogruppe. Seine Frau muss sich wegen einer Vorerkrankung besonders in acht nehmen. Günther sagt: „Wir werden das Virus nicht in den Griff kriegen, denn die Jungen halten sich nicht an die Regeln.“

Das Paar wollte die Nacht nun trotzdem in Kassel verbringen, im Wohnmobil fernsehen und am nächsten Tag wieder nach Hause ins Saarland fahren. Vor der Abreise werden sie am heutigen Morgen wohl noch auf viele andere Waffen-Fans treffen, die dann erst anreisen. Gestern Abend stand auf der Webseite von Expo Management noch der Satz: „Die Herbst-Waffenbörse findet wie geplant unter Einhaltung des behördlich abgestimmten Corona-Hygienekonzepts vom 15. bis 18. Oktober 2020 in Kassel statt.“ (Von Matthias Lohr)

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