30 Jahre in Hand der Mijalkovics

Abschied vom Krokodil - Wirt gibt Gastro in der Südstadt ab

Der Chef Tugomir Mijalkovic (links) in seinem Element als Gastgeber: Das Privatfoto zeigt Gäste im Krokodil in den 1980er-Jahren. Foto: privat / nh

Südstadt. „Wir schließen nicht, wir geben das Krokodil nur ab“, betont Letica Mijalkovic, als ob sie es etwas tröstet, dass das Lebenswerk von ihr und ihrem Mann Tugomir doch weiterlebt.

Der Abschied von den in über 30 Jahren liebgewonnenen Gästen, aber auch von ihrer Arbeit fällt der 65-Jährigen richtig schwer.

Seit 1905 gibt es das Restaurant „Zum Krokodil“ an der Frankfurter Straße 71. Den Namen verlieh ihm die Brauerei, die die Gäststätte belieferte. Das Krokodil ist eine Institution im Stadtteil. Dass es heute in ganz Kassel ein Begriff ist, haben die Mijalkovics geschafft. Seit 1984 führen sie das Haus mit großem Engagement.

Das serbische Ehepaar, verheiratet seit 44 Jahren, kam 1970 nach Kassel. Bevor es sich selbstständig machte, arbeiteten beide in Zugrestaurants. Ein Kollege war Betreiber des Krokodils und bot es den Mijalkovics an. Die waren begeistert und bauten ein gepflegtes Restaurant auf, gestalteten immer wieder um, eröffneten im Keller vier Kegelbahnen.

Letica, gelernte Schneiderin, lernte kochen, managte die gesamte Küche und kümmerte sich zusätzlich um die beiden Töchter Jelena und Milena. „Meine Frau ist Perfektionistin“, erklärt der 66-jährige Chef stolz. Er, gelernter Gastronom, habe anfangs alles gemacht, war Hausmeister und Arbeiter und notfalls auch Koch, berichtet er. Anfangs war das wirklich keine leichte Zeit, erinnert sich das Paar.

Die serbisch-deutsche Küche, aber auch die familiäre herzliche Atmosphäre sprachen sich bald herum. „Unsere Gäste erzählen viel Persönliches“, berichten die Betreiber, die von drei Mitarbeiterinnen unterstützt werden. Da ist Diskretion Ehrensache. „Ich werde meine Gäste vermissen“, gesteht die Chefin. „Also innerlich habe ich schon losgelassen“, erklärt Tugomir Mijalkovic, den alle „Micha“ nennen. Nach vier Jahrzehnten harter Arbeit freut er sich auf mehr Zeit mit seiner Frau. Bevor sie Ende Februar aufhören, wollen sich die Gastwirte im kleinen Rahmen von ihren Gästen verabschieden.

Neuer Betreiber ist die „Trattoria Pane e Vino“, Beethovenstraße 1. Ab 20. März geht es unter Regie der Trattoria mit dem Krokodil weiter. (pom)

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